LACRIMAS PROFUNDERE - Bleeding The Stars

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VÖ: 26.07.2019
Bandinfo: LACRIMAS PROFUNDERE
Genre: Gothic Metal
Label: Oblivion/SPV
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Lineup  |  Trackliste

313 Reviews habe ich für Stormbringer.at mittlerweile geschrieben und diese hier wird Nr. 314 sein. Erwähnung findet dieser Umstand nicht etwa der öffentlichen Selbstbeweihräucherung wegen, sondern um direkt zum Thema LACRIMAS PROFUNDERE überzuleiten. Denn wenn ich bisher für eine Sparte nicht besonders viel Aufmerksamkeit übrig hatte, dann für die des Gothic Metal, mit dem ich oftmals aufgrund überpräsenter Säuselei, Süßholzraspelei und ähnlichen Vergehen einfach nicht viel anfangen kann. Eine Ausnahme bilden seit etlichen Jahren ebenjene Bayern, die zuletzt eigentlich nur mit "Hope Is Here" ein bisschen hinter meinen Erwartungen zurückblieben, davor aber durchgehend dadurch punkten konnten, dass sie - entgegen aller Kommerzialisierungsvorwürfe übrigens - immer das richtige Maß zwischen Härte und eingängigen Harmonien fanden. Im Fokus stehen dieses Mal, also auf dem neuen Werk "Bleeding The Stars", aber Personalien: Neu-Alt-Drummer Dominik Scholz, der auf "Antiadore" einen grandiosen Job gemacht hat und nach fünf Jahren Abstinenz zurückbeordert wurde, und der erst 27 Jahre junge Mexikaner Julian Larre, der fortan als Sänger agieren soll und hier sein Debüt eingesungen hat.

Vorab hat dieser bereits großes Lob von Oliver Schmid höchstselbst erhalten: „He sounds just like my brother did 20 years ago and can handle the hard vocals.” Die harschen Vocals, die zuletzt sowieso hin und wieder von besagtem Bruder Christoph Schmid als Gastsänger gehandhabt wurden (auf erwähntem "Antiadore" z.B.), sind aber gar nicht der Kernaspekt, der gleichermaßen jüngere wie ältere Anhänger der Band zunächst an "Bleeding The Stars" überraschen könnte, denn das Album beginnt mit "I Knew And Will Forever Know" oldschoolig-doomig und stellt Reminiszenzen an "Fall, I Will Follow" und noch-weiter-zurück-in-der-Diskografie her. Ein sich kalkuliert gerierendes, fades Back-to-the-roots-Geplänkel ist das Zwölftwerk aber trotzdem nicht geworden, denn mit "Celestite Woman", "Father Of Fate" und "After All Those Infinities" beispielsweise hat man abermals Songs geschrieben, die nebst der eingängigen Gothic Rock-Komponente Härte zeigen und gleichzeitig umgehend im Live-Programm funktionieren würden - ein Spagat, den ich an LACRIMAS PROFUNDERE immer wieder bewundere.

Ebenfalls bewundernswert ist die Konsequenz, mit der das Trio auf "Bleeding The Stars" abwechslungsreicher denn je verfährt. Die Doom-Versatzstücke des Openers sind kein Einzelfall und bereichern auch "Like Screams In Empty Halls", in "A Sip Of Multiverse" kreuzen sich Oldschool und Moderne aus dem Sounduniversum der Bayern und in "The Kingdom Solicitude" sowie "Mother Of Doom" wird man mit einigen Stimmungs- und Rhythmuswechseln konfrontiert, die LACRIMAS PROFUNDERE auch heute noch zu einer spannenden Band erklären. Folglich unterscheidet sich "Bleedings The Stars" aber auch ein wenig von seinen Vorgängern und hauptsächlich dadurch, dass man möglicherweise zwei, drei oder gar vier Durchgänge mehr benötigt, um sich zurechtfinden zu können. Solche Reizpunkte sind es allerdings, die einer Band dabei helfen können, Relevanz zu bewahren und somit finden sich LACRIMAS PROFUNDERE auch mit diesem Werk in einer Nische wieder, die sie spürbar von anderen Interpreten abzuheben weiß und angenehm souverän die gängigen Klischees überfliegt.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (11.08.2019)

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