DESTRUCTION - Born To Perish

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VÖ: 09.08.2019
Bandinfo: DESTRUCTION
Genre: Thrash Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Nichts ist so beständig wie die Veränderung. Nachdem das Lineup der Thrash-Initiatoren DESTRUCTION über 20 Jahre relativ stabil blieb, läutete der Ausstieg ihres Drummers Vaaver einen erneuten Zeitenwechsel in der deutschen Prügelschmiede ein. Mit dem Kanadier Randy Black war der neue Taktgeber schnell gefunden, doch sollte es nicht bei einer Teilerneuerung des bewährten Trios bleiben. Mit nur einer Gitarre ist der spielerische Horizont bekanntermaßen limitiert. Für eine Band, die stetig die Bühnen dieser Welt bespielt und auf ehrliches Handwerk ohne Dosen-Support schwört, gilt dies umso mehr. Um diese Grenze zu überwinden, positionierten sich die Zerstörer nach langer Zeit wieder als Quartett und holten Damir Eskić als zweiten Gitarristen an Bord. Für das neue Eisen "Born To Perish" bieten sich damit ganz neue Möglichkeiten - doch was haben die alten Hasen daraus gemacht?

"Für diese Platte war es wichtig, dass wir das "Gerüst DESTRUCTION" so lassen, wie es ist, (...) mit neuen Gewürzen und etwas Pfeffer dahinter" [Schmier, Interview 2019]

So wahr das Sprichwort mit der Veränderung auch sein mag, so muss man es mit dem Wandel doch nicht übertreiben. Das sahen die Bandgründer Schmier und Mike genauso und behielten beim Songwriting zunächst einmal die Zügel in der Hand. Zu den Songs aus ihrer erfahrenen Feder gesellen sich im fertigen Album die persönlichen Noten der neu eingestiegenen Musiker. Das Ergebnis kann sich hören lassen, denn es bringt neben einer handvoll bockstarker Songs auch die richtige Balance zwischen bewährter Kunst und frischem Wind.

Besonders gut gefällt dabei, dass DESTRUCTION wieder ein gutes Stück wütender und aggressiver zu Werke gehen und dabei viele nette Reminiszenzen an ihre Frühwerke einbauen. Wem z. B. bei "Under Attack" die geilen 1980er-Thrash-Riffs und der deftige Arschtritt der frühen Tage fehlte, den dürften die schweren Geschütze auf "Born To Perish" schnurstracks in den siebten Himmel der metallischen Glückseligkeit katapultieren. Die ersten drei Songs "Born To Perish", "Inspired By Death" und "Betrayal" treten ungeniert aufs Gaspedal und lassen nicht selten an Klassiker der Marke "Mad Butcher", "Bestial Invasion" oder "Front Beast" denken. Das gleichzeitig sehr melodische "Inspired By Death" kommt fast unverschämt leichtfüßig daher und ist einer der interessantesten Songs der Platte. Das fies fräsende "Rotten" nimmt das Tempo zunächst ein wenig runter, bevor "Filthy Wealth" in bester MOTÖRHEAD-Manier nach vorne prescht. Mit "Butchered For Life" folgt wieder eine schleppende Nummer mit ordentlich Heavy Metal im Gepäck; ähnlich herausstechend erweist sich "Fatal Flight 17". "Tyrants Of The Netherworld", "We Breed Evil" und "Ratcatcher" lassen hingegen ganz DESTRUCTION-typisch die Sau raus.

Auch wenn mich die südbadischen Knüppler bis dato noch nie enttäuscht haben, klangen sie doch für meine Ohren lange nicht mehr so unverkrampft und schlagkräftig wie heute. Auf "Born To Perish" klingt vieles, als wäre es spontan und ohne jeden Erwartungsdruck aus der Hüfte geschossen worden. Aus der Hüfte geschossen und trotzdem mit Sinn und Verstand komponiert, mit Leidenschaft eingetrümmert und in einem bombastischen Sound eingefangen.

Das neue Material ist per se schon stark und wird durch die Einflüsse der beiden Neuzugänge noch einmal aufgewertet. Am Schlagzeugspiel Randy Blacks erkennt man die typischen DESTRUCTION-Beats und erfährt zugleich einen sehr explosiven und markanten Drumstil, der zur Band passt wie die Faust aufs Auge. Ebenso schöpfen die Thrash-Pioniere mit zwei Gitarren aus dem Vollen. Damir Eskić, der seinen Einstand bereits klammheimlich als Gastmusiker auf "Under Attack" gab, steuert einen Sack voll hochkarätiger Soli bei und leistet sich mit Mike Sifringer eine ausgefeilte Klampfromantik, die lange Zeit nicht möglich gewesen ist. In der heutigen Konstellation erreichen DESTRUCTION, die seit jeher mit Fokus auf ihre Liveperformance komponiert haben, wieder neue Horizonte - und das hört man.

Dass die politische Großwetterlage und der grassierende Wahnsinn in der Welt nicht ganz unschuldig am Aggressionslevel von "Born To Perish" sind, dürfte jedem einleuchten. Songtitel wie "Ratcatcher" sprechen im Kontext des Zeitgeists Bände und auch "Born To Perish" klingt mitnichten nach Vertrauen in die Menschheit. Mit "Fatal Flight 17" erinnert Fronter Schmier an die Tragödie um den Malaysia-Airlines-Flug 17 und verarbeitet darüber hinaus auch eine persönliche Erfahrung in deren Zusammenhang. Textlich bewegen sich DESTRUCTION damit wieder nah am Zeitgeschehen und haben auch nach 37 Jahren noch etwas zu sagen. Dass sie dabei den erhobenen Zeigefinger einer seichten Unterhaltung vorziehen "müssen", ist bedauerlich, doch stellen sie sich gegen das Wegsehen und machen damit einen wichtigen Job.

DESTRUCTION as DESTRUCTION should be

Zwischen "Under Attack" und "Born To Perish" sind zwar nur bescheidene drei Jahre vergangen, doch klingt das neue Album vielmehr wie die spontane Eskalation nach einer langen Pause. Die Platte ist so wütend und oldschool wie lange nicht mehr und verbindet das Beste aus allen Schaffensphasen mit einer Prise Innovation. "Under Attack" war solide, aber dieses Teil ist der Wahnsinn und könnte in Sachen Brachialität und Qualität mit "The Antichrist" konkurrieren. So und nicht anders will ich DESTRUCTION hören - Thrash Till Death!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (01.08.2019)

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