LORD OF THE LOST - Til death us do part

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VÖ: 09.08.2019
Bandinfo: LORD OF THE LOST
Genre: Gothic Metal
Label: Out of Line
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Lineup  |  Trackliste

Seit zehn Jahren gibt es nun LORD OF THE LOST. Ein Geburtstag, den die Band als Anlass genommen hat, eine Mega-Zusammenstellung unter die Fans zu werfen. Zumindest unter 1.000 Hardcore Fans, weil die special-special Zusammenstellung von 69 Songs (ich hoffe, ich hab mich jetzt nicht verzählt) gibt es nur als auf 1.000 Stück limitierte Digibox.

Für dieses Review bin ich in der glücklichen Lage, digital dieses Monsterwerk erhalten zu haben und für euch anzuhören. Zahlt es sich aus, sich dieses Monstrum zu besorgen? Ich würde sagen – Ja, zumindest für den eingefleischten Fan. Die Band hat nämlich nicht nur ein Best Of aller Songs der letzten Jahre zusammengestellt (CD 1 mit 19 Songs), sondern es gibt noch eine CD mit Raritäten bzw. B-Seiten (CD 2 mit 18 Stücken), eine Sammlung mit diversen Remixes bekannter Stücke (CD 3 mit noch mal 18 Songs) und  last but not least CD 4 mit Demos, die teilweise 20 Jahre alt sind, nach „aufgenommen in der Garage“ klingen und die in ihrer nackten Basis Vorreiter für Hit-Songs oder zumindest Teilen davon waren.

Da die Stücke auf CD 1 bekannt sind, möchte ich nicht näher auf diese eingehen, nur erwähnen, dass sich klarerweise darunter die Klassiker finden, die man erwartet, wie zum Beispiel „Sex On Legs“, „Six Feet Underground“ oder „La Bomba“.

Viel spannender ist es, die anderen drei Scheiben unter die Lupe zu nehmen.
CD 2 ist eine Ansammlung von B-Seiten und bevorzugten Stücken, die alle musikalischen Bereiche der Band abdecken und wieder einmal klar machen, dass sich die Hamburger nicht in eine Schublade zwingen lassen. Sie schaffen es bravourös, diverse Stile zu mixen und geschmackvolle Songs zu zaubern, die zum Beispiel melodiös-melancholisch mit morbidem Touch sind, wie „Death Doesn’t Kill You But I Do“. Dann gibt es Songs mit hohem Electro-Anteil, die in ihrer Härte schon mal Richtung Industrial driften sowie deathwürdiges Gegröle liefern („This War“ oder „Zillah“).
Fast schon poppige Nummern („Take The Pain Away“) wechseln sich mit aggressiven Stücken („I.D.G.A.F.“) ab, oder finden sich im Umfeld von Marschmusik und langsamen, düsteren, dämonischen Gothic-Werken.
Nicht zu überhören auch die wunderbaren Piano-Balladen. LORD OF THE LOST finden immer wieder zu diesen leicht melancholischen Stücken, die einfach perfekt für Chris‘ dunkle tiefe Singstimme sind. Mit Orchesteruntermalung und Streichern werden Emotionen eingefangen und mit den entsprechenden Texten zu triefenden und traurigen Balladen geformt. So zum Beispiel zu hören bei „Morsal“ oder „Words Of Sadness“ und dem nachdenklichen „Love In A Time Of War“.
Habe ich etwas vergessen zu erwähnen? Ja, auf jeden Fall eines – die Latino Nummer bzw. spanische Variante von „La Bomba“. Mehr Gestöhne und mehr Aggressivität lassen den bekannten Song völlig anders klingen.

CD 3: Hier hört man diverse bekannte Nummern in Remix-Varianten von mehr oder weniger bekannten Bands der Szene. „La Bomba“ ist wiederum im Einsatz, diesmal in einem Mix von BLUTENGEL, „Die Tomorrow“ wurde von STAUBKIND abgestaubt, „Full Metal Whoe“ hat mit den DOPE STARS INC rumgemacht und der Sex auf Beinen hat FORMALIN bekommen, konkret, einen FORMALIN Club Mix. Natürlich gibt es noch ein Dutzend mehr Remixes, als die aufgezählten, da kann sich jeder rein hören und überlegen, ob nun das mehr nach seinem Geschmack ist, oder ob er nicht doch bei der Originalversion bleibt.
Zum Reinhören würde ich hier auch die Varianten von „Blood For Blood“ empfehlen, das ist nämlich ein Walzer für Klarinette und Pianoforte geworden oder „Die Tomorrow“, das mit seinem 20er Swing-Mix in eine völlig andere Richtung geht.

CD 4: wie schon oben gesagt, handelt es sich hier um Rohmaterial ohne Schnickschnack. Teilweise nur mit Gitarre oder Klavier und einem einfachen Rhythmus. Man hört bereits die Bandbreite heraus, die der jugendliche Chris drauf hatte, und erkennt den Weg, der über die Jahre zum Kunstwerk LORD OF THE LOST geführt hat, das – in meinen Augen – mit jedem Jahr besser wird und sozusagen reift, wie guter Wein.
Das neue Stück „The Eyes Of Love Are Blind” ist ein fast acht Minuten langer Abschluss-Song mit den  bekannten Programming-Spielereien, Piano, orchestralen Einsätzen, bombastischen Höhen und Tiefen und einem Chris, der seine Stimme nur sporadisch zum Einsatz bringt, und wenn, dann in bearbeiteter Form. Sorry, aber dieses nachdenkliche und langatmige Stück haut mich jetzt leider nicht um.

Fazit: CD 1 mit den Best Of Songs ist eine Scheibe für Einsteiger und all die, die das Beste aus zehn Jahren suchen. Der Rest ist echt nur was für eingefleischte Fans.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lady Cat (09.08.2019)

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