HIGH FIGHTER - Champain

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VÖ: 26.07.2019
Bandinfo: HIGH FIGHTER
Genre: Sludge Metal
Label: Argonauta Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Mir wurden folgende Ausdrücke/Aussagen von meiner Therapeutin untersagt: "Eh", "Passt schon", "Schau ma amal" und "Aber". Also vieles, das dem Südösterreicher zur Abschwächung oder gänzlichen Umkehr einer Aussage gereicht. Wohl auch dem Ostösterreicher, aber ich wohne im Süden, also belassen wir es geographisch dabei. Ob und wenn ja wie das in Norddeutschland gehandhabt wird entzieht sich völlig meiner Kenntnis. Ich muss auch zugeben, dass ich mich hier erst gar nicht zu einer Recherche aufgemacht habe.Es war mir gelinde gesagt, leicht egal.

Vor einigen Jahren habe ich "Scars & Crosses" von HIGH FIGHTER ziemlich bejubelt, habe dabei möglicherweise um einen halben Punkt übers Ziel geschossen. Das Album war und ist grandios, meine Betrachtung desselben hingegen zu euphorisch. Weil es mit "Champain" jetzt einen Nachfolger gibt, der die Basis des Vorgängers aufnimmt und die Regler noch einmal deutlich nach oben reißt. 

"Champain" ist verkürzt gesagt einfach mehr als "Scars & Crosses". Heavier, verspielter, unzugänglicher, fieser. Mehr eben.

Der ohnedies schon herbe Gesang vom Vorgänger wurde von Mona Miluski noch deutlich derber ausgelegt. Ich hab mich eine Weile lang gefragt, ob hier mit Effekten gearbeitet wurde, es scheint aber, dass Mona hier ihrem Körper Sounds entlockt, die nicht mehr von dieser Metal-Welt sind. Im Kontrast dazu brilliert sie dann wie schon auf dem Vorgänger mit rockig-bluesigem Gesang, der den Songs, die oft wirklich sperrig sind, so etwas wie Struktur gibt. Oder so etwas wie Refrains. 

Im Vergleich zum vorliegenden "Champain" wirkt der Vorgänger beinahe schon steril. Das neue Album ist dreckig. Stellt euch die Dustbowl in den 30-er Jahren in den Staaten vor. HIGH FIGHTER hätten mit ihrem neuen Werk den passenden Soundtrack dazu geschrieben. Oder zu einem Rob Zombie-Film. 

Oder wir bleiben ganz einfach bei einem Liederzyklus, der vertrackt und eckig ist, ab und an aber auch einfach nur heavy. Der Beginn von "Shine Equal Dark" ist beinahe Death/Black-Metal. Meine Güte, die Frau schreit wie der Deibel höchstselbst. "Dead Gift" ist ein Song der mit beinahe klassischen Strukturen aufwartet. Easy Listening quasi im HIGH FIGHTER-Universum.

Das zentrale Stück "Another Cure" stonered über eine Minute vor sich hin, bis eines der groovigsten Riffs der Bandgeschichte aus dem Keller gezerrt wird. Das Lied birgt auch so ziemlich das einzige Mal auf dem Gesamtwerk eine etwas zerbrechliche Stimme in sich. Sieben Minuten und keine Sekunde Langeweile. Da gibt es Prog-Rock/Metal-Bands die ähnliches in ihrer gesamten Karriere nicht schaffen. Heavy, groovy, brutal und melodisch. Ab und zu.

Sollte "Kozel" von tschechischem Bier handeln dann ist es entweder eine Empfehlung oder eine Ablehnung. Wenn es nicht davon handelt...ähm, dann keines von vorgenanntem.

Das Album pulsiert auf nachdrückliche Weise. Wir rennen gegen Wände und reiten auf Wellen. Es ist manchmal schön, farbenfroh, meistens aber wie dem infernalischen Abgrund entrissen. Es geht der Band wohl nicht darum, Härterekorde zu brechen, sie machen es aber quasi im Vorbeigehen trotzdem. Da müssen sich viele Death Metal-Bands anstrengen um auch nur in die Nähe von HIGH FIGHTER zu kommen, von den Clown-MakeUp-Schwarzteesiedern brauchen wir gar nicht erst zu reden.

So, die Conclusio: Ein Album, welches wohl ein paar Monate brauchen wird um zur Autofahrbeschallung geeignet zu sein. ABER, und hier schließt sich der Kreis zu meinem listigen Intro, das Album hat etwas, was beinahe allen anderen Bands im Metal abgeht: Eigenständigkeit. 

Warum dann nur vier Punkte? Weil ich gerne warten möchte, wie sich "Champain" entwickelt. Hier steckt, so denke ich, viel hinter dem ersten Eindruck. Ich bin gespannt.

 

 

 

 

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (07.08.2019)

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