THE GLOOM IN THE CORNER - Flesh & Bones

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VÖ: 30.05.2019
Bandinfo: THE GLOOM IN THE CORNER
Genre: Metalcore
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Oh Junge, THE GLOOM IN THE CORNER sind etwas Besonderes. Besonders nicht (nur) im Sinne von einfach anders, die Australier erkunden ihr Genre aus einer Perspektive, die ihnen zu Recht einen Ausnahmestatus verleiht. Als narrativ-basierte Band verbinden sie ebenso rotzigen wie atmosphärischen Metal-/Deathcore mit düsteren Themen und einer konsequenten Lore (also einer fiktiven Welt mit eigenen Gesetzen und Erzählsträngen), inklusive eigener Figuren und einer Dramatik, die es in sich hat. Musikalisch und lyrisch (das ist hier kaum voneinander zu trennen) reihen sie sich neben beispielsweise LOTUS EATER und LOATHE in die Gründerväter des ‚Gloom‘ ein – ein Genre von dem noch viel zu erwarten sein dürfte. Nach ihrer ersten LP „Fear Me“ und der nachfolgenden EP „Homecoming“ setzen THE GLOOM IN THE CORNER nun ihre Geschichten mit „Flesh & Bones“ fort, was, so viel sei vorweggenommen, einen mehr als würdigen Nachfolger für die vollkommen unterschätzten Erstlinge darstellt.

(Auch wenn sich nicht alle für das Storytelling des Albums und seines Vorgängers interessieren dürften, ist diese Review natürlich spoilerfrei. Wer sich für die Lore (HanneLore? - Urednik) interessiert, sollte sich die eigens von der Band neu arrangierte Playlist der eigenen Diskographie ‚The Narrative of the Sect‘, zum Beispiel auf Spotify verfügbar, zu Gemüte führen.)

Flesh & Bones“ umfasst insgesamt sieben Songs und ist damit mehr knackig als besonders ausartend, was in diesem Fall aber kein Defizit, sondern durch den besonderen Schliff der einzelnen Tracks und des Gesamtkonzepts eher eine Stärke der Platte ist. Monoton wird es hier durch die Kürze nämlich niemals: Von (wortwörtlich) wahnsinnigen Eskapaden und brutalsten Breakdowns wie in „Misanthropic“ oder „Survivor’s Guilt“ bis zu melancholischen, melodiegetragenen Stücken wie „Peace“ (dem übrigens LOATHEs Kadeem France seine wundervolle Stimme leiht) ist hier alles vertreten. Ohne die einzelnen Tracks hier jeweils genauer unter die Lupe nehmen zu wollen, ist die Stärke von THE GLOOM IN THE CORNER auf „Flesh & Bones“ stilunabhängig omnipräsent: Atmosphäre, zum Schneiden dicht. Der Stil bleibt in weiten Teilen den Vorgängern treu und lässt sich nicht anders als ‚gloomig‘ beschreiben, was ungefähr einer gefühlten Vertonung von William Peter Blatty’s „Der Exorzist“ entspricht: Tragik, Dunkelheit, Ästhetik und tiefe Erschütterung greifen in jeder Zeile und jeder Strophe wie Zahnräder ineinander und münden im vielschichtigen Finale „Can’t Reach The Sun“, das wie ein Kondensat aller Aspekte von THE GLOOM IN THE CORNER aus besagter Ecke hervor fließt und den fiktiven Raum mit leuchtender Finsternis erfüllt.

Flesh & Bones“ beweist, dass THE GLOOM IN THE CORNER schnellstens ihren Status als Geheimtipp ablegen wollen und dazu auch mehr als in der Lage sind. Wer jetzt noch nicht Fan ist, sollte es schnellstens werden, um narrativ und musikalisch in der Welt des Gloom am Puls der Zeit zu bleiben. Zugegeben, einige Aspekte der Band (wie beispielsweise die Vocals) können im ersten Moment gewöhnungsbedürftig sein, aber hier lohnen sich getrost auch mehrere Startversuche – der Funke springt garantiert über!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lucas Prieske (02.08.2019)

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