EMPYREAL - My Own Living Hell

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VÖ: 11.07.2019
Bandinfo: EMPYREAL
Genre: Black / Death Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Innovation im Metal ist nicht immer leicht. Der metallische Makrokosmos gilt nicht selten als renovierungsresistent und auch der Verfasser nimmt sich dabei nicht aus. Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht und was ich nicht kenne, beunruhigt mich und macht mir Angst. Doch sollte man hin und wieder mal die Scheuklappen ablegen, sich aus seiner oldschooligen Komfortzone trauen und originelle Kompositionen auf sich wirken lassen. Freigeister wie die fränkischen EMPYREAL hätten es sonst mit ihrer Interpretation des Blackened Death Metal schwer und ein sehr hörenswertes Stück Musik bliebe zu Unrecht im Keller von Dennis Schneiders hauseigenem Studio liegen.

Die fünf Musiker, auf deren Referenzliste Kapellen wie FINAL BREATH, SOUL DEMISE, RETALIATION oder VEHEMENZ stehen, kombinieren geschickt die extremen Genres und gehen noch den ein oder anderen Schritt darüber hinaus. Der künstlerische Schwerpunkt mag irgendwo zwischen (Post) Black- und Melodic Death Metal liegen, doch lauern unter jedem Stein Überraschungen. Seien es die für den Extrembereich ungewöhnlich melodischen Riffs, die virtuose Zweiklampfenromantik, das unterhaltsame Spiel mit Obertönen oder der Wechsel zwischen englisch- und deutschsprachigen Textpassagen - nach Schema F gibt's bei EMPYREAL wohl nur den Kassenzettel für den Erwerb der Platte.

Und wenn EMPYREAL außer innovativem Extrem-Metal noch eine Sache können, dann ist es Spannung aufbauen. So zum Beispiel mit dem Opener "Meant To Cease", der sich langsam und melancholisch aufbäumt, bis die hämmernde Doublebass wie ein Silvester-Kanonenschlag einsetzt und ungeniert Kleinholz macht. Fliegende Leads und Twingitarren säumen schließlich den Weg zur Strophe, mit der Michael Bachmanns markantes Organ einsetzt.

"An Ascent To Heaven" schwingt kräftig die Thrash-Keule und geht von krächzigen Schwarzheimervocals zu tieferen Growls über. Dazu wird über weite Strecken durchgeblastet und eine mehrheitlich düstere Atmosphäre geschaffen. Auch im Heavy Metal wird gerne gewildert, wie die mehrstimmigen Gitarren im Opener oder dem sehr zuweilen epischen "Demons Of Despair" demonstrieren.

"And So It Was Forlorn" beginnt zunächst auf der Akustikgitarre, steigert sich durch den schrittweisen Einsatz aller Instrumente stetig in den Krach hinein und endet - wie es begann - in einem Moment der Ruhe. Das Instrumentalstück, das in abgewandelter Form auch eine gute Figur als Album-Intro oder Outro gemacht hätte, dient als zeitweiser Ruhepol und überleitender Spannungsbogen zu "The Light", der auch hier sehr gelungen ist. "The Light" selbst sprudelt wie ein Quell von melancholischer Glückseligkeit und reißt ab dem ersten Durchlauf mit.

Mit dem progressiv anmutenden "The Bliss Of Blind Men" und dem vom (Melodic) Death Metal regierten "Final Warning" folgen noch zwei profilierte Stücke, bevor "Streams Of Time" die Platte sehnsüchtig und erhaben ausklingen lässt.

Mit den besagten 51 Minuten ist "My Own Living Hell" wohlig gefüllt. Offen gestanden brauchte die Scheibe auch den einen oder anderen Durchgang, um zu zünden, aber sie tat es. EMPYREALs Debut ist kreativ, unkonventionell und auch auf technischer Ebene eine Bank. Für ihr weiteres Schaffen haben die Franken damit einen potenten Nährboden geschaffen, auf dessen Früchte man gespannt sein darf.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (15.08.2019)

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