THE 69 EYES - West End

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VÖ: 13.09.2019
Bandinfo: The 69 Eyes
Genre: Gothic Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Zum 30-jährigen Jubiläum kommt wieder etwas Neues von THE 69 EYES auf uns zu. Wer nach den letzten Alben enttäuscht war, weil die Band stark von ihren Anfängen abwich und sich in eine Richtung entwickelte, die nicht bei jedem gut geheißen wurde, kann nun aufatmen. Die Finnen sind zwar noch immer nicht dort, wo sie gestartet haben, aber mit der Neuerscheinung ihren Anfängen näher als auf den letzten Werken. Trotzdem ist das kein „Back to the roots“, sondern ein Songwriting, das wieder ein paar neue Sachen auslotet und davon zeugt, dass die Band in die Jahre gekommen ist und nicht nur sie selbst gereift sind, sondern auch ihre Musik.

„West End“ – ein Titel, der sicherlich den einen oder anderen aufhorchen lässt. Keine Panik! All jenen, die eventuell „West End Boys“ von den PET SHOP BOYS kennen, kann ich gleich vorab sagen, dass die „Helsinki Vampires“ damit überhaupt nichts am Hut haben. Sie begeben sich mit ihrem Album wieder in die Welt zwischen Dark Rock und Goth’n’Roll und spielen dunkle, melodische Rock-Nummern. Elvis ist großteils verschwunden, Roy Orbinson noch ein wenig zu hören, THE SISTERS OF MERCY Anleihen aber noch immer stark vertreten. Und mit dem Titel „West End“ bezeichnen sie das „Ende der westlichen Welt wie wir sie kennen“ (Zitat Jyrki), aber nicht die Pop-Jungs aus dem letzten Jahrtausend.

Wie immer ist das Album geprägt von Jyrkis dunkler Stimme und dem melancholischen Vibe, den er den Songs verpasst. Mal ist er ein Rocker, dann der Fürst der Finsternis, irgendwo auch der Lover. Er singt jedoch nicht alleine. Für zwei Songs wurde Verstärkung geholt. Der Opener „Two Horns Up” wird von CRADLE OF FILTHs Fronter Dani Filth verschönert. Seine Stimme hebt sich natürlich ganz deutlich von Jyrki ab, da es eine völlig andere Tonlage ist. Der Song wirkt dadurch wilder und mystischer. Wednesday13 und Alice Coopers Tochter Calico Cooper singen im Duett bei “The Last House On The Left”. Wem dieser Titel bekannt vorkommt – stimmt – das ist der Name des ersten Wes Craven Films. Die Nummer kann daher gut für eine schaurige Halloween Party verwendet werden, wenn man dazu hart rockende Metal Fans geladen hat. Denn das Gitarren-Solo kommt knackig, die Riffs heftig und der Gesang ist wirklich ziemlich schaurig. Ein weiteres Einsatzgebiet wäre noch die Geisterbahn.

Inzwischen bekannt sind die Songs „27 & Done“, das mit seinem morbiden Inhalt dem Club 27 Tribut zollt und wo die Musik schön melodisch dunkel ist. Jyrki singt auch melodisch und klar, sodass der Gesamteindruck doch nicht so düster ist, und den Riffs bzw. Gitarren etwas von der Härte nimmt. ,Das rhythmisch und mit diesen Hooks sofort ins Ohr gehende „Cheyenna“, bei dem mir im Video sofort die Harley ins Auge gestochen ist (wer Böses denkt, könnte dahinter auch ein Harley-Werbe-Video vermuten) und „Black Orchid“, das dann für den 69 Eyes Vibe sorgt, wie man ihn von früher kennt. Diese Stücke zeigen einem ziemlich gut, welche Songs und Richtungen auf dem neuen Album zu entdecken sind.

Piano, Streicher und sehr ruhig: "Change". Erst langsam kommen die "Strominstrumente" und Schlagzeug dazu und ermöglichen dem Song, sich mit der Zeit zu steigern und zu einem kleinen Epos zu mausern. Eine wunderbare Komposition und in meinen Augen eines der besten Stücke auf dem Album. Ähnlich auf der ruhigen dunklen und sich entwickelnden Welle:  "Death & Desire", das aber ohne Piano und Streicher auskommt, dafür einen netten Engelschor dazu packt. 

Was hat nun Bezug zu "West End"? Am besten „Burn Witch Burn“, wo inhaltlich die sozialen Medien am Pranger stehen und mit rockigem Nachdruck und härteren Gitarren der Frust und die Ohnmacht im System besungen werden.

Goth'n'Roll habe ich anfangs erwähnt. "Outsiders" bringt das auf den Punkt: schön rockig-flott, fährt in die Beine und ist trotz des dunklen Vibes breitentauglich. Die Riffs sind einfach, aber genau deswegen bleibt die Nummer hängen und klingt ein wenig retro. Das könnte man auch schon in den 50ern gespielt haben.
"Be Here Now" erinnert wieder an SISTERS OF MERCY und "Hell Has No Mercy" ist ein zart-düsterer, melancholischer Ausklang, der jetzt nichts weltbewegend Neues bringt, sondern die Band musikalisch settelt.

Schönes Detail am Rande: auch nach 30 Jahren gibt es noch immer die gleiche Besetzung. Ob das mit dem nordischen Vampirleben zusammenhängt? Ich kann es nicht sagen. Auf jeden Fall bedeutet es, dass die Band immer am gleichen Strang zieht und gemeinsam die Entwicklung Richtung Reife (und Musik für reifere Leute) macht.

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lady Cat (16.09.2019)

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