SINNER - Santa Muerte

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VÖ: 13.09.2019
Bandinfo: SINNER
Genre: Heavy Metal
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste

Tausendsassa Mat Sinner bringt mit seiner Band SINNER wieder etwas Neues auf den Markt. Was 2017 mit „Tequila Suicide“ begann, findet nun eine Fortsetzung in „Santa Muerte“. Neben den SINNER-typischen heavy Hardrock Songs gibt es auch mehrere latino-angehauchte Nummern, wie das bereits veröffentlichte „Fiesta Y Copas“ oder „Santa Muerte“ und ein – für mich – überraschendes Stück, wo die neue Sängerin brilliert. Aber schön der Reihe nach…

Mat singt einerseits selbst, hat sich aber gesangstechnisch auch mehrere Mitstreiter angelacht, die die Songs intonieren. Kein Wunder, denn aufgrund seiner vielen Bands und der „Rock Meets Classic“ Auftritte schart er inzwischen einen ordentlichen Bekanntenkreis um sich. So sind zum Beispiel die in letzter Zeit sehr oft ins Rampenlicht tretenden Herren Ricky Warwick und Ronnie Romero zu hören. Ronnie singt das schon erwähnte „Fiesta Y Copas“ (was ich persönlich sowohl inhaltlich auch von der Stimme sehr passend für ihn finde) und Rickys einzigartige Stimme liefert den irisch-rauen THIN LIZZY Ton zu „What Went Wrong“.

Neben Frontmann Mat gibt es bei diesem Album aber auch eine feste zweite Stimme: die Italienerin Giorgia Colleluori singt nun an Mats Seite und nicht mehr nur im Background, wie bei „Rock meets Classic“. Dadurch erhalten die Songs ein zusätzliches Klangspektrum, da eine weibliche Stimme ganz andere Sphären abdeckt und in der Kombination mit Mat tolle Duette entwickelt werden. Giorgia startet zum Beispiel das Album mit „Shine On“. Da hört man gleich, dass sie weder zu den zart trällernden Mädels gehört, noch zu denen, die mittels Bearbeitung ihre Stimme auf männlich trimmen. Sie ist eine rechte Rockröhre, versteht sich aber auch auf einfühlsamen Blues, wie man bei „Death Letter“ etwas später hören kann. Eine wunderschöne Nummer, mit akustischer Gitarre, wo sie herrlich mit ihrer Stimme spielt und eine ganze Bandbreite an Emotionen mit ihrem souligen Organ präsentiert. An der Gitarre hierein Gast: der schwedische Gitarrist/Co-Songwriter Magnus Karlsson (PRIMAL FEAR, ALLEN/LANDE). Dieses vorerst ruhig gehaltene Stück ist eines meiner Lieblingslieder auf diesem Album bzw. auch derzeit. Die Band mischt mit dem Sound und dieser Sängerin absolut in der TOP-Blues-Riege mit.

Nach dem Vollgasstart von „Shine On“ (gute Gitarrenarbeit, fetziges Schlagzeug) kommt schon die erste „Latino“-Nummer. „Fiesta Y Copas“ ist ein Duett von Mat und Ronnie. Lässige Rhythmen und kreative Drum/Bass/Percussion-Strecken verpassen dem Rocksong ein südländisches Flair und beschwingt vom Rhythmus möchte man sofort mitsingen oder tanzen. Intensive Bassläufe und eingängige Riffs leiten über zu „Santa Muerte“. Die Band konzentriert sich musikalisch wieder mehr auf eingängigen Rock mit Mitsing-Qualitäten und weniger auf Latino, dazu ein paar sauber und nett eingestreute Soli und schon hat man eine runde Sache.

Wenn ein Album von einem Bassisten gemacht wird, ist klar, dass der Schwerpunkt bei Bass und Schlagzeug liegt. Mat ist nicht Lemmy, aber manchmal lässt er schon heftig die Sau raus. „Last Exit Hell“ ist so ein Song, der knackig ist und fetzt. Der gesangliche Abtausch mit Georgia nimmt nichts an Power weg, vielmehr steht sie genauso dazu und gemeinsam sind sie ein starkes Gesangsteam. Trotzdem kommen die Gitarren nicht zu kurz, das Songwriting sorgt immer für einen Ausgleich zum Rhythmus-Sektor und die beiden Gitarristen/Co-Komponisten Tom Naumann und Alex Scholpp sind einfach ihr Geld wert und eine ausgezeichnete Wahl. Ähnlich knackig-rockig gestrickt und mit vielen tollen Riffs und Soli sind „Lucky 13“, „The Wolf“ und „The Ballad Of Jack“, was in Wahrheit gar keine Ballade ist, sondern viel mehr ein melodischer Power Metal Song.

Bestimmt von einem dominierenden Midtempo Riff und einer eingängigen Melodie ist „What Went Wrong“. Der Song gehört zu den beschwingten Stücken und klingt nicht nur wegen Ricky Warwick ein wenig nach THIN LIZZY, sondern wegen der Gitarrenparts. Die Nummer regt zum Mitsingen und Rocken an, genauso wie „Craving“, das sich mit seinem gut gemachten Chorus zu einem Ohrwurm mausert.

Ein wenig zwischen Blues und Rock und mit einem Auge auf Power Ballade schielend ist „Misty Mountain“. Erneut singt Giorgia und erinnert an die bekannten Rocksängerinnen aus dem letzten Jahrtausend (LEE AARON zum Beispiel oder auch BETH HART), da ihre Stimme absolut nicht weichgespült wird.

Der letzte Song "Stormy Night" klingt nach Vergangenheit. Man hört ein lässiges Duett, das auf der einen Seite Wehmut aufkommen lässt, andererseits motiviert der Chor wieder zum Mitsingen. Die Rhythmen erinnern an viele tolle Rock Songs aus der Hochblüte des Genres(Gary Moore zum Beispiel). Und die Anfangs- und Schluss-Sequenz mit der Flöte passt stimmlich ganz zu diesem Old School-Feeling.

„Santa Muerte“ ist ein nicht ganz alltägliches Album geworden, das die Vielseitigkeit und Routiniertheit von Mat Sinner zeigt. Es ist eine Scheibe, die man sich oft reinziehen kann und die sowohl im Auto als auch bei eine Party gut kommt. Man kann es auch wie ich machen und dabei den Kochlöffel schwingen, aber Achtung, da landet die Soße beim Umrühren schon mal an der Wand, wenn man sich zu sehr mitreißen lässt.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lady Cat (17.09.2019)

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