BRAVERIDE - ...Of Heroes And Innerfire

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VÖ: 26.03.2019
Bandinfo: BRAVERIDE
Genre: Epic Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

"Marios Christakis decide to create a band with a 100 % epic feeling and modern sound, with the serious epic approach of the old epic bands like WARLORD, BATHORY, MANOWAR (first albums) etc."

Den Bastard von WARLOD und BATHORY und MANOWAR vermag man sich wohl in den schlimmsten, industriealkoholinduzierten Träumen nicht vorstellen: "Tomorrow is a fine day to ride a unicorn to Valhalla!".

Liest man dann noch, dass einer der Lieblings-"Epic Movies" des Sängers "Love Actually" ist, dann schraubt sich der punktetechnische Ermessensspielraum schon vor dem ersten Anhören deutlich nach unten.

Passend dazu ist  das Produkt dann auch so erfreulich wie ein auf 93 Grad erhitzter Dauerkatheter, der dem Manne von einem verärgerten SS-Arzt aufreizend langsam in die Urethra eingeführt wird, so einladend wie ein mehrtägiger Dienst als Seifenwart im Hochsicherheitsgefängnis Karlau oder so erfreulich wie eine Souterrainwohnung in Niederösterreich.

Wo, werter Redakteur, ist das Problem?

Erstens das Genre an sich. Symphonic Epic Unicornic Power Metal war sicher dereinst hörenswert aber es gibt kaum ein Genre (der Black Metal-Clownnerdzirkus möglicherweise noch) welches sich seit Entstehen um kein Iota weiterbewegt hat wie der Kirtagsmetal rund um Drachenflammen, an Gicht leidenden Zwergen, noblen Elfen, übellaunigen Orks und Zauberern die immer genau zum richtigen Zeitpunkt auftauchen (ja, a bissi kenn ich mich auch aus). 

Musik ist etwas höchst Subjektives und es existieren zuhauf Genres außerhalb der Metalwelt, die bereichernd, fordernd oder einfach auch nur unterhaltend sind. Es gibt aber selten ein Genre wie das "Jungfrauen schänden und Drachen retten"-Fiasko welches uns seit Ende der 90er nahezu deckungsgleich von tausenden Bands um die Ohren gehauen wird. Zumindest ist es mir damals mit der ersten RHAPSODY erstmalig bewusst geworden. Einige gute Ideen, ein Cover, welches seit damals durch die Äonen weitergereicht wird, 10.000 Spuren im Studio um das Ganze noch EPISCHER werden zu lassen und irgendwelche Gastbeiträge irgendwelcher Sänger*innen. Es mag sein, dass die Musiker musizieren können und die Studios produzieren (später dazu mehr), aber drei Ideen auf 70 Minuten auszubreiten hat damals nicht funktioniert und funktioniert auch heute nicht. 

Es gibt eine Menge Schubladen im Metal über die man gerne tagelang plaudern kann, aber für mich gibt es zwei, drei Genres die absolut nicht mehr gehen. Und dazu gehört dieses aufgeblasene musikalische Windgebäck, diese vor Wochen am Kirmesstand verendete Schaumrolle, dieses musikalische Äquivalent eines Softpornos. 

Zweitens: BRAVERIDE vereinen alles Vorgenannte in sich, leider kommt dazu eine grauenhafte Produktion in der man den Gesang suchen muss, ein nicht existentes Songwriting und Gaby Koss' Gastgesang, der mich die baldige Ankunft des Schnitters herbeisehnen lässt.

So ziemlich alles was Symphonic Epic Hollywood Filmscore Tabletop Rollenspiel Landkarten Power Metal ausmacht, machen BRAVERIDE. Und sie machen es noch einen Zacken schlechter.

Das muss man allerdings erst mal zusammenbringen. Deshalb ein halber Punkt.

"...Of Heroes And Innerfire" ist so klebrig, ich muss mich jetzt zügig mit Nitroverdünnung duschen und mit einer Drahtbürste nachpolieren. Dann nackig durch eine Autowaschanlage rennen um schlußendlich ein Bad in Lysoform-Lösung zu nehmen.

 



Bewertung: 0.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (24.08.2019)

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