SLIPKNOT - We Are Not Your Kind

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VÖ: 09.08.2019
Bandinfo: SLIPKNOT
Genre: Nu Metal
Label: Roadrunner Records
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Lineup  |  Trackliste

Es hat wieder ein Bisschen gedauert, bis es neues von den maskierten Musikchaoten SLIPKNOT zu hören gibt. Wurden die Overallträger für ihr letztes, nach sehr langer Wartezeit veröffentlichtes Album „5: The Gray Chapter“ abwechselnd gescholten und hoch gelobt, so versprechen die anarchischen Amis mit ihrem neuesten Werk „We Are Not Your Kind“ einen musikalischen Querschnitt durch ihre langjährige und von überraschend wenigen (Alben-)Veröffentlichungen durchzogenen Karriere. Das kann man so ruhig stehen lassen, denn die Aussage trifft auf das neueste, sechste Werk tatsächlich einigermaßen zu.

„Insert Coin“ - und das Maskenkarussell beginnt sich zu drehen (in diesem Falle sogar wortwörtlich, da es wieder eine Umstrukturierung der personellen Besetzung gab, über die dieser kleine Rezensent bedauerlicherweise die Übersicht verloren hat...). Das bereits vorab veröffentlichte „Unsainted“, das auf Besserung des zuletzt allzu verwässerten Sounds hoffen ließ, beginnt zwar vergleichsweise soft mit breiten Chören, serviert dann aber nettes Gehacke zu recht fluffigem Refrain. „Birth Of The Cruel“ ist schon eher „typischer“ anarchisch-aggressive Kost, genau wie „Orphan“, das aber im Refrain etwas an Zwang vermissen lässt, oder auch der flotte Aggro-Titel „Red Flag“, bei dem es wieder ordentlich zur Sache geht.

 „Critical Darling“ knallt zwar musikalisch gut, doch der glatte Refrain will hier nicht so recht zum Song passen. Dafür gehen SLIPKNOT mit „Nero Forte“ in die Vollen, grooven höllisch derb um die Ecke und können vor allem gesanglich dank Corey Taylors großer stimmlicher Bandbreite ordentlich einheizen – von feinst-räudigem Gebell bis hin zu süßlich-poppigem Gesang in oberen Stimmlagen. Das langsame, gar balladeske „A Liars Funeral“ punktet mit musikalischer Coolness durch seine harten Passagen in schleppendem Tempo – dafür mag sich manch einer wohl nicht mit dem poppigen Cleangesang anfreunden. Die ruhige Klavier-Interlude „What's Next“ leitet über zu „Spiders“, das mit jazziger Attitüde und vertrackten Rhythmen überrascht und mit sehr beunruhigender Atmosphäre bei relativ minimalistischer Instrumentierung punkten kann. Ein äußerst ungewöhnlicher Titel in gänzlich unerwartetem Stil, der aber durch seine gekonnte Umsetzung nachhaltig positiv aus dem Album heraussticht.

Was sich im hintersten Drittel nach dem sechsminütigen Ambient-Elektro-Noise-Intermezzo „My Pain“ tummelt, kann das Niveau des überraschend vielseitigen Albums dann aber nicht mehr so ganz halten. „Not Long For This World“ tanzt mit sporadischen Aggro-Ausritten irgendwo in durchaus breitentauglichen Alternativ-Gefilden herum, während das verhalten beginnende „Solway Firth“ hinten raus noch einmal ein wenig Aggressivität ins Spiel bringt.

Von dem anarchisch-entrückten Geprügel der Maskierten ist zwar nicht mehr allzu viel übrig und auch den generelle Biss im Sound, der dem Hörer früher gerne die Socken von den Füßen zog während diese noch in den Schuhen steckten, ist ein wenig rund gefeilt in der breitwandig aufgestellten, aber unter Strich doch eher auf Eingängigkeit getrimmten Produktion. Doch nach Nummer Sicher und Ausbruch aus dem Schema sind SLIPKNOT mit einem überraschend starken, da sehr vielseitigen Album zurück, das weder die Scharen an „Maggots“ vor den Kopf stoßen sollte, noch den zuletzt generierten neuen Hörerschichten gleich die Lauscher abreißt. Ein gekonnter Spagat, bei dem man zwar nicht in Lobhudeleien ausbrechen kann, doch dem Album auch nichts Schlechtes nachsagen kann.

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (15.08.2019)

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