HAMMERFALL - Dominion

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VÖ: 16.08.2019
Bandinfo: HAMMERFALL
Genre: Heavy Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Zugegeben: überragend waren meine Erwartungen an den elften Hammerschlag von Joacim Cans und Co. nicht. Nachdem der 2014er Output "(r)Evolution" durchaus seine Reize hatte und mit "Bushido" einen echten Hit an Bord hatte, zog das zwei Jahre später erschienene "Built To Last" relativ spurlos an mir vorbei. Als schließlich mit "We Make (Sweden Rock)" ein neuer HAMMERFALL-Song vorgestellt wurde, deutete sich für mich zunächst eine Fortsetzung der letzten Platte an, vielleicht sogar ein Abdriften aus der Schwedenstahlschmiede in rockigere Gefilde - beidem fieberte ich eher verhalten entgegen.

Doch wer aus diesem ersten Aperitif voreilige Schlüsse zog, den belehren die Schweden eines Besseren. Zwar mag die Frage berechtigt sein, ob Bandmaskottchen Hector generisch kalkuliertes Songwriting und dezente Rockallüren nötig hat oder ob sich dieser hammerschwingende Halbgott gar dem radiotauglichen Mainstream anbiedern sollte, doch glücklicherweise entpuppt sich "Dominion" als veritables Kraftpaket und entlarvt den ersten Vorabsong, der wahrlich nicht so schlecht ist, wie meine (ein wenig) provokanten Zeilen vielleicht den Eindruck erwecken, als höfliches Understatement.

Der elfte HAMMERFALL-Streich strahlt seine Kraft auf allen künstlerischen Ebenen aus, begonnen mit dem gelungenen Coverartwork, das einen von Flammen und Blitzen umsäumten Hector zeigt - martialisch, schwer gepanzert und mit sichtbarem Trainingserfolg im Hammerstemmen. Ebenso strotzt die mächtige Produktion des Albums, die nur durch ihre klinischen Drums einen faden Beigeschmack erhält, vor Stärke und verleiht den Songs zusätzliche Durchschlagskraft.

Nicht zuletzt und an wichtigster Stelle folgt das Songmaterial, das - wer hätte es geahnt - ebenfalls kräftig die Muckis spielen lässt. Bereits der Opener "Never Forgive, Never Forget", dem bestenfalls ein wenig Feintuning im Refrain gut getan hätte, präsentiert klassischen, speedigen HAMMERFALL Power Metal, der sich auch nach über 20 Jahren noch als patentes Zugpferd erweist. Wie schnell klar wird, komponieren die Schweden anno 2019 weiterhin nach dem Motto "Schuster, bleib bei deinen Leisten"; jedoch mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass sie endlich mal die Handbremse ihres Gefährts gelöst und abgerissen haben. Mit Songs wie "Bloodline" oder "Scars Of A Generation" wird die powermetallische Bizepsschau fortgesetzt, während andere Stücke deutlich in die klassische Heavy Metal Ecke schielen. Der Titelsong "Dominion" und besonders das darauf folgende "Testify" entfernen sich etwas vom heiteren Flitzefingermetal und erinnern daran, dass der Heavy Metal eine martialische Ader hat. Die durchdringenden und personalstarken Chöre (siehe Lineup) addieren ein dazu passendes Maß an Pathos. Dass man sich bei diesen Stücken hin und wieder an JUDAS PRIEST erinnert fühlt, ist nicht weiter neu oder verwerflich. Immerhin zeigen HAMMERFALL reichlich eigenen Charakter und - sind wir mal ehrlich - irgendwer muss schließlich die Fahne hochhalten, wenn der Metal God in 50 Jahren mal in Rente gehen sollte. Die obligatorische Ballade ist mit "Second To One" gut gelungen. Die Nummer beginnt zunächst auf dem Klavier, lässt Joacim Cans in allen Facetten seines stimmlichen Könnens glänzen und ist emotional, ohne kitschig zu werden - eine Tugend, mit der der Rausschmeißer "And Yet I Smile" eher spärlich punkten kann. Mit "Dead By Dawn", dem Duett aus "Battleworn" und "Bloodline" sowie "Chain Of Command" wird auch in der zweiten Halbzeit noch amtlich abgeräumt. Das Niveau der Songs auf "Dominion" ist hoch und wird mit kleineren Abstrichen bis zum Schluss aufrecht gehalten.

Unterm Strich bleibe ich nach dem intensiven Kontakt mit HAMMERFALLs "Dominion" positiv überrascht. Mit ihrem aktuellen Werk sprechen sie Fans moderner und traditioneller Klänge an und beweisen, dass ihnen die Puste noch nicht ausgegangen ist. Ihre hochverehrten Frühwerke stoßen die Schweden damit vielleicht nicht vom Thron, doch muss der neue Langläufer keineswegs davor zu Kreuze kriechen. Was die jüngste Back-To-The-Roots-Phase der Band anbelangt, knallt der elfte Hammerschlag am heftigsten.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (02.09.2019)

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