THE AGONIST - Orphans

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VÖ: 20.09.2019
Bandinfo: THE AGONIST
Genre: Melodic Death Metal
Label: Rodeostar Records
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Lineup  |  Trackliste

In Österreichs Politik dauert die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen etwas länger (immerhin gibt es jetzt eine Kanzlerin…) – im Death Metal ist es schon lange gang und gäbe, dass Frauen den Ton (bzw. die Töne…) vorgeben. Female Fronted Death Metal (FFDM) hat sich ja mittlerweile fast schon als eigenständige Kategorie ausgebildet, im Fahrwasser von ARCH ENEMY und Konsorten schwimmen mittlerweile tolle Bands wie JINJER oder CRIPPER.

Auch schon lang in der Schiene daheim sind THE AGONIST, die seit 2004 unter wechselnder weiblicher Führung ihren Todesmetall unter die Leute bringen. Der Weggang von Alissa White-Gluz zu ARCH ENEMY hat mit der Hereinnahme von Vicky Psarakis zu leichten Kurskorrekturen, aber zu keinem merkbaren Qualitätsverlust geführt, was „Eye Of Providence“ und „Five“ unter Beweis gestellt haben.

Das aktuelle Album „Orphans“ dagegen kommt nicht ganz an die frühere Güteklasse heran. Vollmundig wird die Scheibe als „More extreme, more melodic, more exciting“ angepriesen, wobei man höchstens „more melodic“ uneingeschränkt unterschreiben kann. Dabei ist der Start noch sehr vielversprechend: der Single-Opener „In Vertigo“ ist ganz stark, abgesehen vom Wasserballettmusik-Intro kommen die Stärken von THE AGONIST voll zum Tragen: der Track ist schnell, brutal, abwechslungsreich und Vicky pendelt zwischen bösen Growls und Operngesang. Auch „As One We Survive“ schlägt in die gleiche Kerbe, mit einem herrlichen Refrain der gegen Ende so richtig zelebriert wird. Das folgende „The Gift Of Silence“ erinnert mit dem leichten Alternative-Einschlag stark an „Eye Of Providence“, also auch keine schlechte Referenz.

Ab dann wird es aber leicht schräg: „Blood As My Guide“ erinnert mit seinen Chören und Power Metal Anklängen eher nach HAMMERFALL als an modernen Death Metal, „Mr Cold“ ist für eine Band dieser Güteklasse einfach zu simpel und langweilig, „Dust To Dust“ klingt auch durch die gewöhnungsbedürftigen Vocals bedingt mehr wie eine Mischung aus AMY WINEHOUSE und LIMP BIZKIT. „A Devil Made Me Do It” zeigt, dass es THE AGONIST doch können, während „The Killing I” sich dann wieder sang- und klanglos in die Vergessenheit spielt. Das Ende von „Orphans“ kann dann wieder halbwegs versöhnen, „Orphans“ punktet mit viel Dynamik, heftigen Growls und lässigen Breaks, und „Burn It All Down“ schlägt eine Brücke zum starken Opener.

Ist es THE AGONIST bei den vorherigen Alben gelungen, ihre Frühzeit mit dem alternativeren Einschlag von Vicky perfekt zu verbinden, so zeigt sich „Orphans“ mehr als Flickwerk aus gelungenen Songs und gefühlt unnötigen Ausflügen in andere Genres.
 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Luka (06.09.2019)

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