VITJA - Thirst

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VÖ: 06.09.2019
Bandinfo: VITJA
Genre: Metalcore
Label: Arising Empire
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Lineup  |  Trackliste

Nach "Mistaken" hatte ich mir eigentlich vorgenommen, zukünftig keine Neuerscheinung aus der Feder VITJAs mehr zu besprechen, weil es irgendwann natürlich einen tendenziösen Eindruck hinterlassen würde, wenn man sich immer und immer wieder mittels harscher Wortwahl über derselben Band erginge. Warum wir uns nun trotzdem wieder hier versammeln und im dritten aufeinanderfolgenden Jahr das dritte Album, in diesem Falle "Thirst", behandeln, hat einen völlig banalen Grund: VITJA haben mit Gabriel Spigolon einen neuen Sänger gefunden. Und der ist, wie kaum anders zu erwarten war, ein merkliches Upgrade zu seinem Vorgänger David Beule und ermöglicht der Band, den auf den vorigen Releases bereits angedeuteten, musikalischeren Spielraum besser ausnutzen zu können.

Das macht aus VITJA anno 2019 immer noch keine besonders originelle Metalcore-Vorstellung, hievt sie aber trotzdem auf ein spürbar höheres, ja, regelrecht genieß- bzw. hörbares Level. Gemeinsam mit dem Labelwechsel zum Nuclear Blast-Sublabel Arising Empire dürfte man das intern also als Neustart interpretieren und genau so klingt "Thirst" auch. Mit den Deathcore-Wurzeln hat dieses nämlich nur noch entfernt zu tun, stattdessen nutzt man fast ausschließlich die melodischere Ausrichtung einiger Songs der beiden Vorläufer "Mistaken" und "Digital Love", die als rare Lichtblicke die zappendustere Vita von VITJA durchbrachen (und all das ohne Deutsch-LK...), als Fundament und überlassen ansonsten ihrem begabten Debütanten das Feld, das er überraschend gut auszufüllen weiß.

Derbe geht es dabei zwar immer noch zu, dafür aber dosierter ("Instinct" und "Silence") und manchmal gar mit fremder Unterstützung - wie in "Silver Lining", in dem sich Carlo Knöpfel (BREAKDOWN OF SANITY) austoben darf. Ein besonderer Nachteil ergibt sich daraus für mich deshalb nicht, weil die rustikaleren Gesangseinlagen weitestgehend als stereotyp einzuordnen sind und keinen richtigen Mehrwert einbringen. Seine eindeutigen Stärken hat Gabriel Spigolon bei den klaren Gesangsharmonien, die nicht nur dazu imstande sind, Songs à la "Light Blue", "Mistakes", "Lost In You", "Back" und "Those Years" ein beachtliches Hitpotenzial beizufügen, sondern auch Wiedererkennungswert und Charisma innehaben. Auf dieser Ebene wirkten VITJA mit David Beule oftmals zu unterkühlt und unnahbar.

Mit 13 Songs ist "Thirst" zumindest für meinen persönlichen Geschmack immer noch zwei bis drei Filler zu lang geraten, aber die überaus positive Entwicklung VITJAs lässt sich schlussendlich nicht leugnen. Hier habe ich zum ersten Mal das Gefühl, dass das Potenzial, das ihnen diverse Labels bereits in der Vergangenheit (logischerweise) angedichtet haben, nicht bloß Schall und Rauch darstellt, sondern tatsächlich genutzt wird. VITJA haben mit ihrem Sängertausch alles richtig gemacht, was man nur richtig machen kann und finden dadurch nun einen deutlich erweiterten stilistischen Wirkungskreis vor sich, der sich für die Band selbst wie eine immense Erleichterung im Songwritingprozess angefühlt haben dürfte. Alles weitere wird die Zukunft zeigen.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (03.09.2019)

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