VITRIOL - To Bathe From The Throat Of Cowardice

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VÖ: 06.09.2019
Bandinfo: VITRIOL
Genre: Death Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste

Nach ANAAL NATHRAKH, dachte ich vor ein paar Jahren noch, würde sich niemals oder nur schwerlich eine Musikgruppierung finden lassen, die eine noch extremere Stilmische finden und ihr Eigen nennen könnte. Einige Male wurde ich bereits eines Besseren belehrt und mit dem aus den USA stammenden Trio VITRIOL und ihrem in der Szene längst mit Vorfreude erwarteten Debüt "To Bathe From The Throat Of Cowardice" wird diese Lektion in ehrfurchtgebietender Manier erneuert. Um eine vage Vorahnung zur stilistischen Ausrichtung darauf entwickeln zu können, stelle man sich einfach vor, die Briten hätten HATE ETERNAL, DYING FETUS und CATTLE DECAPITATION zu einer gemeinsamen Jam-Session eingeladen und nach einigen Tropfen diverser Spirituosen den endgültigen Entschluss gefasst, ein Collabo-Album aufzunehmen und darauf Klänge zu vereinen, die neben dem Hörgenuss u.A. auch zur Auslöschung weiter Teile der Menschheit und der Atomisierung der Sonne dienen könnten.

In VITRIOLs Welt des Death Metal haben Licht, Hoffnung und Erbarmen keine Existenzberechtigung und sollte etwas dergleichen aufkeimen, wird dagegen schnellstens mit gnadenloser Härte prozessiert. Dabei versteht sich von selbst, dass "To Bathe From The Throat Of Cowardice" dem Easy Listening um mehrere Galaxien entlegen ist. Die darauf vorherrschende Idee des Technical Death Metal ist nach heutigen Maßstäben eher ungewöhnlich, agieren VITRIOL doch einerseits auf einem technisch anspruchsvollen Niveau, entfesseln dabei oftmals aber auch barbarische und chaotische Eruptionen, mit denen man sich merklich vom sonst eher aufgeräumt arrangierten und durch Opulenz beeindruckenden Segment dieses Subgenres abheben kann. Ein schüchterner Blick auf die Trackliste reicht bereits vollkommen, um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, was hier dargeboten wird.

Kritik daran gibt es - zumindest von meiner Seite - dennoch und auch wenn es kleinlich erscheinen mag, stört mich der viel zu prominente Schlagzeugsound teils beträchtlich. VITRIOL wären auf einem Tonträger wahrscheinlich sogar dann eine Urgewalt, wenn sie ihr Material stromlos unter einem Leichenberg aufnehmen würden, aber es kann auch nicht im Sinne des Erfinders sein, wenn sowohl die Gitarre als auch der Bass vehement gegen das (unstreitbar erstaunliche) Getrümmer der Schießbude ankämpfen müssen, anstatt gemeinsam mit wehenden Fahnen die Apokalypse einzuläuten. Nichtsdestotrotz muss ich zugeben, dass ich seit dem Erstkontakt mit ANAAL NATHRAKH bzw. nach dem Vergnügen mit nahezu all ihrer Alben nicht mehr so viel Spaß dabei hatte, von randalierendem Chaos und ungezügelter Gewalt verschlungen zu werden. Songhighlights zu nennen fällt mir deshalb schwer, weil sich To Bathe From The Throat Of Cowardice" in seiner gesamten Spielzeit von 45 Minuten scheinbar endlos mittels irrwitziger Soli ("The Parting Of A Neck" und "Crowned In Retaliation"), brutaler Tempowechsel ("I Drown Nightly" und "A Gentle Gift") und verstörend-dissonanter Semi-Harmonien ("The Rope Calls You Brother" und "Hive Lungs") über dem Hörer ergießt, dabei die Sauerstoffzufuhr abdrosselt und permanent auf den Schädel einhämmert, sprich: man braucht starke Nerven dafür. Alleine deshalb haben sich VITRIOL schon eine Auszeichnung verdient. Weil sie die Grenzen des Erträglichen verschieben und mit Konventionen nichts zu tun haben wollen. Unter dem Strich ist ihnen hiermit schlichtweg ein einschüchternd starkes Debüt gelungen.

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (04.09.2019)

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