BETH HART - War In My Mind

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VÖ: 27.09.2019
Bandinfo: BETH HART
Genre: Blues Rock
Label: Mascot Label Group - Provogue Records
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Lineup  |  Trackliste

Den Blues-Fans schon lange ein Begriff und auch allen anderen ans Herz gelegt: BETH HART. Sie ist der Inbegriff für emotionales Songwriting und hingebungsvollen Gesang. Die Grand Dame des Blues beglückt uns mit einem neuen Album, in dem sie tief in ihre Seele blicken lässt. Auf dem neuen Werk vereint Beth in ihrem Songwriting absolute Ehrlichkeit und Lebenserfahrung, und steht zu ihrer dunklen Seite bzw. nimmt dazu Stellung. Der Album- und auch Song-Titel „War In My Mind“ ist ihre Analyse der Vergangenheit und dessen, was sich in ihr abspielte, während sie jahrelang süchtig war.

Die Songs sind stark und nichts für zart besaitete Nerven, denn man (frau) (wenn, dann "fra", nur damit hier alles korrekt läuft. - C aus S) kommt ganz schön ins Nachdenken bei Beths Worten und ihrem Tun. Das fängt schon bei den Bildern und dem Video an, die man nun von ihr sieht. Beth sagt selbst darüber „Als wir das Fotoshooting für dieses Album gemacht haben, war ich zum ersten Mal ungeschminkt und ließ nichts retuschieren. Es ist einfach toll, 47 zu sein, ohne zu versuchen jünger und wettbewerbsfähiger zu wirken oder was ich dachte, alles sein zu müssen.“

Genauso, wie sie sich hier beschreibt, sind auch die Songs auf „War In My Mind“. Es wird nichts beschönigt oder abgerundet. Die Musik kommt so, wie sie kommt und drückt aus, was Beth bewegt. Es sind einerseits ein paar rockige, bluesige Songs mit groovigen Melodien, aber andererseits überwiegend nachdenkliche, mitfühlen lassende und aufrüttelnde Piano-Nummern, wo Beth über Verzweiflung, Schmerz und Lebensbewältigung singt. Sie geht auf das ein, was in ihrem Leben geschah. Das Album wirkt sehr persönlich und sie – trotz allem, was sie erlebt und überlebt hat – sehr zerbrechlich. So mancher Song klingt nach einem Hilfeschrei, nach tief liegenden Gefühlen, die einen lange und intensiv prägen.

Dabei geht sie es mit dem Einstiegs-Song „Bad Woman Blues“ noch sehr flott an. Sie zieht den Hörer in ihren Bann, man fühlt und hört die Überzeugung und das Gefühl der Freiheit sowohl in den Worten als auch der Melodie. Es ist das Lied einer Frau, bzw. über eine Frau, die dazu steht, dass sie kein angepasstes Weibchen ist, und die ihre Reife zeigt.

Wie vorhin schon angesprochen, zeugt „War In My Mind“ von den dunklen Erfahrung der Songschreiberin. Beth kann aber inzwischen mit dem „Krieg in ihrem Kopf“ leben. Sie ist selbst der Beweis dafür, dass es nicht einfach ist, aber doch möglich ist, alles zu meistern. Auch in der größten Düsternis geht es irgendwie weiter und irgendwann überlebt man und kann damit leben. Man hört den Schmerz und die Fassungslosigkeit heraus, und so manche Textzeile (zB „it’s black in my soul; it’s ugly when I cry; this is more than I can handle“) lässt heraushören, wie viel Ernst hinter dieser Hingabe und den textlichen Inhalten steht. Ihr traut man dies nämlich alles zu.

Die einen bewältigen ihre Dämonen mit knallharten Tönen und Gegröle, Beth macht es anders und packt sehr viel in ruhige Piano-Songs. Auf dem Album sind nur wenige rockig-flotte Blues-Nummern zu finden – neben dem eingangs erwähnten „Bad Woman Blues“ wären das noch das groovige „Try A Little Harder“ oder das gar nicht als Schlaflied taugende „Spanish Lullabies“. Bei dieser Nummer ist vom ersten Gitarrentakt an klar, dass es sich um etwas Spanisches handelt, weil dieser Rhythmus ist einzigartig.
Ganz besonders unter die Haut geht „Rub Me For Luck“. Dieses Lied – Melodie und Text – berühren die Seele zutiefst. Es ist Leid und Leidenschaft, die an klassischer Klavier-Musik Anleihen nimmt und einen förmlich umwirft. Da können irgendwie die nachfolgenden Nummern gar nicht mithalten, obwohl jedes für sich ein sehr schönes Erzählen und Spielen darstellen. Neben „Rub Me For Luck“ verblasst einfach Vieles.

Fazit: Beth Hart besticht nicht nur durch ihre Wahnsinns-Stimme, die gleichzeitig erdig, rau und doch so weich klingen kann – sie beeindruckt durch die Leidenschaft, Ehrlichkeit und berührenden Emotionen, mit denen jeder einzelne Song auf „War In My Mind“ umgesetzt wurde. Blues in seiner reinsten Form. Einfach geil.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lady Cat (01.10.2019)

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