SCREAMER - Highway Of Heroes

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VÖ: 11.10.2019
Bandinfo: SCREAMER
Genre: Heavy Metal
Label: The Sign Records / Cargo
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Wenn beim nächsten Schwermetall-Großereignis wieder rhetorische Fragen à la "Are you metal?" oder "Dou you like old shit?" in die Menge geworfen werden, dann dürften die Schweden von SCREAMER in der ersten Reihe ausgelassen die Pommesgabeln und Krüge voll goldgelber Getreidebrause schwingen - zumindest, wenn der moderierende Quizmaster vom alten Schlag stammt und noch weiß, wie man echten Stahl schmiedet. Denn wie sich in den bisher zehn Jahren ihres Wirkens sicherlich herumgesprochen hat, haben die 1990er und alles, was auf sie folgte für die Jungs aus Ljungby niemals stattgefunden. Mit Oldschool liegt man bekanntlich nie daneben - und auch der vierte SCREAMER-Langspieler "Highway Of Heroes" macht dabei keine Ausnahme.

Nach dem Intro entern die Schweden mit "Ride On" den Highway und präsentieren eine aggressive, NWoBHM-getränkte Abrissbirne, die selbst nach zwei Tagen harter Schufterei die Augen öffnet wie ein Maßkrug Zuckerpampe mit Koffeinzusatz [Anm. d. Verfassers: so in etwa schoss mir der erste, spontane Gedanke beim Anspielen der Platte durch den Kopf]. Andreas Wikström, der mit seiner verhältnismäßig tiefen Stimme dezent in Richtung GRAND MAGUS musiziert, packt hier einige erstklassige Halford-Screams aus, die zusammen mit den PRIESTigen Riffs eine sehr deutliche Verneigung in Richtung Birmingham vollführen. "Shadow Hunter" tanzt eine flotte Sohle und lässt aus der Vier- und Sechssaiterfraktion unüberhörbare IRON MAIDEN- Einflüsse erkennen. Aber Reminiszenzen hin oder her - der Auftakt ist auf alle Fälle saustark und auch im weiteren Verlauf der Platte wird auf vorbildliche Weise Traditionsstahl produziert. Zwar mögen nicht alle Songs an das bombige Duo am Albumanfang herankommen, doch gibt es an jeder Ecke kleine Hooks, feine Twingitarren, gelegentliche Glam-Duftnoten und reichlich NWoBHM-Flair mit Tieftönerromanzen à la Steve Harris. Auch das sehr mitsingtaugliche "Highway Of Heroes" und das "Out Of The Dark" bringen noch einige Punkte auf die Haben-Seite. Mit 35 Minuten ist das gute Stück recht kompakt, aber auch im Heavy Metal ist das Leben kein Wunschkonzert.

Mit der Spieldauer hätte ich auch per se kein Problem - zumindest, wenn das Liedgut entsprechend hormonstimulierend über die volle Distanz durchbrettert. Doch wie angedeutet schreiben SCREAMER zwar starke Songs, bewegen sich aber an anderer Stelle im gehobenen Durchschnitt. So kann ich mich am Ende leider (und das tut mir zugegebenermaßen in der Seele weh) nicht zu vier Punkten durchringen, doch sind die Schweden auf jeden Fall einen Hörer wert und bleiben überdies ein vielversprechender Vertreter ihres Fachgebiets. Wer auf Heavy Metal nach alter Schule steht und auf der Suche nach neuem Futter ist, der dürfte einen Ausflug auf dem "Highway Of Heroes" nicht bereuen.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (07.10.2019)

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