PAGANIZER - The Tower Of The Morbid

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VÖ: 01.11.2019
Bandinfo: PAGANIZER
Genre: Death Metal
Label: Transcending Obscurity
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

In Sachen Old School Death Metal hatte das laufende Jahr 2019 schon einiges zu bieten: ENTOMBED A.D., SORCERY, BURIAL REMAINS, ENDSEEKER - die Liste ließe sich (fast) beliebig verlängern. Selbst einem nimmersatten Elchconnaisseur dürfte bei diesem reichhaltigen Angebot nur selten langweilig werden. Dass in dieser langen Liste tieffrequenter Gräueltaten auch der schwedische Tausendsassa Rogga Johansson nicht fehlen darf, versteht sich von selbst. Als der wahrscheinlich fleißigste Musiker seiner Zunft ging er in diesem Jahr bereits mit neuem Material von RIBSPREADER, MEGASCAVENGER und seiner selbstbetitelten Band ROGGA JOHANSSON an den Start und präsentiert zum krönenden Abschluss den nächsten PAGANIZER-Abriss.

Die bis dato elfte Platte der Schweden-Plätter hört auf den Namen "The Tower Of The Morbid", kommt mit einem schmucken, giftgrün eingefärbten Abbild von Mr. Johanssons bescheidenem Landsitz daher und springt dem Hörer mit zwei bestiefelten Füßen ungebremst ins Gesicht. Überraschungen sind bei diesem Werk dünn gesät, dafür überzeugt die Qualität auf ganzer Linie. Mit elf Songs kommt das Eisen auf angenehme 38 Minuten Spieldauer und lässt dabei keine Tugend des Genres vermissen. Dabei geben die Schweden unbarmherzig und derbe (wie man sie kennt) auf die Mütze und drücken den Bleifuß nicht selten bis kurz vor die Straßendecke durch. Es detonieren Highspeed-Granaten wie "Flesh Tornado" und "Apocalypse Writings", die starke Riffs aus geübter Hand auffahren und sie gerne mit feinen Soli und Tappings würzen. Stücke wie "Cannibal Remains", "Redemptionless" oder der Titelsong bewegen sich vorrangig im Midtempobereich und lassen statt aggressiver Raserei moshpitqualifizierte Grooves sprechen - selbstredend bei uneingeschränktem Härtegrad. Im Kontrast zu seinen zehn Begleitern versprüht "They Came To Die" (Anspielltipp!) Erhabenheit, Pathos und einen kleinen Ansatz von Epik - und mausert sich damit zum Exoten und Ohrwurm der Platte. Die kleine Portion Melodeath, die anscheinend aus der letzten ROGGA JOHANSSON Session zum PAGANIZER-Schlachtschiff übergeschwappt ist, bringt eine angenehme Prise Abwechslung in eine sonst sehr stringent und rigide gehaltene Präsentation todesmetallischer Potenz.

Handwerklich und kompositorisch macht Rogga Johansson und PAGANIZER so schnell keiner was vor. Übung macht bekanntlich den Meister und dementsprechend treffsicher gehen die Riffs ins Ohr. Die Drums preschen beinhart nach vorne, der Bass kesselt und das kräftige Organ Johanssons wird zu einem ernstzunehmenden Kontrahenten des Trommelfells. Der Sound ist sauber und auf Loudness gebügelt - das Ganze kommt rüber wie ein beherzter Schlag mit einem verchromten Vorschlaghammer oder das Liebesspiel mit einer ebenso veredelten Intimprothese, die zwar schön aussieht, aber nach ihrem Gebrauch recht hässliche Trümmerfelder hinterlässt. Ausreißer gibt es keine und mit Ausnahme von "They Came To Die" auch keine - im allerweitesten Sinne - Experimente oder Wildereien in benachbarten Genres.

Damit bleiben PAGANIZER auch mit "The Tower Of The Morbid" so geradlinig und straightforward, wie sie brutal sind. Abgesehen von dieser einen, kleinen Ausnahme setzt die elfte Platte der alten Recken keine allzu großen Impulse - doch mag die Frage danach ohnehin rhetorischer Natur sein und innerhalb der traditionell gehaltenen Spielwiese der Schweden einer Sinnhaftigkeit entbehren. Daher richtet sich die zentrale Frage viel mehr nach der Güte des Songmaterials und der Professionalität seiner Darbietung - und in dieser Hinsicht ist "The Tower Of The Morbid" eine starke Ansage, die auch in der Masse der diesjährigen Schwedendeath-Veröffentlichungen ganz vorne mitspielen kann.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (28.10.2019)

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