MAYHEM - Daemon

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VÖ: 25.10.2019
Bandinfo: MAYHEM
Genre: Black Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Am 3. Oktober 2017 stand ich dekorativ in der ersten Reihe des Grazer Orpheums, um MAYHEM auf ihrer "De Mysteriis Dom Sathanas Alive"-Tour zu begutachten. Wie möglicherweise bekannt, ist eine meiner Werkseinstellungen, wohl die dominierende, die des Zynismus. So entfaltete ich meine gesamten 1,78 Meter in diesen heiligen Hallen und bereitete mich darauf vor, eine Band zu sehen, die die Sau noch einmal durchs Dorf treibt um dem trve kvlt den letzten Heller zu entringen. BM war für mich zu diesem Zeitpunkt, abgesehen von ein paar Kanadiern (FORTERESSE - Motherfuckers!") und den Cascadian Amis wenig mehr als eine Akkumulation von angry white youth/men, die ihren nicht definierbaren Zorn mit Rasierapparatgitarren und Waschmittelschachteldrums unterlegen, nur um darüber über a) Chaos b) Lord of the Rings oder c) die Überlegenheit ihrer zufälligen Pigmentierung zu elaborieren.

Mir ist wohl bewusst, dass BM noch viertausend Unterteilungen hat, aber diese Abhandlung hat Dayal Patterson schon mehrfach und wirklich gut gemacht. Außerdem werde ich nie verstehen, wie man zur gleichen Zeit elitär und depressiv sein kann. Diese Ambiguitätstoleranz [Anm. d. Red.: Die Verwendung dieses exotischen Wortes verdient die Verleihung des Jahrespokals für distinguierte Wortwahl!] vermag sich mir nicht zu erschließen...

MAYHEM in Graz waren, wie wir im Nachhinein wissen, grandios. Dass Necrobutcher gleich groß auf der Bühne ist wie ich davor ist lustig, hat die Band aber nicht daran gehindert, zu meucheln! Bretthart, brachial, auf den Punkt und mit dem besten menschlichen Gesamtkunstwerk als Sänger, hinterließen sie pure Begeisterung. Ja, BM kann begeistern. 

Kann das auch das neue Werk "Daemon"? Was sofort ins Auge sticht ist das grandiose Artwork. Was sofort ins Ohr geht ist der angenehm organische Schlagzeugsound. Hier wurde scheinbar in einer Kirche aufgenommen und es wurden die Trigger weggelassen, wir haben es hier also mit einem völlig untypischen Hellhammer-Sound zu tun. Vor allem die Bassdrums sind schon beinahe untypisch für den Drummer, waren selbige doch immer die Grundlage recht massiver Diskussionen. Was weiter auffällt sind die sehr unabhängigen Bassläufe, die Necrobutcher deutlich hörbar über Albumdistanz ins Spiel bringen. 

Attila Csihar ist ohnedies einer der eigenständigsten Vokalisten im Metal und leidet, keift und röchelt sich durch die Songs, auf dass es nur so eine Freude ist. Grandioser Frontman, der live dem ganzen wohl noch eine zusätzliche Dimension verleiht. MAYHEM leben nicht umsonst von der leibhaftigen Darbietung ihrer Lieder, die Konserve und der Liveauftritt ergeben eine Einheit, wie es sie im Genre selten gibt. MAYHEM sind mehr als ein dekorierter Mikroständer und Make Up. Es gibt wenige Bands, die wohl tatsächlich so evil transportiert werden wie das europäische Konglomerat. Auch wenn man Necro in diversen Videos gerne beim Radfahren sieht, live ist der vertikal etwas eingeschränkte Bassist ein Ausgeburt des Bösen (war er doch, wie unlängst bekannt wurde, beinahe früher vor Ort bei der Inhumierung des einstigen MAYHEM-Gitarristen, als der hochgradig angrennte Kristian Vikernes).

Die lange Tour zu "De Mysteriis Dom Sathanas" hinterlässt deutliche Spuren. Das, gepaart mit deutlichen Ecken und Kanten, schrägen Riffabfahrten ("Agenda Ignis"), dem grandiosen Drumming vom wandelnden Stirnband Hellhammer, Attilas Gesang, erwähnt starken Basslinien ("Bad Blood") und einem sehr heftigen Sound ergibt ein BM-Album, welches zugleich fordernd und griffig ist.

MAYHEM sind MAYHEM, auch wenn sie in ihrer Diskographie immer wieder völlig aus der Reihe tanzen. "Daemon" ist ein mächtig starkes Black Metal Album mit einer wohl lange währenden Halbwertszeit.

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (07.11.2019)

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