WIND ROSE - Wintersaga

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VÖ: 26.09.2019
Bandinfo: WIND ROSE
Genre: Symphonic Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste

Als aufsteigende Band im Bereich des Symphonic Metal hat man es heutzutage zweifelsohne recht schwer, aus der Masse herauszuragen und die Aufmerksamkeit der Fanscharen auf sich zu lenken - das Genre ist nicht eben neu, es hat nicht eben wenige Vertreter, von denen klingen nicht eben wenige recht ähnlich. Was also tun, um genau das zu erreichen? Nun, WIND ROSE, ihres Zeichens die wohl enthusiastischsten Söhne Durins außerhalb von Mittelerde, hatten dazu eine blendende Idee! Scheinbar wurde zum rechten Zeitpunkt die Schnittmenge des eigenen Images als Zwerge sowie einem nicht zu verachtenden Nerdfaktor erkannt, und man beschloss, Profit daraus zu schlagen. So wurde kurzerhand als Vorabsingle zum neuen Album "Wintersaga" ein etwas in die Jahre gekommener Minecraft-Song über die Freuden des Grabens von Löchern gecovert. Persönlicher erster Gedanke dazu war ja, das sei zugegeben: "Ohweh, jetzt drehn's dann am Radl", was sich im Laufe der Zeit aber ändern sollte. Auch dem Internet wusste die offensichtliche Selbstironie des Covers zu gefallen und der Song avancierte (erneut) zu einem viralen Hit, auch die Band selbst war plötzlich in aller Munde. Nachdem darauf allerdings die Single "Drunken Dwarves" folgte, wurde der Beigeschmack des "hirnlosen Krawalls" immer deutlicher, doch wie das vierte Werk der Italiener nun letztendlich beweisen sollte, war dies ein vorschnelles Urteil.

Abgesehen von den beiden bereits genannten Auflockerern des Albums bietet sich auf "Wintersaga" nämlich größtenteils ein gänzlich anderes, vertrauteres Bild, welches auch zeigt, dass WIND ROSE keineswegs vergessen haben, was sie seit jeher beherrschen: Bombastischen Power Metal mit vielen Anleihen aus der klassischen Filmmusik. Schon mit dem gleichnamigen Opener werden die Weichen für "Wintersaga" gestellt: Stampfende Rhythmen werden gepaart mit ebenso wuchtigen Gitarrenanschlägen, der durchwegs prominente Einsatz orchestraler Elemente sowie der immer wiederkehrende Einsatz verschiedener, volkstümlicher Instrumente sorgen vom ersten Moment an für einen extrem dichten, vollen Sound, den man genau so auch im Soundtrack eines Fantasy-Rollenspiels wiederfinden könnte. Ebenso deutlich wie die Tatsache, dass man sich hier durchwegs treu bleibt, ist allerdings auch, dass einige Arbeit und der Wille zur Verbesserung im neuen Material stecken. Wirkten am letzten Longplayer "Stonehymn" vor Allem bei der Produktion und in Sachen Geräuschuntermalung noch einige Dinge etwas unausgegoren und befremdlich, so klingt der aktuelle Nachfolger voll und ganz wie aus einem Guss und erspart dem Hörer viele Intermezzi, die den Hörfluss beträchtlich stören.

Auch in der gesanglichen Untermalung zeigt sich, dass die Musiker hinter dem Namen WIND ROSE bestrebt sind, ihren Stil sinnvoll weiterzuentwickeln und zu wachsen. Obgleich sich an der gewohnt pompösen Vortragsweise der Lyrics in sein Grundzügen nur wenig ändert, kommt man nicht darum herum zu bemerken, dass aktiv versucht wird, den Härtegrad mithilfe von kurzen, gescreamten Einlagen zu erhöhen - in Verbindung mit den nun immer wieder auftretenden, deutlich härteren Instrumentalparts á la ENSIFERUM, wie in "The King Under The Mountain", eine wirklich hervorragende Idee, die einen mehr als angenehmen Kontrast zum sonst so gehobenen Klangbild bietet und dem Ganzen einen gewissen Raubein - Charme gibt. Passend, es geht ja immer noch um Zwerge. Dennoch - am besten sind und bleiben die bärtigen, untersetzten Herren aus dem Königreich unter dem Berge immer dann, wenn sie den "Hammer des epischen Bombasts mit +15 krit. Schaden gegen Kitsch-Feinde" auspacken, was sie mit "There And Back Again", dem mit "Wintersaga" wohl eindrucksvollsten Song des Albums, nachhaltig unter Beweis stellen und dem Original Soundtrack der Tolkien - Filmreihen ihren Respekt zollen. Da sieht man gern darüber hinweg, dass sich andere Songs weniger gut durch Eigenständigkeit herausheben und im direkten Vergleich etwas im Schatten bleiben.

WIND ROSE graben sich mit ihrem neuen Werk immer näher an ihr Ziel heran. Patzer der Vergangenheit wurden ausgemerzt, man bleibt sich musikalisch durchwegs treu, jedoch ohne auf dem Punkt zu treten und hat mit "Diggy Diggy Hole" darüber hinaus sogar noch Humor und Selbstironie bewiesen - diese Mischung kommt an und muss sich vor den großen Namen des Genres nicht verstecken!

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, der kann sich hier und hier unsere Reviews der früheren Werke zu Gemüte führen!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Daniel Csencsics (04.10.2019)

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