PATTY GURDY - Pest & Power

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VÖ: 27.09.2019
Bandinfo: PATTY GURDY
Genre: Neofolk
Label: Recordjet
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Lineup  |  Trackliste

Ist man öfters einmal in der deutschen Mittelalterszene unterwegs, so kann es gut sein, dass man schon ein ums andere Mal über den Namen PATTY GURDY gestolpert ist. Kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, mit welchem Eifer sich die Dame mit der feuerroten Mähne in den letzten Monaten in der Szene eingebracht hat. Der Künstlername ist hier Programm, so wird dies auf der offiziellen Website folgendermaßen beschrieben: "The Hurdy Gurdy is not only embedded in her name, but her music is directly translated from her mind into the green wooden body." Das fiel wohl auch schnell Anderen auf, denn was einst als Hurdy Gurdistin in der Mannschaft von STORM SEEKER (Anm.: ist ein Witz darüber, ob wir denen mal einen Sturm "liefern" sollten zu flach oder eine einzigartige Möglichkeit?) [Anm. d. Lekt: Zweiteres, eindeutig!] begann und mit der kleinen Solo-EP "Shades & Patterns" weiterging, entwickelte sich bald zu einer schnell heranwachsenden Karriere, die der Künstlerin unter Anderem auch schon eine Tour mit ASP und diverse internationale Auftritte einbrachte. Anfang September wurde nun mit dem ersten, vollständigen Soloalbum "Pest & Power" die nächste Hürde genommen und die Spannung war groß, zumal sich Patty für einige Songs auch ein paar andere namhafte Musiker wie FAUN mit an Bord geholt hatte. Ob dieses neue Werk der Gattung "Dark Folk Pop" überzeugen kann?

Nun, was man auf jeden Fall vom ersten Anspielen an hören kann ist, dass sich stilistisch seit "Shades & Patterns" Einiges getan hat. Während ebendiese EP noch eher klassisch und schnörkellos gehalten war, erlebt man auf "Pest & Power" einen massiven Schritt in Richtung Neofolk. Ebenso verwehrt man sich hier in keinem Moment deutlichen Popallüren, was vor Allem zu Beginn des Albums stärker ins Gewicht fällt. So tritt die namensgebende Hurdy Gurdy gerade bei den ersten beiden Songs, "Run" und "Oil" im Gegensatz zur prominenten Perkussionsarbeit und Patties Gesang eher in den Hintergrund und kommt nur phasenweise stärker zum Einsatz. Obgleich dies die Erwartungen einiger Hörer möglicherweise torpedieren könnte, gewöhnt man sich nach einiger Zeit an das neue Klangbild und das Album vermag durchaus einige Ohrwürmer zu generieren, allen voran das wirklich großartige Cover von "Moonlight Shadow" und "One By One".

Allerdings sei auch gesagt, dass die Qualität der verschiedenen Nummern untereinander teils stark variiert. So hat man beispielsweise bei "Cold Back Down" den Eindruck, dass recht zwanghaft versucht wird, dem Song eine dramatische Athmosphäre zu geben und man deshalb Patties durchaus ausdrucksstarkes und auch kräftiges Organ vollkommen überreizt, was im Endeffekt mehr gekünstelt als wirklich emotional wirkt. Am Besten funktionieren eindeutig jene Songs, in denen PATTY GURDY ihr namensgebendes Instrument tatsächlich auszureizen beginnt und dessen Qualitäten wirklich vordergründig zum Vorschein kommen können. So gehören die beiden Instrumentalstücke auf "Pest & Power" mit Sicherheit zu den besten Dingen, die man darauf zu hören bekommt, zusammen mit "The Night Our Ship Will Drown", auf dem zuvor Bekriteltes wesentlich besser funktioniert und auch Patties gesangliche Talente beeindruckend in Szene gesetzt werden.

Letztendlich ist "Pest & Power" also ein durchaus hörenswertes Album für jeden Freund von modernem Folk geworden, das andererseits aber auch für Hörer von zugänglicherer Musik ansprechen dürfte. Abzüge gibt es für den einen oder anderen schwächeren Song im Mittelteil, für die man aber in Form zweier wirklich großartiger Instrumentalstücke und einem tollen Finale entschädigt wird. Weiter so, Patty!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Daniel Csencsics (26.10.2019)

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