BAD WOLVES - N.A.T.I.O.N.

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VÖ: 25.10.2019
Bandinfo: BAD WOLVES
Genre: Modern Metal
Label: Eleven Seven Music
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Die Jungs sind flott – erst gut ein Jahr vergangen und schon gibt es das nächste Album. Wohin die Reise geht? Im Prinzip weiter ab dem Punkt, wo man aufgehört hat, mit mehr Mut zum Anderssein und gleichzeitig einem massiven Seitenblick auf die Breitentauglichkeit. BAD WOLVES siedeln sich für mich ähnlich wie zuletzt irgendwo im Spannungsbogen zwischen FIVE FINGER DEATH PUNCH (mit denen sie auch touren) und DISTURBED an. Was mich zu diesem Vergleich bewegt? Die typische Art des Songwritings, das diese amerikanischen Bands betreiben, ihr Mix aus verschiedenen Stilen, bei dem man oft nicht weiß, ob dieser dadurch entsteht, dass sie nicht wissen, wo sie hin wollen, oder ob eben genau dies ihr persönlicher Weg ist. Und natürlich der Boost, den sie erfuhren, indem sie sehr bekannte Songs covern. Im Fall von BAD WOLVES wäre das „Zombie“ von THE CRANBERRIES. Dieser Song hat ihnen 2018 einen ähnlichen Höhenflug beschert wie „The Sound Of Silence“ DISTURBED.

Auch bei „N.A.T.I.O.N“ sind wie zuvor Tommy Vext und John Boecklin fürs Songwriting zuständig. Sie fuhrwerken dafür sehr im Fahrwasser von beiden oben gennannten Bands herum. Da wäre die Härte und Wildheit von 5FDP auf der einen Seite, und die weiche melodiöse Rockseite von DISTURBED auf der anderen. Und so beschreibt Leadsänger Tommy Vext die Hintergedanken fürs neue Album: “We’re not reinventing the wheel. We just take all the things we love and try to make records that our 16-year-old selves would wanna go buy.” Persönliche Anmerkung dazu: Die Wünsche eines 16-Jährigen können ganz schön verworren und breit gestreut sein.

Der Starter „I’ll Be There“ ist ganz schön fett zu Beginn, man freut sich auf ein hartes Brett. Dann kippt der Song zu Rap - oha -, als nächstes schmeißen die Wölfe eine eingängige Melodie mit rundem Gesang in den Refrain und dann kommt zart-melodiöses. Damit liefern sie hier sehr interessante Wechsel und in diesem Wechselspiel geht es im Opener weiter. Er lässt die verschiedensten Einflüsse der Band in einer einzigen Nummer erkennen und zeigt, was zu erwarten ist.

„No Messiah“ nimmt den Speed und einen Teil der Wildheit raus, ist netter, runder und angepasster. Auch wenn der Druck der Bässe manchmal gewaltig ist, heftige Riffs und Growling als Würze dazu kommen, im Gesamteindruck überwiegt das „Normale“.

Dass sie nicht nur mit 5FDP touren, sondern sich dabei auch einiges von deren Songs abgucken, hört man bei „Learn To Walk Again“. Da dachte ich im ersten Moment, es ist was Neues von 5FDP, weil so austauschbar: Ähnliche Rhythmen, Riffs, Vocals, Lyrics. Nur etwas mehr Melodie im Song, als bei den anderen Amis.

Diese Gangart – eingängige Melodien, gute gesetzte Soli und fetzige Riffs, fette Bässe und starke Vocals im Mix mit soften Rock/Pop-Parts (manchmal fast schon auf Boygroup-Gesäusle-Niveau) und knallhartem Modern Metal Sound – hört man auf „N.A.T.I.O.N.“ eigentlich ständig. Und nicht nur hintereinander, sondern jeweils in einem Song zusammengewürfelt. Beispiele: “Killing Me Slowly”, „Heaven So Heartless” (mit sehr sphärischen Klängen), „Crying Game“ oder „Back In The Days“. Die Nummer eins bei den Durcheinander-Songs ist „The Consumerist“. Der klingt eigentlich nach Jammen, weil in diesem Song einfach alles Mögliche an Stilen, Sounds, Gesangsstilen und Soundeffekten durcheinandergeworfen wird.

Ausnahmen von diesem Wechselbad innerhalb eines Songs sind „Better Off This Way“, „Sober“ und „Foe Or Friend“ sowie „LA Song“. Die beiden ersten sind zart, Nummer drei und vier hart-wütend.
“Better Off This Way” ist eine teils hingebungsvoll akustische, teils von Gitarre und Schlagzeug powervoll unterstütze Ballade mit Aussage in den Lyrics, die aber vorranging von den Vocals lebt. Ich muss schon sagen, Tommy Vext hat ein ausgezeichnetes Organ, das von Ballade über Metal bis Screams und Growling alle Stückerl spielt. Womit ich wieder bei den Parallelen zu DISTURBED wäre. „Sober“ nimmt sich eines Themas an, das viele betrifft. Der Song ist in ein akustisches Kleid gepackt, bekommt einen Hauch Folk/Country und einen Mitsing-Refrain, bei dem man sofort weiß, dass dies ein absolutes Muss-Live-Stück ist, das jeden abholen wird. Anders ausgedrückt, „Sober“ hat nichts mit Metal am Hut, weder Modern, noch Heavy, noch sonst irgendwie.
Bei „Foe Or Friend“ röhrt, rappt, grölt und wütet der gute Mann, da hast du das Gefühl, das ist ein Schlag in die Magengrube und geht dir gleichzeitig an die Gurgel. Das klingt, als hätte man zwei verschiedene Bands aufs Album gepackt. Die aggressive Dissonanz, die Industrial-Klänge, das die Magengegend angreifende Wummern von Bass und Schlagzeug, das Gestöhne, Gekeuche, Gegröle… Gesang gibt es hier nicht. Melodie auch fast nicht. „LA Song“ rapt und wütet ebenfalls, hat aber doch neben dem Growling, Doublebass und kreischenden Gitarren Melodie und Gesang zu bieten.

In der Gesamtbewertung tu ich mir ein bisschen schwer. Die BAD WOLVES verstehen ihr Handwerk und beherrschen ihre Instrumente bzw. haben einen super Sänger. Der Sound bewegt sich zwischen glaubhafter Aggression und einfühlsamer Schmeichelei. Beim Rhythmus überwiegt der Gedanke nicht zu heavy zu werden, sondern eher beim gefälligen Mainstream zu bleiben. Wenn sie ihren Weg damit gefunden haben, gut für sie. Es wird sicher eine Menge Leute geben, die auf diesen Spagat zwischen Rock und Modern Metal mit einem Touch Industrial plus Death stehen. Die Fans der ersten Stunde könnten aber mit „N.A.T.I.O.N.“ vor den Kopf gestoßen werden, weil oft die echte Härte weg ist und sich nun viel mehr „normale“ oder „Misch-Masch-Songs“ auf dem Album tummeln. Da kann ich nur Vext zitieren: „…to create an album that’s a rollercoaster of emotional experience.” – Damit hat er den Nagel auf den Kopf getroffen – eine Achterbahnfahrt; besser könnte ich es auch nicht ausdrücken.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lady Cat (30.10.2019)

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