LORD VICAR - The Black Powder

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VÖ: 03.05.2019
Bandinfo: LORD VICAR
Genre: Doom Metal
Label: The Church Within Records
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Lineup  |  Trackliste

LORD VICAR sind im traditionellen Doom keine Unbekannte. So ist zum Beispiel mit Kimi Kärki eine finnische Doom-Legende an Bord. Der gute Kimi ist ex-Mitglied der verrückten und leider inzwischen aufgelösten REVEREND BIZARRE, die mit ihrer ureigenen, kauzigen Herangehensweise einige Meilensteine des Genres veröffentlicht haben. Sänger Chritus war wiederum Teil von COUNT RAVEN und SAINT VITUS. Ganz losgelöst von diesen Bands sind auch LORD VICAR nicht zu sehen, was "The Black Powder" eindrucksvoll beweist.

Wenn man das Album mit einem 17-Minuten-Epos beginnt (ein akustischer Beginn mit folgendem Doom-Gewitter geht einfach immer), dann weiß man schon, dass man sich nicht unbedingt der Musikindustrie anbiedert. Doch qualitativ ist dieses "Sulfur, Charcoal and Saltpeter" gleich mal eine ordentliche Offenbarung: Mitunter atmosphärisch und ruhig, oft beschwörend, aber auch 
mit einer gewissen Schwere, weiß man den geneigten Doomster zu unterhalten. Viele Songs gehen in eine bewusst antiquierte Richtung und begeistern weniger mit minutenlangem, stoischem Riffgewalze, sondern eher mit einem Retro Doom-Charme, den man auch von den genannten Bands kennt. Sehr auffällig ist dies z.B. bei "Descent" oder "Black Lines".
Etwas schwerer ist "World Encircled", während "The Temple In The Bedrock" oder "Impact" in die andere Richtung gehen und verhältnismäßig flott sind. Etwas überraschend ist "Nightmare" das sogar einen ANATHEMA-Vibe versprüht, den man sonst auf diesem Album eigentlich nicht wahrnimmt. Sehr schön ist auch "A Second Chance". Der Rausschmeißer entlässt einen auf eine zähe, bedrückende, aber auch ein klein wenig Hoffnung verbreitende Art und Weise aus dieser Reise. 

Zugegeben, das Rad wird hier nicht neu erfunden. Auch die genannte, etwas altbackende Herangehensweise mag dem einen oder anderen Hörer die Haare zu Berge stehen lassen. Ja, "The Black Powder" ist keine Sekunde modern und wurde analog aufgenommen. Ein klarer Sound klingt anders. Aber die Fans dieses Genres können bedenkenlos zugreifen, da dies wohl auch
nicht zum Anforderungskatalog eines guten Doom-Albums zählt. Der traditionelle Doom hat im Jahr 2019 kaum eine bessere Veröffentlichung gesehen. Aber wer hätte sich auch ernsthaft erwartet, dass Kimi Kärki und Chritus ihren Legendenstatus mit einer halbgaren Veröffentlichung zerstören? Daumen nach oben für LORD VICAR! 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: El Greco (13.11.2019)

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