MYRONATH - Into The Qliphoth

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VÖ: 04.10.2019
Bandinfo: MYRONATH
Genre: Black Metal
Label: Non Serviam Records
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Schwermetallische Standpauken - Teil II
(...über die Lebensstrafe eines metallischen TÜV-Inspektors)

Es ist ein stinknormaler Tag im Leben eines Prüfinspektors, der in einer Niederlassung des Metal-TÜV irgendwo in Schweden sein Dasein fristet. Der Tag beginnt mit einem unwohlen Gefühl in der Magengrube - so wie jeder Tag, wenn man als einer der wenigen kreuzbraven Sicherheitshüter ausgerechnet in den vor Tod und Teufel überquellenden Black-Metal-Fachbereich abkommandiert wurde. Was musste dieser gläubige Mann, ein Großgrundbesitzer unter den Luftschlossbewohnern, auch seine Angebetete bereits beim 666ten Date unflätig am Unterarm berühren – wo er doch wusste, dass der Vater besagter Dame ein hohes Tier im Hause seines Brötchengebers ist.

Wo die Triebe die Vernunft besiegen, schlägt die hohe Kunst der ironischen Bestrafung gnadenlos zu – weswegen die unbekümmerten Tage entspannter Pro-Forma-Absolutionen in STRYPERs Bulli-Papamobil-Hybriden ein für alle Mal vorbei sind. Stattdessen steht heute die Typenzulassung von MYRONATHs V12-Turboindoktrinator an – einem monstertruckähnlichen Gefährt von bedrohlicher Ausstrahlung, bei dessen Anblick selbst der Wein in Shagraths Kelch wieder freiwillig zu Wasser wird. Von seinem Job und dem Prüfobjekt gleichermaßen abgestoßen, versucht der Protagonist nach Kräften, Verstöße gegen die strengen Richtlinien des Metal-TÜV auszumachen und dem Teufelsvehikel die angestrebte Betriebserlaubnis zu verweigern – doch leset und höret selbst!

Als die metergroßen Allwetterbereifungen des Turboindoktrinators über die Schwelle zum Betriebshof rollen, umgarnt den Prüfer eine dunkle Aura und selbst die Mäuse, die Tag um Tag den Käse von seinem Pausenbrot stibitzen, räumen ängstlich das Feld. Obwohl er die Einstellung auf dem Blasphemator, der Steuereinheit der rollenden Kriegsmaschine, nicht sehen kann, penetrieren destruktive Hirnwellen seinen Verstand und injizieren stetig und mantraartig die Zeile „The Ancient Slumber“ in seinen Kopf. Als würde eine unheilvolle Urmacht erwachen, eröffnen rasiermesserscharfe Stahlsaiten und hämmernde Kriegstrommeln ein unheiliges Lied, das mit dem Annähern des heutigen Prüfobjekts immer lauter und lauter in den Ohren des Inspektors hallt. Als der Fahrer Hellcommander Vargblod vor ihn tritt, versucht der vor Furcht erzitternde Prüfsachverständige, die Fassung zu halten und als der strenge Mann am längeren Hebel dazustehen: „Diese infernale Hollywoodschaukel soll ich Ihnen abnehmen?! Dagegen sieht das SUV unseres Chefs ja aus wie ein Kinderwagen! Ich werde mir die Mühle genauestens ansehen und wenn ich nur den geringsten Verstoß gegen die technischen Vorschriften feststelle, können Sie Ihre sieben Höllenhunde vor die Karre spannen und dieses Monstrum zum nächsten Schrottplatz ziehen lassen! Ich warne Sie - unser Prüfinstitut hat Zeit! Die Chaoten von MORTEM haben bei meinem Vorgänger stolze 30 Jahre lang auf ihre erste Plakette gewartet!“ eröffnet er mit verkrampft wirkendem, aus purem Überlebensdrang erzwungenem Selbstbewusstsein seinen Prüftermin.

Der Prüfer beginnt mit der Kontrolle der Schadstoffwerte und muss sich nach der Inspektion der Abgasanlage, die den Durchmesser einer mittelgroßen Wassermelone hat, zunächst auf die Suche nach einem geeigneten Adapter begeben. Nach der Aufforderung, mal kräftig Gas zu geben, schaltet Hellcommander Vargblod den Blasphemator auf „Ravensphere“ und drückt das Pedal behutsam gen Boden. Der Prüfstand wackelt und der Inspektor kratzt sich ungläubig die Stirn: „Die Abgase Ihres Fahrzeugs unterschreiten den absoluten Nullpunkt, zudem läuft Ihr Motor vollkommen schadstofffrei! Es scheint, als würde ihr Antrieb Energie aus Chaos gewinnen. Damit verstößt Ihr Bunsenbrenner gegen mindestens zwei Naturgesetze – es gibt keine Temperatur unter null Kelvin und Energie wird immer zu Chaos, nicht umgekehrt!“ Der Fahrzeugführer, ein erfahrener Teufelsmissionar, der bereits erfolgreich Boliden von Marken wie DRAUGÛL oder KHAOSPATH auf die Straßen der Welt gebracht hat, entgegnet trocken: „Ist das verboten?!“ Sein Beifahrer Malphas, der seit einigen Monaten auch für den diabolischen Rennstall BLOOD OF SERPENTS zum sechssaitigen Lenker greift, lacht sich hämisch ins Fäustchen.

Der Prüfer weicht einer weiteren Diskussion aus und sucht - in dem unwohlen Wissen, dass die Richtlinien des Metal-TÜV den Bruch mit Naturgesetzen nicht sanktionieren - weiter nach Unregelmäßigkeiten. Dieses Mal versucht er es mit der Geräuschemission des Fahrzeugs. Als er mit seinem Mikrofon um die Karosserie läuft und Messungen durchführt, stellt Hellcommander Vargblod den Blasphemator auf „Lady Of Golgotha“ und lässt den Motor laufen. Zum Entsetzen des Inspektors bringt MYRONATHs Turboindoktrinator selbst bei Standgas mehr Schub als sein geschätzter STRYPER-Bulli bei durchgetretenem Pedal. Als der Fahrer den Hebel auf „The Awakening“ stellt, schnellt die Drehzahl umgehend auf 10.000 1/min, die rot glühende Auswerteeinheit des Prüfers zeigt eine Frequenzhysterese von 0% - die Maschine läuft sozusagen wie ein Schweizer Uhrwerk. Entnervt fragt er „…wer zum Kruzifix hat diesen Motor eingestellt?!“ und stößt, während er in den Papieren des Turboindoktrinators blättert, auf den Namen „Lars Broddesson“. Ebenso stört es ihn, dass die Geräusche des Gefährts vollkommen frei von Störfrequenzen und Disbalancen sind. Auf der Suche nach den verantwortlichen Akustik-Designern findet er in den Papieren abermals „Lars Broddesson“ und „Devo Andersson“. In der Gewissheit, dass er es hier mit geachteten Experten zu tun hat, die ehemals (Broddesson) und aktuell (Andersson) in der gefürchteten Panzerdivision MARDUK dienen (und weil er seinen Premiumkunden unter Strafe nicht verprellen darf), geht er zur Prüfung der Bremsen, Blinker und der Schwarze-Flamme-Fackeln über. Als er auch dort keinerlei Gründe zur Beanstandung ausmachen kann und sogar die aus rattengroßen Dämonen bestehende Bordkapelle nur feinsten schwedischen Black Metal von tonaler Güte und stimmiger Komposition zum Besten gibt, stellt er seine Suche nach Fehlern widerwillig ein.

So sehr es der Inspektor auch versuchte, gegenüber Hellcommander Vargblod den starken Mann zu mimen, sein Gefährt schlecht zu machen und ihm den Zugang zu den internationalen Metal-Autobahnen zu verwehren, so kam er doch nicht umher, die Einhaltung sämtlicher schwedischer und internationaler Normen für schwarzmetallische Indoktrinationsmaschinen zu attestieren und die Plakette herauszurücken. Vor der turnusmäßigen Kontrolle in zwei Jahren graut ihm bereits heute. Als das monströse Gefährt schlussendlich unter heiter triumphierenden "La Santa Muerte"-Rufen vom Hof knattert und ihm unter Einfluss seiner destruktiven Wellen ein stimmungsvolles „Ave Luciferi“ entgleitet, verurteilt er abermals die animalische Liebkosung dieses verwunschenen Unterarms.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (08.11.2019)

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