THE DROWNING - The Radiant Dark

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VÖ: 08.11.2019
Bandinfo: THE DROWNING
Genre: Death/Doom Metal
Label: Transcending Obscurity
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Alben von THE DROWNING sind in mehrerlei Hinsicht kein Snack für Zwischendurch - zum Einen, weil die Releases im Durchschnitt etwa eine Stunde lang sind und weil die Musik zum Anderen recht vielschichtig ist. Die bis zu zehn Minuten langen Kompositionen erschließen sich nicht im Vorbeigehen und laufen nicht direkt runter wie Öl. Kein Wunder - denn wenn die leichtsiedenden Kollegen aus den undoomig deathigen Lagern getreu dem Benzinprinzip niederviskos fließen und schnell zünden, rinnt bei den untertourigen Konsorten wie THE DROWNING eine zähflüssige, dichte Pampe aus den Boxen. Deren Fluss zu beobachten und zu begreifen, braucht Geduld, doch wird derjenige reich belohnt, der sich die Zeit und Muße nimmt, sich damit eingehender zu beschäftigen.

Mit "The Radiant Dark" präsentieren die Herren aus Cardiff ihren fünften Langläufer und wie gewohnt eine runde Stunde gepflegte Unterhaltung. Direkt ins Auge bzw. ins Ohr fällt der mächtige Sound, der schwer wiegt wie schwarze Materie, die perfekte Balance zwischen allen Fraktionen schafft und trotz seiner Durchschlagskraft in keinster Weise überzüchtet klingt. Die Produktion überzeugt damit mit einer ähnlichen Genialität wie das portugiesische Startup-Duo OAK auf seinem Debut "Lone".

Was THE DROWNING besonders gut gelingt, ist der Aufbau von Spannung und das Transferieren von Emotionen. "The Triumph Of The Wolf In Death" bspw. spannt den Bogen über leichtfüßige drei Minuten, bevor es erstmals in seinen catchy Refrain übergeht - und hält sie schlussendlich über die volle Distanz. Die fesselnden Hooks in den Refrains markieren dabei die emotionalen Höhepunkte, in denen sich die angestaute Energie entlädt - wäre der Quasi-Opener ein Unwetter, würden hier Platzregen, Blitz und Donner ihr Intermezzo geben. "Prometheus Blinded" geht überwiegend hartriffig, ein wenig thrashig und vergleichweise zackig zu Werke. Mit seinen bescheidenen fünf Minuten Laufzeit bleibt die Nummer damit das kürzeste und am leichtesten zugängliche Stück des Albums (dicht gefolgt von "Harrowed Path"). "In Cold Earth" punktet mit starken Kontrasten und schafft es, die transportierten Emotionen fühlbar zu machen. Den Anfang machen atmosphärische, nachdenklich und sehnsüchtig wirkende Passagen, woraufhin zum Ende hin brutale und bedrohliche Riffs die Überhand nehmen. Von einem auf den anderen Moment fühlt man sich, als würde man mit Tempo...sagen wir 2,5 km/h auf eine Ziegelmauer hinzu manövrieren - und anschließend von einer stattlichen Dampfwalze genüsslich in das Bauwerk integriert. Auf der weiteren Wegstrecke gibt es von den beschriebenen Verhaltensmustern bis hin zu originär deathigen Einflüssen reichlich zu entdecken, bis schließlich "Blood Marks My Grave" die Platte beendet und den Hörer mit einem lähmenden, erdrückenden Gefühl von Trauer entlässt.

Zusammengefasst liefern die Waliser in der Kategorie "UK-Death/Doom" ein dickes Brett, das nicht nur Fans der inzwischen back-to-the-rootenden PARADISE LOST überzeugen dürfte. Das scheidende Jahr war äußerst ertragreich, doch ganz gleich, wie viel Materie man bisweilen aus dem schwarzen, zähfließenden Sumpf der langsam drehenden Uhrwerke aufgesogen hat - für THE DROWNING und "The Radiant Dark" sollte noch eine Stunde drin sein...oder zwei...oder drei.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (22.12.2019)

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