MIDNIGHT FORCE - Gododdin

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VÖ: 06.10.2019
Bandinfo: MIDNIGHT FORCE
Genre: Heavy Metal
Label: Iron Shield Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Ich weiß nicht, war es der kecke Methanol-Orangensaft-Mix oder der zu euphorische Schwammerlkonsum, aber selten hab ich ein Album dermaßen überbewertet wie "Dunsinane" von den Glaswegians MIDNIGHT FORCE. Völlig ungeniert stilisierte ich die musikalische Rumpelkammer zur Wiederkehr der Großtaten der NWobHM, hoch bejubelte ich den Krempel als ob IRON MAIDEN wieder eine gute Scheibe veröffentlichten, tobte vor Freude, weil ich meinte, dass Uraltstahl immer gut ist, auch wenn er alles ist, nur eben nicht gut.

MIDNIGHT FORCE sind eine Band, die ihre Schaffungskraft allein aus dem Vergangenen bezieht. Und wenn das auch immer wieder funktioniert, siehe u.a. VISIGOTH, so muss man doch einige Zutaten richtig zusammenfügen, damit Alteisen nicht zu blankem Entsetzen führt.

MIDNIGHT FORCE machen so ziemlich alles nicht richtig, was man 2019 nicht richtig machen kann.

Der Sound ist beinahe unter Demo-Niveau. Das Schlagzeug rumpelt dahin, die Gitarre ist dünn, einem bulimischen Knaben gleich. Der Bass ist erstaunlich gut hörbar und wohl so ziemlich das einzige Instrument, das hier mit Können und einigermaßen hörbar gespielt wird. Der Gesang ist eine Katastrophe. Es gibt viele eigenwillige Sänger im Metal. Sänger, die irgendwie immer neben der Spur sind, es aber doch charmant ins Ziel schaffen mit ihrem Vortrag. Der Pistolen-Hansi schafft das nicht. Zwar liegt auch er neben der Spur, dies aber gänzlich uncharmant, er hat wirklich keine gute Stimme, scheitert desaströs an den Höhen und quietscht im "normalen" Bereich als träte ihm jemand ohne Unterlass ins Gemächt.

Das Songwriting ist noch der Punkt auf dem I, das Sahnehäubchen, welches das Album in zu guter Letzt in den Keller schießt. Man lehnt sich gerne an alte MAIDEN, noch lieber an MANILLA ROAD an und scheitert mit einer Verve und einer schon fast beängstigenden Konsequenz die mich beinahe anerkennend nicken ließen. Sehenden Auges in den Abgrund des Musikschaffens zu taumeln, ohne sich auch nur dagegen zu streben ist auch schon fast bewundernswert. Gut gemacht, Jungs! Jetzt kehren wir das alles zusammen und dann kann jeder nach Hause!

An der Veröffentlichung passt so gut wie nichts. Selbst das Cover ist belanglos. Die Texte handeln wohl von verschiedenen historischen Ereignissen, damit gewinnt man aber auch hinten raus nichts mehr.

MIDNIGHT FORCEs "Gododdin" ist ein wahrhaftiger Totalausfall, den, da bin ich mir sicher, auch keiner der das Album bejubelnde Schreiberkollegen mehr als einmal durchhören wird, ohne das Album dann dem Sondermüll zuzuführen. Wenn man von "starkem Songwriting" und "stimmigen 80er Sound" spricht stellt sich mir die Frage, welche Scheibe hier gehört wurde. 

Ganz fürchterlich...

 



Bewertung: 1.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (19.11.2019)

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