THE LAST CELL - Continental Drift

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VÖ: 26.04.2019
Bandinfo: THE LAST CELL
Genre: Progressive Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Gemeinhin ist Prog ein Genre, zu dem man in seiner Konserven-Variante oftmals leichter Zugang findet, als live. Sind doch schwere, komplexe Klänge bisweilen ein wenig überfordernd für einen entspannten, teils bierseligen Konzertabend. Bei THE LAST CELL scheint die Sache, zumindest für diesen kleinen Rezensenten, umgekehrt zu sein: Sorgte die Vorgängerscheibe „Nautilus“ noch für ein wenig Teilüberforderung der grauen Zellen, so konnte Jean-Marc Perc mit seinen beiden Mitmusikern (Tieftöner Lukas Florian gehört inzwischen fix zum Programm) bei seinem Stopp in Salzburg Live auf voller Länge überzeugen. Dargeboten wurden dabei auch die Stücke des neuesten Outputs „Continental Drift“, welches sich das angemessen beeindruckte Schreiberlein im Nachgang mit sofortiger Wirkung aus dem Promoteich fischte.

„Landslide“ beginnt kühl und distanziert, bricht dann aber in knackige, fett aus den Boxen dröhnendes Riffing aus, um später zwischen singenden Post-metallischen Anleihen und vertrackten Rhythmen eine komplexe Soundwelt aufzubauen. Das träumerische „Flora und Fauna“ lässt sich Zeit und bleibt häufig in moderatem Tempo, verbindet konterkarierende, melancholische Klänge mit satten Gitarren und dynamischen Tempovariationen. „Pebblestone“ bleibt ruhig und reduziert und fungiert mit sanften Gitarrenklängen und dezenten Bassakzenten wie eine stoische Interlude, die wie ein Fels inmitten der Brandung der aufwühlenden Titel steht. „Thengana“ spielt erneut mit dynamischen Tempi und jagt die Gitarre vom tiefsten Grund des Ozeans bis zur höchsten Bergspitze. Der Titeltrack „Continental Drift“ setzt noch einmal einen Höhepunkt und ein kräftiges Ausrufezeichen, indem von irrwitzigen Gitarrenabfahrten, groovenden Passagen, gar eingängigen Melodien bis hin zu kantigen Eruptionen die komplette Klaviatur der tonalen Emotionen durchgeackert wird – destilliert in einen einzigen Song, der innerhalb eines einzigen Hördurchlaufs gar nicht in seiner Gesamtheit zu erfassen ist.

Easy Listening darf man bei „Continental Drift“ wahrlich nicht erwarten. Dennoch versteht es THE LAST CELL einmal mehr, trotz höherer progressiver Weihen und komplexen polyrhythmischen Konstrukten, den Hörer schnell zu fesseln, im Spiel mit wiederkehrenden Mustern und Harmonien, sowie grandios gesetzten, eingängigen Passagen, die dem Zuhörer als Ankerpunkt zum leichteren Erfassen der ausschweifenden Songwelten dienen. Jaja, ich weiß, man soll keine Lobeshymnen schreiben. Aber ich kann nicht anders: Das ist verflucht geil, und kratzt ziemlich laut und nachhaltig an der Höchstnote. Da ist aber zweifelsohne in dieser außergewöhnlich fruchtbaren Konstellation noch viel mehr drin!

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (26.11.2019)

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