RAISED FIST - Anthems

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VÖ: 15.11.2019
Bandinfo: RAISED FIST
Genre: Hardcore
Label: Epitaph Records
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Lineup  |  Trackliste

Seit den ersten Gehversuchen auf "You're Not Like Me" (EP, 1994) haben sich die Kontinentalplatten auf dem RAISED FISTschen Erdball weit bewegt und sicherlich das ein oder andere Beben verursacht - sei es im Pit oder im rumpelnden Partykeller. Der Stil der schwedischen Hardcoretruppe änderte sich mehrmals und sollte auch mit dem siebten Langspieler kein Abziehbild irgendeines seiner Vorgänger sein. Kurz, knapp und mit aller nötigen Bescheidenheit auf den Namen "Anthems" getauft, üben sich Alexander "Alle" Hagmann und seine Kumpels nicht nur in britischem Understatement, sondern neuerdings auch im Erschaffen einer Rock'n'Roll-Platte - einem einfachen und wirkungsvollen Stück Entertainment ohne tiefgründigen Popanz und versteckte Gebühren. Eine halbe Stunde Laufzeit soll des Guten genüge sein, nicht mehr und nicht weniger als zehn Songs soll das Eisen zu bieten haben - jedes einzelne Stück mit ohrwurmqualifizierten Hooks versteht sich. Man munkelt sogar, dass während des Schreibprozesses entstandene Granatensongs ihre schwächeren Pendants der Platte verwiesen haben sollen.

Wie es scheint, gingen RAISED FIST dieses Mal mit einem Maß an Fokussiertheit, Ehrgeiz und Streben nach Effizienz zu Werke, wie sie es bisher nicht getan hatten. Und hat sich dieses Unterfangen ausgezahlt? Ja, verdammt! Hat es, denn wenn es das erklärte Ziel der Schweden war, sich mit zehn Songs zehn Mal in die Gehörgänge ihrer Fans und Sympathisanten zu fräsen, dann ist ihnen das bestens gelungen. Zwar hat das ganze Gebräu mit Hardcore der Marke SICK OF IT ALL und Konsorten nur noch sehr limitierte Schnittmengen, doch ergibt es innerhalb der eigenen Bandhistorie Sinn und macht nebenbei tierisch Spaß. Was so leicht klingt, dürfte tatsächlich das Ergebnis harter Arbeit sein, denn die "einfachen" Songs sind bekanntermaßen die Schwierigsten - zumindest, wenn man sich auf das Songwriting bezieht und dabei den Anspruch erhebt, ohne langes Fackeln bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

 

 

Doch dieser Kunstkniff ist den Schweden tatsächlich zehn Mal in Folge gelungen. Mit einem ausbalancierten Gemenge aus (Melodic) Hardcore, Punkrock, Rock ohne Punk und zuweilen auch poppigen Einflüssen schaffen RAISED FIST einen Mix, der viele Interessen unter einen Hut bringt und dabei hart und eingängig zugleich ist. Passend zu den musikalischen Akzenten mischen sich häufiger cleane Parts in Alles Gesang - böse Zungen würden behaupten, die Schweden zeigten in diesen Momenten gar Parallelen zur BLOODHOUND GANG [dass der Verfasser mit den alten Bumsnudeln bis heute nicht warm wird, sei hier weder Thema noch Bewertungskriterium]. Die fast schon unverschämt klebrigen Hooklines in den Refrains haben von Natur aus keinen zweiten Anlauf nötig und werden durch prägnante und singbare Zeilen wie "Put Your Fist To The Sky If You Love It" oder "Hey, We're Here, Let's Make It Loud And Clear" ("We Are Here", Anspieltipp!) getragen. "Venemous" und "Seventh" bleiben innerhalb des abgesteckten Gebiets straight, während "Polarized" zuweilen ungewöhnlich düster daherkommt und "Shadows" - eins meiner Highlights der Platte - spontan von lässigem Rock zu Pop und umgekehrt switcht. Eine halbe Stunde Zeit und zehn Songs - mehr braucht es nicht für gute Unterhaltung, der man gerne auch mal einen zweiten Durchlauf spendiert.

RAISED FIST sind irgendwie immer für eine Überraschung gut, denn abgesehen davon, dass Fronter Alle immer markant heiser wie ein Räucheraal in sein Mikro jodelt, hat der musikalische Alltag schlechte Karten bei den Schweden. Das sollte man am besten überhaupt nicht weiter hinterfragen, sondern sich stattdessen einfach an der überspringenden Eingängigkeit ihrer "Hymnen" erfreuen und die packenden Rhythmen abfeiern. Man darf sich also auf die nächsten Shows freuen, wenn es wieder heißt: "We Are RAISED FIST, This Is How It Is".



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (05.12.2019)

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