GRIZZLY - Movement

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VÖ: 29.11.2019
Bandinfo: GRIZZLY
Genre: Alternative Rock
Label: Department Musik
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Lineup  |  Trackliste

Wir begeben uns todesmutig in die Höhle des Löwen, nein, des Bären! Die sympathischen Burschen aus Karlsruhe, GRIZZLY, hauen nämlich gerade ihr drittes Album raus, das wir natürlich auch in Augenschein nehmen müssen. Bereits der Vorgänger „Polaroids“ machte ordentlich von sich reden und konnte gar mit Vergleichen zu den ungleich bekannteren Ami-Kollegen von A DAY TO REMEMBER bei den Kritikern landen.

Und tatsächlich ist der Vergleich gar nicht so weit hergeholt, wenn man GRIZZLY einmal live erleben durfte. Simple, aber enorm eingängige Songs, die auf dem feinen Post-Hardcore-Grat zwischen breitentauglichen Mitsing-Refrains und einem gerüttelt Maß an knackigen Metalcore-Einflüssen tanzen, gehen schnell ins Ohr und nisten sich dort auch gerne einmal länger ein. Was jedoch besonders hervorsticht ist die Energie und die unbändige Spielfreude, die die Band auf der Bühne versprüht und mit der sie ihre Zuhörer immer wieder mitreißen können. Das merkt man auch dem vorliegende „Movement“ an, dass die Songs auf Eingängigkeit und schnelle Durchschlagskraft getrimmt sind, um in der Livesituation vom Fleck weg zu zünden.

Um sich auf dem dritten Album (bekanntlich oft als Gradmesser für die weitere Karriere herangezogen!) nicht lumpen zu lassen, hat sich die Bärenrasselbande gleich vier Gastsänger eingeladen, die im Rudel mitsingen, -schreien oder -rappen dürfen. Gregor Cheesy von der KING NUGGET GANG kommt mit seinen gut eingebundenen Rap-Parts gleich im ersten Song „Why We Move“ zu Ehren und schubst den lässigen Ohrwurmsong in eine fast ein wenig nu-metallische Ecke. Die herrlich hysterische Überdrehtheit von Sushi (ESKIMO CALLBOY) bindet „Silver Linings“, das mit seiner flottten Hookline GRIZZLY gut zu Gesicht steht, sehr passend ein. Im breitwandigen und hymnischen „Daydream“ bekommen wir Romana von ATTIC STORIES zu hören und im gnadenlos in den Gehörgang wurmenden „Headstrong“ darf sich Flo von YODAS RISING austoben.

Das Rezept, das sich GRIZZLY schon auf „Polaroids“ gestrickt haben, funktioniert auch auf „Movement“ perfekt – stampfende und donnernde Titel mit coolen Gangshouts („Angry Little Boys“) wechseln sich mit flotten Post-Hardcore-Hymnen ala „Social Media“ oder „First World Problems“. Aber GRIZZLY scheuen sich auch nicht vor etwas aggressiveren, kantigeren Songs wie „Snitches & Famebitches“ oder dem stärker mit Metalcore-Elementen spielenden „Juggernauts“, das vielleicht in den Strophen etwas glatt bleibt, aber dafür mit richtigem Killerrefrain glänzen kann, der richtig Laune macht. Das bedrückende, den Daumen auf den Puls der Zeit legende „Planet B“ bringt ebenfalls vergleichsweise aggressive Parts und verstört passend mit Sirenenklängen – lediglich der hier zu aufgesetzt fröhlich wirkende „ohohoh“-Part mag hier nicht so recht in den textlich eher düster geratenen Song passen.

„Movement“ hat damit alles an Bord, was ein gutes Post-Hardcore-Album braucht – punkige Gitarren, melodiöser Cleangesang, etwas Geschrei, einige Rap-Parts und Gangshouts, sowie schnell ins Ohr gehende Refrains. Neben den auf die Livesituation zugeschnittenen Titeln hat das Album aber auch noch genügend Ecken und Kanten um sich nicht allzu sehr in durch das oft schon ausgereizte Genre gefährdeter Belanglosigkeit zu verlieren. Dazu passend bezeichnen GRIZZLY ihre Musik als „Heavy Pop Punk“, was ehrlich gesagt sogar eine ziemlich treffende (Eigen-)Beschreibung von „Movement“ ist. Die Abnützungsgefahr auf Konserve therapiert man am besten durch einen Konzertbesuch!

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (30.11.2019)

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