RAUBTIER - Överlevare

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VÖ: 06.12.2019
Bandinfo: Raubtier
Genre: Industrial Metal
Label: Cargo Records
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Lineup  |  Trackliste

Endlich wieder neues von RAUBTIER! Nach drei Jahren Wartezeit lassen die schwedischen Industrial-Krawalleros ihr sechstes Album „Överlevare“ von der Kette und die Erwartungshaltung ist nach dem doch etwas zahmen Vorgänger „Bärsärkagång“ dementsprechend hoch. Standen die Schweden doch bisher für metallischen Techno mit schrägen Soundauswüchsen und kompromisslosem Aggro-Faktor – höchst eigenständiger, schwer verdaulicher Stoff vielleicht, doch für neugierige, genreoffene Hörer immer ein Ohr wert!

Das Intro „Preludium: praeparatus supervivet“ kommt höchst episch um die Ecke, während der folgende Opener gleich im Marschrhythmus auf den Hörer zuschrotet, aber ansonsten mit abgefahren hymnischem Militärmusik-Einschlag und klarem Gitarrensolo fast ein wenig zu zahm für RAUBTIER-Verhältnisse wirkt. Mit „Ovtjarka“ ist aber die Welt gleich wieder in Ordnung, denn hier kommt schon der erste richtig herrlich räudige Titel, in dem einfach nur ohne Rücksicht auf Verluste drauflos gerifft wird. Dass Bandkopf Pär hier sogar schamlos ins Mikrofon bellt (wortwörtlich, nicht nur als Allegorie auf eine Gesangstechnik gemeint) lässt das Herz des geeichten Freundes der Schwedischen Wüstlinge höher schlagen.

Danach fällt das Album leider ein wenig ab, denn weder das nicht nur wegen seines hohen Elektro-Anteils sehr sanft geratene „A. I“, noch das zwar streckenweise schön grundelnde, aber doch ein wenig schleppende „Kommando X“ können wirklich zünden. „Bunkern“ kann mit überraschenden Elementen wie Orgel und einem Anflug von Kehlkopfgesang aufwarten, aber bleibt ebenfalls nicht so wirklich im Gedächtnis. Richtig vertrackt, gar abstrakt wird es bei „Huvudjägarsång“, das mit Tempowechseln und komplexen Soundkonstrukten zwischen Gitarrengewürge und Elektrobeats den Hörer so richtig fordert.

„Serum“ drückt dann das Gaspedal richtig durch und wütet sich kompromisslos und mit herrlich stumpfem Refrain durch dreieinhalb kurzweilige Minuten. Eine Runde abstrakter Rhythmik gibt es einmal mehr bei „Dystopi“, das aber trotz ausreichend hohem Aggro-Faktor auch nicht so wirklich hängen bleiben will. Ganz anders „Neodymium“, das zwar erneut dank zunächst klarer Gitarren wieder zu zahm wirkt, aber in der Folge zwischen satten Industrial-Riffs und reduzierter Elektro-Untermalung der Strophen oszilliert und dazu den schrägsten Refrain der gesamten Platte liefert, der in derartig extremer tonaler Schräglage agiert, dass es einem die kümmerlichen Reste des bereits ausreichend strapazierten Trommelfells auch noch zerfetzt

Unterm Strich kann „Överlevare“ die großen Erwartungen leider nicht so ganz erfüllen, da sich durch viele langsamere, sich insgesamt zu sehr ähnelnde Parts der Aggro-Faktor früherer Alben nicht  mehr so wirklich einstellen mag. Wohl gibt es einige wirklich starke Songs auf die Nüsse und auch die musikalische Bandbreite, sowie die vielfältigen, teils echt abgefahrenen stilistischen Ausritte mögen gefallen, doch richtig nachhaltig packt das RAUBTIER auf seinem sechsten Output leider nicht zu. Ist das schon Altersmilde, oder hat gar jemand den Wüterichen die Zähne gezogen?!

 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (05.12.2019)

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