THE SPIRIT - Cosmic Terror

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VÖ: 07.02.2019
Bandinfo: THE SPIRIT
Genre: Black / Death Metal
Label: AOP Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Manchmal vermag einen der Promozettel für ein Album schon zu verwirren, wenn auch nur durch recht spannende Rechtschreibung. Wenn man bei einer Black-Death-Metal Band die Texte als misanthropisch bezeichnet, sollte man wissen, wie man Misanthropie schreibt. Klar, es kann auch ein Flüchtigkeitsfehler sein, aber ich bin ein Freund eines stimmigen Ganzen und ein solcher Lapsus bringt mich zum Schmunzeln.

THE SPIRITs "Cosmic Terror" soll nun dort anschließen, wo der gutklassige Vorgänger "Sounds From The Vortex" vor nunmehr zweieinhalb Jahren aufgehört hat. War dieses erste Album erstklassiges Nödveidt-Worshipping und lies Fans des verhaltensoriginellen Schweden mächtig toben, war doch die Karriere des Strömstader Kosmologen eine viel zu schnell Erloschene. 

Wie sieht es mit den Vergleichen zu der Schwedenlegende DISSECTION aus? Glücklicherweise sieht der Saarbrückener die Nähe zu den Black/Death-Titan mittlerweile "als Kompliment" - und das ist auch gut so, denn so authentisch ging selten jemand mit Vorbildern um. Die Nähe ist auf jedenfall da, aber die Deutschen nehmen sie auf und verpassen der Grundlage einen völlig neuen Touch. 

"Cosmic Terror" nun also im dereinst so weit entfernt scheinendem Jahr 2020 knüpft ein wenig an den Erstling und das Vorbild an, macht aber beinahe überall einen Sprung nach vorne. Die Songs sind allesamt kantiger, abwechslungsreicher, in manchen Abschnitten fast proggig. Vor allem die ausufernden Instrumentalteile spielen ausführlich mit dem Können der Musiker. Der Gesang ist rauer, der Gitarrensound heavier, der Bass steht schön hörbar im Raum und die Texte kann man auch noch mittels Gehör entschlüsseln. Wohin die lyrische Reise geht, ist schon an den Titeln erkennbar.

Das Album ist kein Snack für zwischendurch. Der erste Track schiebt den Gletscher zwar zügig über den Untergrund, baut flirrende Berge auf und mündet im grandiosen Refrain, aber bald schon kommen die schon erwähnten Instrumentalteile, bald schon kommen zähere Songs, immer garstig, immer äußerst musikalisch. Wir haben es hier nicht mit Autofahr-Black-Death zu tun, da huscht der Sound der Schweden durch den Hörer durch, ohne viel an Wirkung zu hinterlassen. Nein, entspannt vor der heimischen Anlage will das Album genossen werden, die vielen kleinen Details möchten entdeckt werden und die grandiosen Gebirgszüge mit stählernen Ohren erklommen und deren Grate durchwandert werden. 

Sieben Songs lang fordert und begeistert "Cosmic Terror", öffnet gerne die Tür für Hörwillige, die sich die Zeit nehmen, das Geschoß zu entziffern. Das klingt jetzt proggiger als es ist, denn es gibt Melodien zuhauf auf dem Album, auch die Gitarrensoli sind immer wieder leicht mitgesummt, es macht aber irrsinnige Freude, das Album als Ganzes zu begreifen - etwas Seltenes in diesen Tagen.

THE SPIRIT haben sich zügig aus dem Korsett der Verehrung emanzipiert und liefern mit "Cosmic Terror" einen Höhepunkt des Jahres im Schwarztod.

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (14.02.2020)

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