KILL THE LYCAN - Rhea

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VÖ: 07.12.2019
Bandinfo: KILL THE LYCAN
Genre: Metalcore
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Kennt ihr eine Band, die vom ersten musikalischen Lebenszeichen bis zum Debütalbum gleich acht Jahre gebraucht hat? Und sich trotzdem (!) UND trotz mehrjähriger Pause zu so etwas wie einem „Big Player“ der durchaus als überschaubar zu nennenden heimischen Szene entwickelt hat? Nein? Dann seid ihr vermutlich im Genre Metalcore nicht so sehr bewandert, denn sonst hättet ihr schon einmal von KILL THE LYCAN gehört, die mit ihrer EP „Avalanche“ sogar unseren eher den traditionellen Klängen zugeneigten Ex-Chefredakteur Reini überzeugen konnten. Fast schon wähnte man die Wiener komplett in der Versenkung verschwunden, als sie sich wie aus heiterem Himmel 2017 neu formierten und nach vielen intensiven Live-Abrissen nun endlich mit ihrem Debüt im Albumformat auf der Matte stehen!

Um die abgedroschene Phrase „das Warten hat sich gelohnt“ nicht noch mehr zu strapazieren, kann an dieser Stelle gleich festgehalten werden, dass KILL THE LYCAN auf „Rhea“ Nägel mit Köpfen gemacht haben. Breitwandige Riffattacken wechseln sich mit stimmungsvollen, sanft instrumentierten Parts ab, das garstige Gebrüll trifft auf zuckersüße Cleangesänge - „Rhea“ hat alles an Bord was ein 'typisches' Metalcore-Album so braucht und dennoch schaffen es die Wiener, sich nicht im generischen Genre-Schema zu verstricken. Denn immer wieder finden sich feine Nuancen im Sound, die das starre Gefüge durchbrechen und für die Abwechslung sorgen, die man im Breakdown-Gewitter braucht. Dass die genretypischen ohrwurmigen Cleangesang-Parts ab und an schon ein wenig kitschig geraten sind, das verzeiht man KILL THE LYCAN aber angesichts der Engelsstimme von Stevo doch sehr schnell.

Das gar cineastische Intro „Eos“ baut sich sukzessive auf, ehe der Hörer mit donnerndem Riffing und sphärischem Keyboardeinsatz mitten ins „Chaos“ der griechischen Mythologie geworfen wird, auf der die Titel des Albums als rotem Faden basieren. Das stimmungsvolle „Theia“ begeistert mit zwingendem Refrain und Abwechslungsreichtum, während „Hades“, passend zur Thematik, einige ziemlich fiese Breakdowns zu bieten hat. „Cronus“ hält das Tempo eher hoch, während in „Persephone“ Shouter Chris in der Endsequenz streckenweise so derb grunzt, dass jeder Deathcore-Brüllwürfel den Schwanz einkneift.

Die Hymne „Oceanos“ präsentiert sich (im Verein mit „Gaia“, mit seinem stimmungsvoll-sanften Schlusspart mit Thunberg-Zitat) trotz einem gerüttelten Maß an Breakdowns schon ein wenig als der 'Faserschmeichler' der Platte und lebt vor allem von der äußerst intensiven Vokalperformance. „Thanatos“ lockt mit gar herzzerreißendem Cleangesang, während das abwechslungsreiche „Morpheus“ und das stimmungsgeschwängerte, breitwandige „Hyperion“ den schlüssigen Stimmungsbogen von „Rhea“ gekonnt zu Ende führen.

Immer wenn man glaubt, Metalcore hätte sich jetzt endgültig totgelaufen, dann ploppt wieder irgendwo eine Truppe wie KILL THE LYCAN auf (oder kehrt zurück...) und beweist mit einem abwechslungsreichen, fesselnden Album das Gegenteil. Das einzige, was man den Wienern mit ihrem Debüt „Rhea“ vorwerfen könnte, das ist, warum wir darauf eigentlich so lange warten mussten?!

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (06.12.2019)

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