NOVERIA - Aequilibrium

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VÖ: 25.10.2019
Bandinfo: NOVERIA
Genre: Progressive Metal
Label: Scarlet Records
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Lineup  |  Trackliste

Wenn man im Prog bestimmte Hausmarken und Aushängeschilder sucht, kommt man an bestimmten Bands nicht vorbei, die schon seit geraumer Zeit in aller Munde sind. So langsam wird es aber höchste Zeit, dass die italienische Truppe NOVERIA in diese Riege mit aufgenommen wird, denn die Schritte, die sie in Richtung Eigenständigkeit und Qualität tun, sind riesig. 

Wo noch im letzten Album "Forsaken" (hier gehts zum Review) kleine Schönheitsfehlerchen (wir sprechen hier von einem Niveau, das manch andere noch zu erreichen suchen) den Hörfluss minimal getrübt haben, hat die Band bei der aktuellen Scheibe "Aequilibrium" noch einmal mit dem Poliertuch angesetzt. Kleine Ecken und Kanten in der Melodieführung (die natürlich auch vollkommen legitim im Prog sein können, manchmal aber dennoch für ein verwundertes Zucken der Augenbrauen sorgen) verschwinden nun vollständig. Stattdessen erhält man vollständig durchpolierte, starke und stets druckvolle Songs, sie sich auch im Wiedererkennungswert gesteigert haben. Zwar ist die relativ durchgängige Art des Songaufbaus und des Dramatik-Flusses im Hintergrund etwas hinderlich für die Unabhängigkeit des einen oder anderen Songs. Dies macht aber die immer größer wirkende Power-Stimme von Francesco Corigliano wieder wett, der spätestens aus so ziemlich jedem Refrain eine halbe Offenbarung kreiert, wo nicht die virtuosen Soli an der richtigen Stelle platziert, schon einmal aufgelockert haben. 

Thematisch haben sich NOVERIA erneut ein kraftvolles und gleichwohl dramatisches Motto ausgesucht. War es bei letzter Scheibe noch die innere menschliche Wandlung von Diagnose einer Krankheit bis zum Tod eines nahestehenden Menschen, spannen die Italiener nun den Bogen von großen (humanitären) Katastrophen - (der Anlass war das große Erdbeben in Italien) und die darauffolgenden emotionalen Aus- und Umbrüche, nachdem man alles verloren hat. Schwere Thematik also, doch für NOVERIA passender Stoff, um den ohnehin vor dramatischem Druck und Emotionalität triefenden Sound textlich zu untermauern. Und tatsächlich fühlt der gediegene Hörer sehr gut die Absicht der Songs, während er - sollte er die Musik allein als solches genießen wollen - großartigen und qualitativ hochwertigen Prog kredenzt bekommt. 

Songtechnisch reicht die Palette von brachial-speedigen Power-Granaten mit machtvollem Intro, einem stetig wachsendem Aufbau und einem kraftstrotzenden, befreienden Refrain ("The Awakening", "Broken", "Stronger Than Before"), was zumeist in Überlänge ausartet. (Na gut, zugegeben: Normale Songlängen sind bei NOVERIA ohnehin die kaum gesehene Ausnahme). Es gibt stampfende, treibende, im Tempo reduzierte Hämmer ("Blind"), die den Speed drosseln (Tautologie! - der Stilistiknerd), aber nicht den immensen Druck, den die Gesamtheit des Sounds und nicht zuletzt die in Tonhöhen versierte und breit gefächerte Stimme erschaffen. Melodramatisch, verträumte und nicht weniger einschneidende Tracks wie "New Born" oder "Losing You", die auch mal mit beruhigten Inlays im Song punkten, ohne den Spannungsbogen auch nur im Geringsten zu lockern. Und natürlich liegen hier auch die balladesquen Anleihen vor ("The Nightmare", "The Darkest Days"), die aber mitnichten verwaschen und obligat auf die Scheibe geklatscht werden, als Mittel zum Zweck perfekt passen, und klarerweise ordentlich Steigerungspotenzial mit sich bringen. 

Alles in allem eine nahezu perfekte Scheibe, der man mit nur einer Umdrehung einfach nicht gerecht wird. Das einzige, winzige Fleckchen, das es vielleicht noch zu beanstanden gibt, sind weiterhin einige Songs, die sich im Sound dann doch zu sehr ähneln, als dass eine Widererkennung direkt stattfinden könnte. Allerdings ist dieser Punkt angesichts einer so großen Scheibe mit so vielen Elementen, die sich dann dennoch perfekt zusammenfügen, angesichts des hohen Potenzials, das man hier geliefert bekommt, absolut vernachlässigbar! NOVERIA spielen in der höchsten Prog-Liga und da gehören sie auch hin! Volle Punktzahl! Und das zu Recht!

 



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (31.01.2020)

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