REINCARNAGE - Reap

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VÖ: 24.01.2020
Bandinfo: REINCARNAGE
Genre: Death Metal
Label: Apostasy Records
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Lineup  |  Trackliste

Was tun, wenn "normaler" Death Metal nicht mehr den richtigen Kick bringt und einem die Schwarzwurzler aus dem Bergener Speckgürtel zu verwaschen und scheppernd klingen? Richtig, man legt das Debut einer blutdurstigen Knüppelkombo auf den Teller, dreht den Lautstärkeregler auf "REINCARNAGE" und versüßt sich den Abend mit einer netten Runde Extreme Death Metal. Sollte besagter Drehknopf noch aus seiner im Anschlag eingerosteten Position herauszulösen sein und das Unterfangen von Erfolg gekrönt sein, legt man anschließend die Füße hoch und entspannt sich, bis rote Suppe aus Ohren und anderen Körperöffnungen rinnt.

Doch warum eigentlich "Extreme Death Metal"? Nun ja, zum einen, weil so etwas ähnliches in der Bedienungsanleitung der Scheibe steht und zum anderen, weil es einfach passt wie die Faust auf's Auge. "Reap" schwingt eine gute halbe Stunde den Vorschlaghammer der (u. a.) schwedischen Ursuppe und reserviert keine Zellen für Gefangene. Markante HM2-Massaker werden mit treibenden Beats und unerbittlicher Blastgewalt in die Großhirnrinde einmassiert, es poltert und detoniert an allen Ecken und Enden. Die Schweden verstehen ihr Handwerk und servieren amtliche Brecher wie die Backwerksautomaten beim Discounter Brötchen. Wie "B.B.O.B.", "By Violence Be Purged" oder "Psychotic Influenced Hysteria" hierbei allerdings zeigen, wechseln sich die griffigen Riffs auch mit Passagen ab, die eine Ecke zu stumpf auf die Zwölf geben, was in puncto Eingängigkeit und Wiedererkennungswert einen kleinen Dämpfer platziert.

Wenn sie kein Kleinholz machen, bewegen sich REINCARNAGE gerne in groovigen bis thrashigen Gefilden ("Hour Of The Werewolf") oder lassen dezent schwarze Anleihen einfließen ("By Violence Be Purged"). Trotz aller berechtigter Liebe zur tonalen Gewalt kommt der Sinn der Schweden für Melodie nicht zu kurz, wie das streckenweise im Midtempo walzende "Northern Throne" und der Titelsong zeigen. Der Rausschmeißer "The Wound That Will Not Heal" driftet sogar in melancholisch-epische Gefilde ab und lässt eine bis dahin unbekannte Seite der Schweden evident werden - abgesehen davon geht die Nummer astrein ins Ohr. Der Sound drückt wie Sau ist dazu gut abgemischt, bleibt jedoch aufgrund der recht aufgepeppten und sackschwelligen Produktion zumindest Geschmackssache.

Debüt hin oder her - man hört auf Anhieb, dass man es bei REINCARNAGE mit erfahrenen und versierten Musikern zu tun hat. Mit diesem Brecheisen von Album machen die Herren um Andreas Björnson fast alles richtig und lassen keinen Elchfan am langen Arm verhungern. Wegen der angesprochenen Feinheiten rangiert das Eisen in meinem persönlichen Ranking um die Breite eines Reiskorns hinter den todesbleiernen Highlights des angebrochenen Winters, doch wären 3,5 Punkte ein dreistes Understatement für dieses gelungene Debüt.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (21.12.2019)

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