GLORYHAMMER - Legends From Beyond The Galactic Terrorvortex

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VÖ: 31.05.2019
Bandinfo: Gloryhammer
Genre: Symphonic Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste

„Denen geht’s doch nicht mehr gut!“, kommentierte ein unbeteiligter, den symphonischen Powermetal-Klängen nicht so zugetaner unfreiwilliger Zuschauer, als der Rezensent zum Live-Auftritt der heroischen GLORYHAMMER abging wie ein Zäpfchen. Nur um nach einigen Songs selbst mitzuwippen und sich beschämt dabei zu ertappen, eine der gnadenlosen Hooklines von Christoper Bowes (ALESTORM) ambitioniertem Sideprojekt verstohlen mitzusummen. Umso unverständlicher ist es, dass das kitschklebende, pathostriefende „Legends From Beyond The Galactic Terrorvortex“ bis dato komplett unter dem Stormbringer'schen Review-Radar durchgeschlüpft war. Das ist unentschuldbar und muss somit mit sofortiger Wirkung noch vor Ablauf des Jahres geändert werden! Denn der dritte Output des musikalischen Knallbonbons namens GLORYHAMMER gehört mit zum Besten, was der melodische Powermetal im Jahr 2019 wohl hervor gebracht hat.

Schon das dramatische Intro „Into the Terrorvortex of Kor-Virliath“ sprüht nur so vor Epik und geradezu sakraler Atmosphäre, ehe dann gleich der Opener „The Siege Of Dunkeld (In Hoots We Trust)“ eine volle Breitseite an Epik abfeuert – 'For The Glory Of Dundee'! Etwas harscher startet „Masters Of The Galaxy“ und böllert dann den wahrscheinlich eingängigsten Refrain des vergangenen Powermetal-Jahres in den Äther. Zwischen Uptempo-Hymnen wie „Power Of The Laser Dragon Fire“ und geradezu kriminell zwingenden Mitgröl-Ohrwürmern wie „Hootsforce“, sollte man GLORYHAMMER mit ihrem energiegeladenen Tanz durch alle nur verfügbaren Klischees des Genres, der irgendwo zwischen überbordender MANOWAR-Epik und RHAPSODY-Keyboardkleister die imaginäre Discokugel rotieren lässt, natürlich nicht allzu ernst nehmen. (Na, wer brauchte mehr als einen Anlauf, um diesen Satz lesen zu können?)

Alleine Songtitel wie jener des fanfarengeschwängerten Stücks „Legendary Enchanted Jetpack“ (oder auch das zuvor erwähnte „Power Of The Laser Dragon Fire“) sollten keinen Zweifel aufkommen lassen, dass man mit einem GLORYHAMMER-Album die Ernsthaftigkeit einfach einmal beiseite schieben kann und sich bedenkenlos mit Rüstung und Gummischwert bewaffnet an der Seite von Prinz Angus McFife mit in den Kampf gegen den bösen Zauberer Zargothrax werfen darf. Stampfend und dramatisch kann man im GLORYHAMMER-Universum den „Gloryhammer“ schwingen und in halsbrecherischem Tempo durch das „Land Of Unicorns“ galoppieren. Dass dieses quietschbunte, überdrehte Spektakel sowohl auf Konserve als auch live funktioniert, liegt zum einen am goldenen Songwrinter-Händchen von Christoper Bowes, der mit dem dritten Album der abgedrehten Space-Fantasy-Saga ein Meisterstück an eingängigen Hymnen abliefert, die sowohl mit beeindruckend differenzierter Produktion, als auch tiefgreifenden Arrangement-Finessen (die Gitarren-Keyboard-Soloduelle sind vom Feinsten!) aufwarten kann, als auch zum Anderen, nicht unbedeutenden Teil, an Sänger Thomas Winkler, der als Angus McFife mit großartiger gesanglicher Leistung und überzeugend inbrünstiger Intonation das über jeden Zweifel erhabene musikalische Grundgerüst erst richtig zum Leben erweckt. (Und wie viele Leseanläufe brauchtet ihr hier? Na?)

Dass GLORYHAMMER neben ihrem abgedrehten, auf Wolkenkratzerniveau 'over the top' agierendem Image musikalisch absolut ernst zu nehmen sind, das beweisen sie am nachhaltigsten mit dem zwölfminütigen Schlusspunkt „The Fires Of Ancient Cosmic Destiny“, dessen gewaltiger Spannungsbogen und dessen musikalische Wandelbarkeit zwischen mit lockerer Hand eingewobenen Dancefloor-Passagen, dramatischen Orchester-Bridges, galoppierendem Riffing, zwingendem Refrain und epischen Midtempo-Passagen gar eine progressive Note über das Album streut. SO geht erzählerisches Songwriting – als Hörer geht man durch Himmel und Hölle, wenn man der Vertonung des epischen Endkampfes lauscht, der er im heroischen Tod von Angus McFife gipfelt, der, von der in sich selbst aufkeimenden Dunkelheit bedroht, den selbstlosen Opfertod in den galaktischen Vulkanstürmen von Schiehallion wählt.

Ja, natürlich, hier wird keine einzige Speiche des kitschigen, symphonisch geprägten Powermetal-Rades neu erfunden. Ja, erwachsene Männer, die in quietschbunten Kostümen über die Bühne fegen und dabei Gummiwaffen schwingen, sind vielleicht peinlich. Aber sich der ansteckenden Energie des knietief im Pathos watenden Spektakels zu entziehen, ist kaum möglich. Wem bei GLORYHAMMERs musikalischen Knallbonbon „Legends From Beyond The Galactic Terrorvortex“ nicht zumindest ein ungewolltes Schmunzeln über den fahlen Kellerkind-Teint huscht, der sollte seine Einstellung zum Leben einmal gründlich überdenken.

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (26.12.2019)

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