SENTIENT HORROR - Morbid Realms

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VÖ: 29.11.2019
Bandinfo: SENTIENT HORROR
Genre: Death Metal
Label: Testimony Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Welchen Stil kann...soll...ja muss man vertreten, wenn man als Metalband aus Stockholm, New Jersey stammt? Richtig, Death Metal mit Schwerpunkt im Schweden der 1990er Jahre. Das dachten sich womöglich auch die Jungs von SENTIENT HORROR, die sich 2014 zunächst als "SENTIENCE" formierten und seit nunmehr drei Jahren unter ihrem aktuellen Namen firmieren. In dieser Konstellation erschien zunächst das Debutalbum "Ungodly Forms" (2016) und die EP "The Crypts Below" (2018). Das Zweitwerk "Morbid Realms" folgt nun auf dem Fuße und vertont - wie das famose Coverartwork und der Albumname bereits ankündigen - Horrorstories aus fremden Welten.

Mit einem so kultverdächtigen Heimathafen, dem geschätzten Dan Swanö an den Reglern und einer gehörigen Portion Hingabe kann eigentlich nichts mehr schief laufen, oder? Könnte es prinzipiell schon, tut es aber nicht, denn wie die ersten Besuche in dem von Clive Barker und H.P. Lovecraft inspirierten Luftkurort offenbaren, wurde hier mit Bedacht und Sorgfalt architektiert [Anm.d. Lekt.: Der Lektor motzt - dieses Wort gibt es eigentlich nicht. Aber dafür ein Fleißsternchen für die schöne Kreation.]. Der Sound ist formidabel, die Riffs einschlagend und die Kompositionen so eingängig wie verstrickt und abwechslungsreich. Hier rufen alte Götter ("Call Of Ancient Gods") zum Tanz und versetzen mit rasant nach vorne prügelndem Schwedenblei das Haupthaar in Wallung. Dem Wahnsinn verpflichtet ("Bound To Madness"), fräsen sich massive Riffwände auch durch die schmalzigen Windungen ungeputzter Lauscher. Doch verweilen die Gastgeber nicht stupide im eindimensionalen, wenn auch makellos dargebotenen Geknüppel.

Die Schlagzahl variiert und lässt Raum für beharrlich walzende Passagen und massiv ohrgängige Grooves ("Bound To Madness", "Reanimated"). Die Anzahl verschiedener Riffs und Drumpatterns kratzt an der Schwelle zur Progressivität und ist gespickt mit vielen kleinen Widerhaken, die in feinster Hellraiser-Tradition die Haut penetrieren und in puncto Anti-Aging-Effekte jede Botoxkur in den Schatten stellen. Wenn hier zum allabendlichen "Cemetery Slaughter" geladen wird, fühlen sich die vermindert Metabolisierenden durch die peitschenden Beats "Reanimated" und der Hölle entrissen ("Ripped From Hell"). Den Lebenden gleich wandeln und moshen sie über die schwefelsaure Erde, und wer ihren Weg quert, dem legen sie zu den schneidenen Rhythmen ihrer Landeshymne "Morbid Realms" die Säge am blanken Knochen an. [Anm. d. Lekt.: Wie poetisch.]

Das gebotene Programm mag es vielerorts in ähnlicher Form geben, doch rechtfertigt die vorgefundene Qualität den Vergleich zwischen dem werktäglichen Feierabendbier und einem feinen Tropfen Craftbrühe, bei der man die Liebe zum Produkt und die Sorgfalt beim Brauvorgang herausschmeckt. Zugegeben, wenn man es nicht meistert, der "Obsessive Killing Disorder" [zwanghafte Tötungsstörung] der dort heimischen Lebensformen zu entrinnen, ist das Risiko eines Existenzverlusts ("Loss Of Existence") nicht von der Hand zu weisen, doch sollte man diesen Hort der Entspannung mindestens einmal im Leben (oder jährlich, monatlich, täglich, ...) besucht haben. Hierzulande herrscht derzeit ohnehin Schmuddelwetter, wohingegen die angenehmen 275 °C (im Schatten) direkt angenehm wirken - also Koffer packen und mit dem nächsten Höllenhundeschlitten auf zu "Morbid Realms"!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (02.01.2020)

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