COLOSSO - Apocalypse

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VÖ: 14.02.2020
Bandinfo: Colosso
Genre: Death Metal
Label: Transcending Obscurity
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Fans des portugiesischen Untergrunds dürfte die Kapelle COLOSSO ein Begriff sein. Das Baby von Gründer, Sänger und Gitarrist Max Thomé hat bisher vier Studioalben und mehrere EPs herausgebracht und behandelt mit der aktuellen EP "Apocalypse" das Themengebiet der vier apokalyptischen Reiter. Für dieses Projekt heuerte das Mastermind Drummer Robin Stone (NORSE u.a.), Basser Alexandre Ribeiro sowie drei verschiedene Sänger an, die - komplettiert durch seine eigene Stimme - vier Songs mit unterschiedlichen Klangfarben zum Besten geben und den Boten des Untergangs eine musikalische Interpretation darbringen.

"Pestilence" eröffnet und glänzt mit Guilherme Henriques' (GAEREA, OAK) grandiosem, scheinbar aus Untiefen grollendem Organ. Der Opener walzt sich in doomigem Tempo seinen Weg frei und nimmt einen mit mitteltouriger Doublebass und dystopischen Klangkonstrukten in die Mangel. Der brettharte Sound leistet sein Übriges zu dem beklemmenden Gesamteindruck. Nach diesem erdrückenden Achtminüter folgen drei Songs in Normallänge. Das martialische, von Sérgio Afonso eingebrüllte "War" knüppelt harte, djentige Riffs in den Äther, woraufhin man sich beinahe wie bei einem Open-Air-Gig von MESHUGGAH auf der Stelle pulsieren sieht. In "Death" greift der Bandchef selbst zum Mikro, sieht hierbei jedoch vom Growlen ab und präsentiert sich stattdessen von seiner cleanen und zerbrechlichen Seite. Die traurigste und emotionalste Nummer der EP lebt von ruhigen Passagen und dem überwiegend gewaltfreien, düster-melodischem Riffing. Mit "Famine" werden noch einmal mächtige Tech-Death-Geschütze aufgefahren. Die Highspeed-Doublebass grenzt an Hochleistungssport und Diogo Santanas Gegrunze ehrt den brünftigsten Keiler in ganz Portugal. Was diese Potenzierung musikalischer Gewalt mit der Vertonung von "Hungersnot" zu tun haben soll, erschließt sich nur schwer, doch hat dieses massen-untaugliche Brecheisen musikalisch einiges auf dem Kasten.

Vier Songs, vier Sänger, vier eigene Charaktere - der rote Faden auf "Apocalypse" findet sich offenbar bewusst außerhalb der kompositorischen Ebene - denn wie man hört, haben die Stücke abgesehen von ihrem gemeinsamen Nenner "Death Metal" nur geringe Schnittmengen. Auf der einen Seite facettenreich und bemüht, der inhaltlichen Vorlage musikalische Gestalt zu verschaffen sowie auf der anderen Seite etwas verkopft und anstrengend, ist "Apocalypse" in jeder Hinsicht eine anspruchsvolle Angelegenheit. Oder wie die Band selbst zu Protokoll gibt: ein überaus ambitioniertes Werk.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (09.02.2020)

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