SUICIDE SILENCE - Become The Hunter

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VÖ: 14.02.2020
Bandinfo: SUICIDE SILENCE
Genre: Death Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Eigentlich waren nach dem selbstbetitelten Album von SUICIDE SILENCE lediglich zwei Jahre vergangen, als sie kürzlich, also knapp vor der Jahres- und Dekadenwende, den Nachfolger "Become The Hunter" für den Jahresanfang 2020 ankündigten - und doch fühlte es sich zuletzt eher so an, als hätte man sich nach dem katastrophalen Experiment "Suicide Silence" still und leise selbst zu Grabe geschleppt, was gewissermaßen auch dem Bandnamen gerecht geworden wäre. Stattdessen aber hat man sich wohl klammheimlich dazu entschlossen, fortan als Jäger aufzutreten und sich nicht mehr länger zum Gejagten von Spott und Hohn degradieren zu lassen. An dieser Stelle ahnt ihr es vermutlich eh schon: das hat stilistische Konsequenzen. Euch kann man aber auch wirklich absolut gar nichts vorspielen.

Aus den selbsternannten Revolutionären, die Genrekollegen öffentlich für fehlenden Mut zur Weiterentwicklung rüffelten und ihnen damit durch die Blume negative Auswirkungen auf das gesamte Genre attestierten, wurden also fünf Musiker, die sich wohl der Grenzen ihrer Fähigkeiten anschließend nach und nach bewusst wurden und ihre einstige Testphase nun gegen ein etwas konventionelleres Klangbild eintauschen. Bitte nicht falsch verstehen: Evolution ist eines der wertvollsten Stilmittel des Mensch- und Künstlerseins, sodass man sich dabei nicht einmal von den eigenen Limitierungen beirren lassen sollte, da man an diesen ohnehin wachsen kann und mit der richtigen Einstellung auch wird. Was sich SUICIDE SILENCE allerdings vorwerfen lassen müssen, ist die maßlose Überheblichkeit, mit der sie ihre gescheiterten Schwimmversuche in experimentelleren Gezeiten zu kaschieren versuchten. Doch daraus scheint entweder die Band selbst oder zumindest die Marketingabteilung des Labels stellvertretend für die Band gelernt zu haben, weswegen "Become The Hunter" im Vorfeld vor allem mit Musik und nicht mit hochtrabendem Gossip beworben wurde.

Und genau das, würde ich kühn behaupten, war eine gute Strategie, denn "Become The Hunter" verkörpert eigentlich nahezu das, was man von SUICIDE SILENCE erwartet hat oder hätte, als sie seinerzeit von Weiterentwicklung sprachen. Möglicherweise war der Weg, wie ihn die fünf Herren gegangen sind, aber auch einfach ein Akt übernatürlicher Fügung mit kathartischer Wirkung - also salopp formuliert: vielleicht mussten sie damit einfach absaufen, um stärker daraus emporsteigen zu können. Ohrenscheinlich verbessert zeigt sich dabei nicht nur der instrumentale Sockel, sondern auch Lautsprecher Eddie Hermida selbst, der einerseits auf Clean Vocals verzichtet und andererseits seine bis dato giftigste und damit auch beste Gesangsleistung seit seinem Einstieg darbietet. Wenn man beim Vorgänger genügend Zeit und Zeichen hatte, um sich reichlich an jedem Bindeglied der Band abzuarbeiten, muss man bei "Become The Hunter" im Umkehrschluss auch den (Minimal-)Aufwand investieren können, SUICIDE SILENCE für ordentliches Album zu würdigen, denn es enthält viele SuSi-typische, moshbare Grooves und borgt sich hier und da auch mal die eine oder andere Nu Metal-Harmonie vom Vorgänger aus ("Skin Tight" und "The Scythe" werden dadurch zum echten Highlight), die sich zu einem insgesamt hörbaren Gesamtkontext formen. Gleichzeitig beraubt sich das Album aber selbst einer besseren Wertung, weil es desöfteren repetitiv und vorhersehbar wird, weil es spürbar auf Nummer sicher gehen möchte. Im Vergleich zum Vorgänger ist das natürlich eine enorme Steigerung, eine Art Rehabilitation, doch sollte man sich davon nicht unbedingt beeinflussen oder gar blenden lassen, denn all das hat man von SUICIDE SILENCE schon besser gehört.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (10.02.2020)

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