LORDI - Killection

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VÖ: 31.01.2020
Bandinfo: LORDI
Genre: Hard Rock
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste

Die finnischen Wortspiel-Könige von LORDI sind wieder zurück und hauen mit ihrem neuen Album „Killection“ gleich wieder einen launigen Buchstabensuppen-Kalauer raus. Nachdem das Prinzip Konzeptalbum am Vorgänger „Sexorcism“ bereits so gut funktioniert hatte, stehen die Monsterrocker entsprechend mit dem nächsten Konzeptwerk Gewehr bei Fuß - „Killection“ ist ein fiktives Compilation-Album, das der Frage auf den Grund geht, wie wohl die Greatest Hits von LORDI aussehen würden, wenn es sie schon seit den 70ern geben würde. Das ist ein durchaus erfrischendes Konzept, das man in dieser Form bisher tatsächlich noch nicht gesehen hat und das der Band viel Raum zum Experimentieren gibt, den die Monster auch genützt haben. Um die diversen Epochen und Stile adäquat zu transportieren, haben sich LORDI in verschiedensten Studios mit verschiedenstem Equipment (von der antiquierten Bandmaschine bis zum hochmodernen Digitaltool) ausgetobt, um die einzelnen Stilistiken authentisch darzustellen.

Das wohlbekannte Intro aus der „Scarctic Circle Gathering“-Reihe leitet in seiner zehnten Ausgabe (jep, die Monster sind beim zehnten Studioalbum angekommen!) den Reigen aus elf Songs ein und präsentiert in Form einer Radiosendung einige der bekanntesten Songs der Band in fiktiven Interpretationen großer Rock-Dinosaurier. Im Verlaufe des Albums gibt es dann noch drei weitere hochunterhaltsame Zwischenspiele, die die imaginäre Radiosendung mit fiktiven und höchst schrägen Anrufern weiterführen und hohen Spaßfaktor versprühen – mit Fortdauer der Hördurchläufe jedoch ihren Reiz verlieren und das Album in die Länge strecken, was zum häufigen Gebrauch der Skip-Taste verleitet.

Eingebettet in diesen Rahmen, ziehen LORDI alle Register und riffen und kleistern sich durch die Dekaden der härteren Rockmusik. Zwischen starker Atmosphäre im früh-Industrial-Schick („Shake The Baby Silent“ mit leider etwas plattem Refrain) und Softie-Stadionrockern „Like A Bee To The Honey“ wird schon mal die Fahne des Schmuserocks hochgehalten und mit Klaviergeklimper der antiquierte Charme vergangener Zeiten heraufbeschwört („Apollyon“). Mal scheppert es räudig-riffrockend aus den Blechboxen („Blow My Fuse“), dann wird wieder mit zwingend-klebriger Keyboard-Hookline knietief in den 80ern gewatet („Zombimbo“). Auf die klassisch hymnischen LORDI-Songs mit liebevollem Charme wie „I Dug A Hole In The Yard For You“ muss man natürlich auch nicht verzichten, genauso wenig wie auf launige Titel mit astreinen Heavy-Gitarren aus der Ursuppe des Schwermetalls („Up To No Good“). Der glattgebügelte Poprocker mit dominantem Keyboard und gefährlichem Ohrwurmpotenzial („Cutterfly“) darf genauso wenig fehlen wie eine Prise Laune machender, kerniger Riffs aus der Früh-Thrash-Phase („Evil“ - nomen est omen!), damit die Sache nicht zu langweilig wird. „Scream Demon“ wirkt dann im Nachgang ein wenig zäh, durch seinen sich oft und leiernd wiederholenden Refrain, der die erfrischende Eruption von zuvor wieder ausbremst.

LORDI haben in ihrer Ansage nicht übertrieben, denn es kommt tatsächlich so gut wie jeder Song im autarken Soundgewand einher, dass man tatsächlich das Gefühl hat, einer über viele Jahre hinweg gewachsenen Compilation zu lauschen. Das ist einerseits eine höchst spannende, vielseitige und über weite Strecken ziemlich unterhaltsam geratene Sache, andererseits könnte es das Album auch zu einer etwas sperrigen und missverständlichen Geschichte machen. Erste Verwirrungen um Promoter, die der Band andichteten schon seit den 70ern aktiv zu sein, wurden schon gemeldet und auch Fans ohne Wissen über die Vorgeschichte, beziehungsweise die Hintergründe des Albums, könnten mitunter pikiert ob der gewollt schwankenden Produktionsleistungen reagieren. Vom musikalischen Standpunkt aus ist LORDI mit „Killection“ aber ein starkes Stückchen gelungen, das eine ziemlich beeindruckende Bandbreite an Stilistiken offenbart. Lediglich das Songwriting hätte streckenweise etwas dramatischer und pointierter ausfallen können, da sich trotz durchgängig guter Qualität unterm Strich kaum echte Highlights auf der Scheibe ausmachen lassen. Dennoch kann man mit „Killection“ sehr zufrieden sein, da der Unterhaltungswert gegeben ist.

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (26.01.2020)

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