MARKO HIETALA - Pyre Of The Black Heart

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VÖ: 24.01.2020
Bandinfo: MARKO HIETALA
Genre: Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

MARKO HIETALA - Wohl einer der berühmtesten Bassisten, der jemals aus den Schatten einer großen Band hervor getreten ist. Der Bassist mit einer der - wenn nicht DER - markantesten und wiedererkennungswürdigsten (und ja verdammt, ich bin ein Mädchen - auch eine der erotischsten) Stimmen, die momentan im Metalzirkus umgehen. Und einer der Musiker mit einer schier endlosen Band- und Projektliste. 

NIGHTWISH als Ursprungsband, sein eigenes Projekt TAROT (Anm.d. Lekt: Einspruch! Er gründete Tarot 1985 mit seinem Bruder Zachary, stieg 2001 bei NIGHTWISH ein!), die NORTHERN KINGS, diverse Solo- und Eintagesfliegen-Projekte, als Stimme bei den genialen AYREON-Releases, zu Gast bei der Super-Dino-Metal-Truppe HEAVYSAURUS... Und es ist bei weitem noch nicht alles auf der Liste. Nun releast er unter eigenem Namen eine neue Scheibe, die bereits in finnischer Sprache veröffentlicht wurde und nun auch auf Englisch erhältlich ist. "Pyre of the Black Heart" erhielt dabei erneut eine eigenständige und markante Klangfarbe. 

"Pyre of the Black Heart" hält sich in einem fast schon dramatisch zurück. Nämlich in allem. MARKO HIETALA speckt auf der neuen Scheibe mit so ungefähr allem ab, was sich jenseits des Kerns seiner Kompositionen befindet. Die zehn Tracks werden weitgehend getragen von einem Netz aus an der Basis wirkenden Klampfen und einiger stimmungsgebenden Soundeffekte, alles zusammengehalten von alles überspannenden, eindrucksvollen Vocals. Mag dies mit dem ersten Hinhören langwierig und zäh wirken, entfaltet sich "Pyre of the Black Heart" beinahe wie der sprichwörtlich gute Wein, der atmen muss. Natürlich kommt MARKO HIETALA seine bemerkenswerte Stimme mehr als zugute, mit der allein er schon einen gewissen melancholischen Charakter und hallenfüllende Spannung erschafft. Dennoch gehört musikalische Finesse dazu, aus quasi einer Stimme und einer Klampfe einen vollwertigen Song mit hoher Spannung und Tragweite zu erschaffen. Doch melancholische Ruhe ist natürlich nicht alles, was man geliefert bekommt. MARKO HIETALA kann auch Abwechslung. 

"Pyre of the Black Heart" startet direkt mit der ersten Auskopplung "Stones", welche die Elemente der vorliegenden Scheibe passend darlegt und dennoch nicht alles preis gibt. Relativ ruhig startend und mit spannungsaufbauenden Vocals zu ordentlicher Rock-Größe - ckeck. "The Voice of My Father" wirkt getragener, dennoch nicht wenig spannungsvoll und ist dem Ohr schon vorab durch die finnische Veröffentlichung "Isäni Ääni" bekannt. "Star, Sand and Shadow" startet fast schon mit einem 80er-Filmmusik-Touch und schlägt dann angenehm rockig zu Buche. Zudem beherbergt der Song einen der hookigsten Refrains, den die ganze Scheibe zu bieten hat. Es folgt das, was man am ehesten als Power-Ballade bezeichnen kann. "Dead God´s Son" pätschert in den Strophen ein wenig dahin, drückt im Refrain dann aber doch ordentlich, ehe "For You" das Nichts-Tun auf die Spitze treibt. Der Song wird fast vollständig von ein paar Gitarren-Akkorden, ein paar Hintergrund-Sounds und den Vocals getragen. Wer gewillt ist, sich auf diese fast schon minimalistische Art einzulassen, wird sich wohl der Gänsehaut nahe finden. Alle anderen werden den Track wahrscheinlich überspringen.

Nicht weniger dramatisch, entspannt "I am the Way" dann trotzdem wieder durch seine beruhigte Mächtigkeit. Und dann kommt "Runner on the Railway", das schwungvollste und wohl auch fröhlichste Lied auf der gesamten Scheibe, das einfach Spaß macht und aufgereizte Spannungen löst. "Death March For Freedom" wirkt dann fast schon "banal" - ein durchdachter Rock-Song mit Hammond-Orgel, modern gemacht und schwungvoll. Die Drama-Ballade "I Dream" ist einfach nur das: Eine Ballade ohne instrumentale Spitzen. Relativ gemächlich, mit nur sehr locker gehaltenem Spannungsbogen, dadurch recht langgezogen, verabschiedet sich dann MARKO HIETALA mit "Thruth Shall Set You Free" auf typisch finnische Art mit relativ wenig Worten und viel Instrumentalität. 

Was am Ende die letzten beiden entspannten und ruhigen Tracks vermitteln, soll mitnichten über das Gesamtergebnis hinwegtäuschen. Denn was beim ersten Hinhören Ruhe vermittelt, verbirgt eine gute Portion Spannung, emotionalen Druck und gekonnte Abwechslung in einem nicht allzu aufgeregten Rahmen. MARKO HIETALA hat beim Basteln von "Pyre of the Black Heart" nicht lange und tief im Musik-Baukasten gekramt, um so viele Elemente wie möglich so passend wie möglich aneinander zu reihen, sondern die Scheibe mit viel innerer Eingebung und emotionaler Spannung gepolstert. Das Ergebnis sollte ein starkes und mitreißendes Werk werden. Hat funktioniert. Volle Begeisterung auf meiner Seite. 
 

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (23.01.2020)

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