BERZERKER LEGION - Obliterate The Weak

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VÖ: 31.01.2020
Bandinfo: BERZERKER LEGION
Genre: Death Metal
Label: Listenable Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Supergroup-Time! Wenn sich namhafte Musiker wie Tomas Elofsson (HYPOCRISY), Alwin Zuur (ASPHYX), James Stewart (VADER, SCEPTIC), Jonny Pettersson (WOMBBATH) und Fredrik Isaksson (DARK FUNERAL, ex-GRAVE) zusammentun, muss eigentlich jedem Elch-, Teufels- und Wikingerfan der Sabber in der Futterluke zusammenlaufen. Die Betonung liegt auf der Vokabel "eigentlich", denn wie man bereits an vielerlei Stellen beobachten konnte, sind Quer-Kollaborationen wie die vorliegende selten von demselben Erfolg gekrönt, wie ihn die involvierten Mittäter mit ihren "eigenen" Bands genießen. Wie gut schlägt sich also die Kapelle BERZERKER LEGION mit ihrem Debüt "Obliterate The Weak" in dieser zumeist haarigen Disziplin?

Wie so oft findet sich auch hier keine ein-eindeutige Antwort. Vielmehr dürfte der gerade aus der Taufe gehobene Fünfer bereits mit dem prägnantesten Außenmerkmal seiner Musik, dem Sound, die Gemüter spalten. Einerseits ist die Sache vom Grundsatz her gut gelungen - bis auf die Tendenz, dass die dominanten Gitarren die Drums stellenweise bis unter die Grasnarbe metzeln. Andererseits muss man zugestehen, dass das Attribut "gelungen" letztlich nur in den Ohren derer Bestätigung findet, die für solch massivst drückende Soundkonstruktionen überhaupt empfänglich sind und nicht auf rohe Produktionen nach alter Schule insistieren. Klare Dampfhammer-Produktionen können mit der Musik harmonieren oder eben nicht - und in diesem Fall ergibt der moderne Sound zusammen mit den musikalischen Attributen ein rundes Bild. Da es darüber hinaus nur wenig objektiven Bewertungsspielraum gibt, bleibt dieser Aspekt vorwiegend Geschmackssache.

Was die Musik selbst angeht, lassen sich Heimathäfen der fünf BERZERKER LEGIONäre nicht leugnen, doch findet sich die auffälligste und durchgängigsten Parallele ganz woanders. Denn wenn ich es nicht besser wüsste, müsste ich mein Review in süffisanter Weise mit einem Satz wie "AMON AMARTH kehren dem Growl-Heavy-Metal den Rücken und erschaffen einen legitimen Nachfolger für "Twilight Of The Thunder God"" eröffnen. Das Spiel mit Härte und Eingängigkeit, die wikingertauglichen Melodien und Leads, die fette Produktion und die famosen Growls eines Jonny Pettersson ergeben in Summe ein Klangkonstrukt, das zuweilen überdeutlich an die mittlere Schaffensphase der bärtigen Schweden erinnert. Nun sind Parallelen dieser Art mitnichten eine schlechte Eigenschaft, aber werfen sie die berechtigte Frage auf, ob ein Zusammenschluss von so schwergewichtigen Musikern nicht mehr auf die Beine stellen sollte als eine Nominierung zur "besten AMON-AMARTH-Tributeband aller Zeiten". In einem solchen Fall liegen Messlatte und Erwartungshaltung entsprechend hoch - weshalb das vorgefundene Resultat nicht ohne homöopathische Anzeichen von Ernüchterung reinläuft.

Ob mit oder ohne Ernüchterung sei mal dahingestellt, aber es läuft! Schlechte Songs oder auch nur ein Gefälle zwischen starken und weniger starken Stücken gibt es auf "Obliterate The Weak" nicht. Sei es "Of Blood And Ash", "The King Of All Masters", "A Lurking Evil" oder ein beliebiges anderes Lied: es knallt und lässt sich in aller Vorzüglichkeit genießen. Was sich hingegen nicht abstreiten lässt, ist das generische Songwriting und der damit eingehende Hauch von Beliebigkeit. Alle Songs sind für sich gesehen gut und zeugen von fachmännischem Können, entfalten aber in den seltensten Fällen einen eigenständigen Charakter. Damit zieht sich eine Sache wie ein roter Faden durch die ganze Platte: sei es der Sound, das Songwriting oder die Originalität - BERZERKER LEGION verbuchen stets Pluspunkte mit fadem Beigeschmack, weswegen man sich als Bewertender am Rande einer soliden Mittelfeldplatzierung wiederfindet. Im Angesicht des grundsätzlich sehr brauchbaren Death Metals der Supergroup wäre dies allerdings ein unangemessen harter Schritt.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (29.01.2020)

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