DAYUM - Ghost Of Sparta

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VÖ: 04.08.2019
Bandinfo: DAYUM
Genre: Technical Death Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Meine Damen und Herren, es ist Zeit über mein absolutes Lieblingsalbum aus dem Jahr 2019 zu berichten. Mit Stolz darf ich euch das nun schon ein Zeitchen am Markt erhältliche Album "Ghost Of Sparta" der Wiener/USA-Truppe DAYUM vorstellen, welches ich mir etwas genauer reingezogen habe und aufgrund des nun folgenden, ausgiebigen Reviews für das neue Jahr aufgehoben habe. Released wurde das Technical-Deathmetal/Deathcore Meisterwerk im August vergangenen Jahres und es hat sich bisher in meiner persönlichen Playlist hartnäckig gehalten.


Zur Band:


Die Band setzt sich momentan aus Julius Kössler (Guitar), Thomas Fèanis (Bass), Michael Göschl (Drums) und Adam Alexander (Vocals) zusammen, wobei Altsänger Christian Hübel auf der neuen Scheibe auch zu hören ist. Das Konzeptalbum "Dark Souls", welches sich mit dem gleichnamigen Spiel auseinandersetzte und 2017 veröffentlicht wurde, ist mittlerweile ein gut bekanntes Brett in dem betreffenden Genre und viele haben sich schon auf das neue Teil gefreut, darunter natürlich auch meine Wenigkeit.
Im Februar wurde ich von Thomas informiert, dass etwas im Anmarsch ist und von dem Punkt an stieg meine Spannung bis dann August gekommen war.


"Ghost Of Sparta" nennt sich das neue Werk, welches sich genauso wie der Vorgänger konzeptuell an einem Videospiel orientiert hat. Der Titel könnte Vielen schon direkt Aufschluss darüber geben um welches Spiel es sich handelt, doch nicht jeder hatte die Freude, sich mit Kratos durch den Olymp zu metzeln. Diesmal dreht sich alles um GOD OF WAR!


Für Alle die mit der Spielreihe nicht vertraut sind, sei hier kurz die Story zusammengefasst:


Im goldenen Zeitalter wurde die Welt von Titanen beherrscht. Kronos, der oberste Titan, fraß seine Kinder um nicht entmachtet zu werden, doch Zeus überlebte und versklavte die Titanen mit seinen Olympiern. Zum Zeitvertreib erschufen die Götter die Menschheit und Zeus "hurte" wieder einmal herum und zeugte mit einer Spartanerin zwei Kinder, Kratos und Deimos. Kratos wird Führer der Spartaner, doch kommt bei einem Kampf in Bedrängnis und lässt sich von Kriegsgott Ares helfen, muss ihm aber ab diesem Punkt als Sklave zur Verfügung stehen. Eines Tages tötet Ares aus Versehen Kratos' Frau und Tochter, woraufhin jener zu rebellieren beginnt, Ares tötet und selbst zum "God of War" wird. Anschließend geht er auf die Suche nach seinem verschollenen Bruder Deimos und erfährt, dass jener von Zeus entführt wurde, woraufhin er den Göttern Rache schwört und beginnt jene der Reihe nach abzuschlachten. Schon einmal eine schön brutale Grundlage für ein dementsprechend biestiges Tech-Death-Album.


DAYUM haben sich mit dem Album daran gemacht auf verschiedene Kämpfe bzw. Akteure der Story einzugehen und die passende Musik dafür zu erschaffen. Ich habe die Reihe mittlerweile während des Hörens des Albums gespielt und kann es mir seither nicht mehr anders vorstellen.


Doch kommen wir einmal direkt zu den Songs:


"Introduction":


Das Intro zeigt sich noch relativ ruhig und bringt mystisch atmosphärische Klänge und erinnert schon auch etwas an den Original-Soundtrack des thematisierten Spiels, bis es dann etwas turbulenter wird. Mit einem Schlag wird dann zum titelgebenden Track übergeleitet.


"Ghost of Sparta":


"Ghost of Sparta" wurde vor dem Album schon released und bot mit einem Video einen wirklich guten Anheizer. Die Szenerie des Videos ist wirklich gut gewählt und der mittlerweile als Video-Koryphäe zu bezeichnende Peter Gordebeke hat wieder einmal tolle Arbeit geleistet. Hut ab!


Hier habt ihr das Video:

 

"Pegasus":


Im Grunde hat man ja bei Pegasus ein hübsches geflügeltes Pferdchen im Kopf, doch wenn man den Track von DAYUM hört, denkt man eher an ein stampfendes feuerspeiendes Ross, welches einem mit enormem Speed hinterherjagt. Die Blasts zu Beginn prügeln einem so gut wie Alles um die Ohren was nur geht. Meister Kössler schwingt sich mit seinen Sweeps gekonnt durch die Prügelei und setzt jedem Riff somit noch die Krone auf. In der Mitte wird noch schnell mit Western-Gitarre entschleunigt, bis Julius abermals mit seinen perversen Saitenkünsten den erneuten Abbruch einleitet. Die vorhin erwähnte Entschleunigung fungiert dann auch als Outro und dessen Fade-Out leitet einen dann schon weiter.


"Downfall Of Gaia":


Der Untergang Gaias erwartet uns, zumindest als ca. einminütiges instrumental Stück, welches selbst schon in der kurzen Zeit massiv Spannung aufbaut, bevor ein Sandsturm-ähnliches Geräusch einen aus der mystischen Soundlandschaft hinaus bläst.


"Icarus":


Wir alle kennen doch die Geschichte des Icarus, doch mit der Musik von DAYUM hinzugedacht, bekommt jene eine ganz andere Dimension. Zu Beginn wird langsam aufgebaut, wobei man schon an der Intensität merkt, dass das Kommende etwas unentspannter werden dürfte. Man fühlt sich förmlich wie ein Gladiator der ins Colosseum einmarschiert und mit dem Djentigen Rhythmus des Verses alles zerstampft, bis plötzlich ein immer härter werdendes melodisches Riff für Ruhe sorgt. Das Thema hält sich, wird jedoch ordentlich zerdjentet. Solche Passagen sind normalerweise für meinen Geschmack etwas zu seicht, doch bei der Gewalt des Drummers kann, trotz der melodischen "Weiche", von seicht keine Rede sein. Abgesehen davon, dass die Drums f*cken als gäbe es kein Morgen, sei hier die Bass-Arbeit und vor Allem der Bass-Mix hervorgehoben. Meister Feanis djentet einem nicht nur das Brain weg, sondern massiert in den melodischen Passagen mit derartig feinen Phrasen, dass ich mich schon alleine darin stundenlang verfangen könnte.


"Challenge Of Poseidon":


Na? Wie heißt unser Liebling mit dem Dreizack? Genau, Poseidon! Dessen Triton lässt einem im Spiel unter Wasser schwimmen (f**k Water-Levels!), doch an jenen heran zukommen ist nicht gerade einfach, wenn an jeder Ecke kleine Ableger des Höllenhunds Cerberus, oder gierige Harpyien warten. So ist die Challenge rund um den Triton eine recht strategische und irgendwie kommt die Anspannung von Kratos schon in den ersten Sekunden des Songs herüber. Ich weiß ehrlich gesagt nicht welchen Synth oder Effekt die Herren genutzt haben, aber es klingt wie eine studioreife Tonspur eines Sega-Megadrive oder SNES, welche in einem alten Gamer sofort eine Kampfszene ins Gedächtnis ruft. Bevor man aber lange darüber nachdenken kann, schießt Meister Kössler schon mit seinen Sweeps los. Das Hauptthema des Songs ist derartig eingängig, dass ich mich hier und da erwische, wie ich es unbewusst pfeife, andererseits kann ich bei der rhythmischen Sektion um 01:30 herum einfach mein Genick nicht ruhig halten. Auf Grund der enormen Geschwindigkeit haben mich schon einige Leute gefragt wieviel hier wirklich menschlich ist und ich freue mich jedes Mal aufs Neue, wenn ich dann darauf verweisen darf, dass hier 100% menschlich-musikalische Power drinnen steckt. Wobei mir das Können der Truppe auch hie und da unheimlich ist. Track 10. bringt noch eine 8-Bit Version des Songs, welche für Gamefreaks (sorry for the PKMN Reference) wie mich natürlich was ganz Feines ist.


"Desert Of Lost Souls":


Kommen wir zum Schicksal des Cronos. Der Vater von Zeus wurde von eben jenem in die Wüste verbannt um dort nicht nur unter dem Sandsturm, welcher ihm das Fleisch vom Körper reißt, zu leiden, sondern ebenso den Tempel der Pandora für alle Ewigkeit zu tragen. Im Spiel handelt es sich bei der Wüste der verlorenen Seele um eine mit Spikes und Feuer verseuchte Map auf welcher man Polyphemus den Zyklopen bezwingen muss. Egal an welche Szenerie man nun denkt, DAYUMs Musik lässt einen schon bei den ersten Tönen an eine ganze weite karge Landschaft denken, in welcher sich irgendetwas vor einem versteckt, aber nicht aus Angst. Die Brutalität dessen was da lauert zeigt sich in aller Stärke ab der Hälfte des Tracks, vor allem in der unglaublich präzisen Double-Bass ab 4:00 und dem beeindruckenden Solo vor dem letzten Vers und dem Outro.


"Hermes":


Ach Hermes du überheblicher Sack! Im Spiel konnte sich der Bote der Götter nicht zurückhalten und so hatte Kratos die Nase voll und riss ihn in Stücke. Natürlich lässt man die geflügelten Nikes vom Götterboten nicht liegen, sondern bedient sich natürlich. Dass man Hermes nicht gerade gut nachlaufen kann, merkt man an der Geschwindigkeit des Tracks. Anscheinend hat sich nicht Kratos, sondern Drummer Göschl die Schuhe geschnappt und losgelegt, da die Blasts wirklich pervers sind. Der Breakdown liefert so richtig heftig und wer glaubt, dass der folgende melodische Part für Ruhe sorgt, hat sich gewaltig geschnitten. Es wird brachialst in den nächsten Part hinein gesweept, bis man ins Outro überleitet. Kurz vor dem Outro fadet die Stimme langsam dahin und hört sich dabei wie ein richtig kaputter Wasserhahn an, so wie es bei richtig fetten Death-Metal-Vocals sein muss!


"Prometheus":

Die letzte Nummer setzt sich mit jenem Titanen auseinander, welcher den Göttern das Feuer stahl und uns Menschen jenes überbrachte. Prometheus wurde dafür von Zeus bestraft und fand erst wieder Erlösung nachdem er Kratos bat ihn von seinem Leid zu befreien. Genaue genommen fand Kratos Prometheus nur, weil er versuchte Pegasus aus den Fängen eines anderen Titanen zu befreien. Dies gelingt ihm nach der Erlösung Prometheus, da er durch die Asche des Titanen die feurige Macht jener erhielt. Mit dem 6:34 langen Stück schließen Dayum ihr Album und lassen es nochmal heftigst krachen. Natürlich wird mit epischer Atmo begonnen und anschließend so richtig losgehämmert, bis man bei ca. 2:30 im "Ungewissen" landet. Langsam gibt die Gitarre eine Melodie von sich, bis die Drums unterstützend einsteigen und der Bass mitzumarschieren beginnt. Plötzlich ist es still. Langsam nähert sich eine außerirdisch klingende Gitarre welche vom Schlagzeug begrüßt wird, bevor gemeinsam weitergemartert wird. Das Outro zeigt sich diesmal elektronisch verzerrt und schließt mit ruhigeren Tönen das Meisterwerk ab.


Da ich dieses Album nun schon eine Zeit bei mir habe, seien gewisse Erfahrungswerte damit hier gelistet:


Autofahren beim Hören: Kann zu erhöhter Geschwindigkeit führen und auch zu Entsetzten bei Vorbeifahrenden, falls man "mitsingt".


Als Wecker: Wenn man definitiv früh raus muss, ist Pegasus die perfekte Wahl!


Beim Spielen der GOW-Reihe: Am besten sicherheitshalber den Wii-Remote-Controlergurt auf den jeweiligen Controller ummontieren.


Beim Auflegen als DJ: Gut, wenn Death-Metaller da sind. Auch gut, wenn man eine Gruppe Hip-Hopper schockieren will. (Beste Meldung eines Gasts: "Sind das RINGS OF SATURN?")


An der Uni: Falls ihr einen Track als Klingelton nutzt, dann nehmt lieber einen mit ruhigem Intro und geht sicher, dass ihr beim Betreten des Instituts auf "lautlos" geschalten habt. "Hermes" ist ein geiler Track, aber etwas zu hart mitten in der Bachelor-Präsentation.


Abschließend lässt sich sagen, dass Österreich eigentlich verdammt stolz sein kann, auf eine derartige Vertretung am Technical Death Sektor. Das Album ist seit dem Release nicht mehr aus meiner Playlist wegzudenken und für mich persönlich sind „Hermes“ und „Challenge Of Poseidon“ die absoluten Hämmer auf der Scheibe, wenn auch die anderen Songs um nichts weniger hart sind. "Ghost Of Sparta" ist für mich das ungeschlagen beste Tech-Death-Album des Jahres 2019 und ich möchte mich hiermit bei der gesamten Besetzung für dieses Meisterwerk bedanken!

 



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Gregor Eder (30.01.2020)

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