ANNIHILATOR - Ballistic, Sadistic

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VÖ: 24.01.2020
Bandinfo: ANNIHILATOR
Genre: Thrash Metal
Label: Silver Lining Music
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Über 30 Jahre aktiv – und per Jänner 2020 Album Nummer 17 mit dem schönen Titel „Ballistic, Sadistic“ am Start. Wow.
Jeff Waters und ANNIHILATOR treten nicht leise, der Mastermind ist ständig auf Tour oder schreibt an neuen Songs, spielt neue Songs ein und produziert neue Songs. Wie üblich macht er alles im Alleingang im eigenen Studio und hat somit alle Fäden in der Hand. Unüblich: die Band ist noch immer die gleiche wie beim letzten Mal. Also eine ziemliche Seltenheit, dass hier mal nicht durchgemischt wurde.

Was uns erwartet:
„Ballistic, Sadistic“ ist wieder mal ein echtes Schmankerl für die alten Fans, denn Jeff ist seinen Anfängen absolut treu geblieben und spielt den speedigen und thrashigen Metal, den alle erwarten und lieben.
Es wärmt einem als alten ANNIHILATOR Fan so richtig das Herz, wenn man durch „Armed To The Teeth“ ins Album einsteigt. Diese Riffs! Dieser Sound! Diese Härte! Das klingt wie früher! Ich kann es nicht glauben, was hier passiert.
Dazu möchte ich den Meister selbst zitieren:  „… and can tell you that we have made a record that is angry, technical, back to the first 3 records vibes and it is going to be difficult to continue writing another record after releasing this one!! Best record I’ve made since 2005’s Schizo Deluxe and I think many will argue that this new one is in the top 3.”

Recht hat er. Dieses Feeling ist nicht nur beim Opener so, sondern zieht sich durch das Album durch. Kein Vergleich zu dem 2015er Album, auf dem so manch ruhigeres Stück zu hören war. Nun ist man wieder dort, wo man einst war, und die neuen elf Songs sind durchgehend herrlicher Krach der feinsten Sorte. Jeff ist also mit den Jahren nicht leiser und ruhiger geworden, sondern haut noch mal so richtig rein und braucht sich überhaupt nicht zu verstecken.

Natürlich gibt es so manchen Song, wo der Einstieg eher langsam und düster ist, aber früher oder später landet jede Nummer beim typischen ANNIHILATOR Shredding, fettem Bass, Doublebass-Attacken und giftigen Textzeilen wie „Fuck The Attitude“ oder „Riot“ beweisen. Letzteres ist auch hervorragend zum Headbangen geeignet.
Heftig und gleichzeitig melodiös, weil mit eingängigen Riffs und Chorus versehen klingt „Psycho Ward“ direkt nett. Im Gegensatz dazu „Out With The Garbage“. Der Song ist megaheftig und rüttelt textlich auf, Riffs und Soli erzeugen ein beklemmendes Gefühl, bevor sie dann doch noch etwas lockerer werden.

Bei allen Songs gibt es – wie für gitarrenlastige Bands üblich – lange Instrumentalstrecken. Diese können mitten im Song sein, wie zuvor bei „Psycho Ward“ oder am Anfang und in der Mitte, wie beim destruktiven „I Am Warfare“, das zum ziemlichen Gedresche mutiert und wo die Drums und Riffs im Maschinengewehr-Takt abfeuern.
Vollgas bei „Dressed Up For Evil“, das ein paar fein gemachte Rhythmenwechsel hat, sodass der Eindruck entsteht, man hat hier mehrere Songs zusammengemischt. Was sage ich, eigentlich mehrere Stile, weil es klingt zusätzlich noch jazzig und funky. „One Wrong Move“ reißt einen genauso mit und hat auch eine überraschende Wendung mitten drin. Nach dem abgefahrenen Solo kommt ein Break und … Kuschelrock? Uff. Das schaffen auch nur ganz Verwegene, dass sie mitten im Thrash auf den ersten Gang runter schalten und dem Hörer große Augen verschaffen. Jeff Waters versteht es also noch immer zu überraschen.

Ein wenig eine Ausnahmenummer auf dem Album: „Lip Service“. Ausnahme deswegen, weil sehr basslastig und mit düsterem, gleichmäßigen, ein wenig langsameren Drive. Durch den teilweisen Sprechgesang auch mit den Lyrics woanders angesiedelt und mit den ruhigeren, melodiösen Teilen überwiegend eine Rock-Metal Nummer ohne extreme Härte.

Die vorletzte Nummer „The End Of The Lie“ erinnert sehr stark an ältere Songs aus der Anfangszeit und mit „That’s Life“ lassen ANNIHILATOR das Album mit Rock’n’Roll und ein paar Zeilen zum Nachdenken sowie der immer leiser werdenden Gitarre langsam ausklingen.

Fazit: Besser, härter, stärker – Jeff Waters und seine Band setzen an früheren Zeiten an und liefern mit „Ballistic, Sadistic“ ein echtes Meisterwerk ab, dem man sich als Fan der härteren Gangart nicht entziehen kann. Sie haben mich damit überrascht und begeistert.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lady Cat (31.01.2020)

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