THE HELLFREAKS - God On The Run

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VÖ: 07.02.2020
Bandinfo: THE HELLFREAKS
Genre: Punk Rock
Label: Sunny Bastards
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Alter Verwalter - da beginnt der Februar gleich mal mit einer stattlichen Überraschung! Was sich die ungarischen Punkrocker THE HELLFREAKS hier mit ihrem vierten Album "God On The Run" aus dem Ärmel schütteln, kommt einem kleinen Geheimtipp gleich. Zehn Songs, eine gute halbe Stunde Laufzeit (alles was darüber geht, sollte man sowieso lieber als "Progressive Punkrock" bezeichnen!) und Punkrock, der im konventionellen Sinne eigentlich keiner ist. Denn wenn man es mit Blick auf die üblichen Genre-Stereotypen überspitzen will, ist die Band für besagte Stilrichtung schlicht zu gut in ihrem Handwerk.

Zu gut, weil sie alleine an der Gitarre weit fernab der simplen Drei-Akkorde-Romantik agieren und mit irrwitzigen Riffs um sich werfen, die entweder abgehen wie die geile Hölle oder einfach verspielt und klebrig sind. Der überwiegende Teil der Platte randaliert wie ein wildgewordenes ADHS-Glücksbärchi nach zwei Litern Energydrinks - Tempo, Tempo und nochmal Tempo steht hier auf dem Plan. Mit lässigen Punkbeats, drückendem Bass und der sechssaitigen Offenbarung im Nacken wecken die HELLFREAKS animalische Gelüste - auf einmal möchte man sich aus seinem Schreibersessel erheben, das feine Sonntagsbesteck mit einem beherzten Elfmeter vom Esstisch zurück in die Küche befördern und ein flottes Tänzchen auf demselben hinlegen. Wer es nicht glaubt, darf sich mit "Men In Grey" oder "Red Sky" seinen Freistoß verdienen.

Besonders erheiternd sind weiterhin die fetten Groove-Einlagen in "Witches Heal" und der intonierte Glukosesirup namens "Adrenalized". Bei dieser Nummer lässt sich eine gewisse Kalkulation dahingehend nicht leugnen, dass kollektive Mitsingspielchen vorprogrammiert und erste Bürgerpflicht zugleich sind. Aber wen interessiert's, wenn man bedenkt, dass eine so herrliche Glibbernummer auch unter bekannteren Flaggen seltenst besser dargeboten werden - #läuft und #dernameistprogramm! Die Einflüsse aus dem poppigen und radiotauglichen Bereich sind zugegebenermaßen hoch, werden aber auf geschickte Weise durch ein sehr angemessenes Maß an Härte im Zaum gehalten. Viele Songs hauen streckenweise sehr motiviert in die Kauleiste und entfalten in den Refrains ein Poppunk-Flair, für das sich auch FARIN URLAUB oder die DONOTS nicht zu schade wären. Dadurch wirken die Stücke stets mehrdimensional und bleiben gleichermaßen bissig wie eingängig. Dazu macht Sängerin Sue mit ihrem charismatischen Organ - überwiegend clean, gelegentlich ranzig und immer aufgedreht - einen ziemlich schlanken Fuß.

Chapeau - dieses Eisen läuft rein wie eiskalte Zuckerbrühe und macht zweimal so aufgedreht! Ist mal wieder seit drei Wochen nur Sauwetter? Der Chef ein lüsterner Sadist, das Auto kaputt und die Liebste mit der Portokasse durchgebrannt? Scheiß drauf - es gibt kein Problem, das man nicht mit einer ausgelassenen Party lösen kann. Und THE HELLFREAKS liefern mit "God On The Run" genau den richtigen Soundtrack dafür!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (04.02.2020)

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