SYLOSIS - Cycle Of Suffering

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VÖ: 07.02.2020
Bandinfo: Sylosis
Genre: Modern Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Eigentlich veröffentlicht jede Band mit ihrem neuesten Album stets das beste, erwachsenste und düsterste Album der gesamten Karriere, wenn es nach den Promotern dieser Welt geht. Bei SYLOSIS und ihrem - so darf man das ruhig nennen - Comeback-Album "Cycle Of Suffering" beweist man mit dem ausschließlichen Fokus auf starke Singles einmal mehr Bodenhaftung; und das, obwohl man nach Josh Middletons Einstieg bei ARCHITECTS zwischenzeitlich die berechtigte Sorge verspürte, dass sein Herzensprojekt, mit dem er damals, also zu Zeiten von "Conclusion Of An Age", überraschen konnte, endgültig zur ewigen Kryonik verdammt sein würde. Man hätte damit also jedes Recht der Welt gehabt, energisch in die Werbetrommel zu wuchten und die frohe Kunde zu verbreiten, dass SYLOSIS eben doch noch nicht zu den Akten gelegt wurden. So muss lediglich die abschließende Frage geklärt werden, ob sich diese Wiederkehr überhaupt lohnt, oder ob charakteristische Stil der Briten nach dem Auftauen Rost angesetzt hat.

Um die Spannung zu zerschlagen und es abzukürzen: Was mir besonders gut an "Cycle Of Suffering" gefällt, sind sein unaufdringliches Charisma und die authentischen Emotionen. Die 50 Minuten Spielzeit zerrinnen rasend schnell und während man sich nach den ersten Durchläufen noch fragend nach Höhepunkten umhört, sollte es nicht allzu lange dauern, bis sich die subtil eingebauten Harmonien und Chorusse durchzusetzen wissen. Auf diese Weise spitzt sich bereits der Opener "Empty Prophets" bis zu einem formidablen Melodiebogen zu und von diesem Credo weichen SYLOSIS anschließend auch nicht mehr ab; dem reinen Gelöte kommen dabei höchstens noch "Invidia" und "Arms Like A Noose" nahe. Ansonsten dominieren modern-britische Eingängigkeit ("Calcified" und "Cycle Of Suffering"), sehr metallisch interpretierter Metalcore ("I Sever" und "Apex Of Disdain") sowie atmosphärischere, teils fast schon melancholische Momente ("Shield" und das beschließende "Abandon") das klug komponierte Geschehen.

Dass man dazwischen auch ein oder zwei kleineren Durchhängern begegnet, stört - wenn überhaupt - nur marginal, denn "Cycle Of Suffering" ist eines dieser zeitgemäßen Metal-Alben, die gleichzeitig an klassischen Metalcore erinnern, dabei trotzdem im Jahre 2020 zirkulieren und frei von jeglichem Kitsch sind. Das beste Beispiel dafür sind die zahlreichen, hervorragend gelungenen Semi-Clean-Refrains, die man so clever integriert, dass sie die Songstruktur erweitern und eben nicht, wie bei anderen Genrebands, das einzige Highlight eines Songs darstellen, auf das man gezielt hinarbeiten musste, weil dieser sonst komplett an einem vorbeigerauscht wäre. Man könnte gewissermaßen also schon behaupten, SYLOSIS seien in ihrem Songwriting nun reifer und erwachsener, aber eigentlich waren die Briten bisher nie so klebrig-catchy, höchstens unbekümmerter. "Cycle Of Suffering" klingt also eher düsterer und reflektierter, realistischer. Und das steht dem Album sehr gut.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (17.02.2020)

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