KREATOR - London Apocalypticon - Live At The Roundhouse

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VÖ: 14.02.2020
Bandinfo: KREATOR
Genre: Thrash Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

KREATOR-Konzerte sind eigentlich immer eine sichere Bank und haben mich bis heute nie enttäuscht. Mit dem durchgehend starken Material, das die Essener seit der Jahrtausendwende veröffentlicht haben, mauserten sich ihre Setlists immer mehr zu einer Art Live-Best-Of und wurden jüngst durch das geniale "Gods Of Violence" (2017) weiter evolutioniert. Wie ihre aktuellen Alben erfreuen sich die Touren und Festivalgigs der Thrasher großer Beliebtheit, weswegen es nicht weiter überrascht, dass ihre erfolgreiche Krachreise „The European Apokalypse“ mit BLOODBATH, HATEBREED und DIMMU BORGIR in Form des Livepakets "London Apocalypticon - Live At The Roundhouse" für die Nachwelt konserviert wird.

Konzerte, die mit "Enemy Of God" eingeläutet werden, müssen einfach gut sein - besonders, wenn dabei so heftig Arsch getreten wird wie hier. Dass KREATOR immer noch fette Liveshows zocken, konnte man in den letzten Jahren ausgiebig beobachten, weil die Essener bis zu ihrer Songwritingpause 2019 stetig den Erdball umrundeten und Fans in aller Welt mit anständigem Thrash versorgt hatten. Bei so viel Übung wundert es nicht, dass die Songs wie geölt flutschen. Besonders erfrischend ist es dabei, dass die Performance der Altmeister trotz aller Routine noch frisch und authentisch rüberkommt - auch in Anbetracht der Tatsache, dass "London Apocalypticon" das Finale eines Tourzyklus mit insgesamt 150 Terminen einfängt.

Es ist für mich immer noch beachtlich, mit welcher Güte die Thrash-Schmiede seit ihrem Quasi-Back-To-The-Roots-Album "Violent Revolution" hochkarätigen Stoff komponiert hat und bis heute komponiert. Dadurch wird die Auswahl für eine zeitlich begrenzte Setlist zur Herausforderung, der mit einem hohen Anteil neuerer Stücke begegnet wird. Aber Hand auf's Herz - bei einem solchen Hitgewitter mit "Enemy Of God", "Hail To The Hordes", "Fallen Brother" [Gänsehaut!], "Phantom Antichrist", "Hordes Of Chaos", "Violent Revolution", etc. kann man in der Crowd eigentlich nur noch aus der Puste kommen. Und weil die Evergreens wie "People Of The Lie", "Pleasure To Kill" oder "Flag Of Hate" nach wie vor ihren verdienten Platz haben, kann man als Fan eigentlich nur zufrieden sein. Eine gewisse Überschneidung mit "Dying Alive" (2013) lässt sich nicht leugnen, ist aber Aufgrund des unbestreitbar guten "Pflichtprogramms" der Truppe auch nicht gänzlich zu vermeiden.

Die für den Mitschnitt gewählte Location ist von imposanter Architektur und schafft eine einladende Atmosphäre. Die Kameraführung ist allerdings hektisch und neigt dazu, den Zuschauer zu überfordern. Auf der anderen Seite wurde das Konzert aus vielen verschiedenen Blickwinkeln erfasst, wodurch Band, Publikum und das Gesamtgeschehen gleichermaßen zur Geltung kommen. Der Sound ist sauber abgestimmt und lebendig konserviert, wodurch man mit einer halbwegs gescheiten Heimkinoanlage die Atmosphäre des Events zumindest teilweise nachempfinden kann.

Das Komplettpaket umfasst das namengebende Konzert in London sowie die Gigs in Santiago de Chile und beim tschechischen Masters Of Rock 2017 als Zugabe. Die Konzerte sind dem London-Gig selbstredend ähnlich, bringen dafür aber Songs wie "Extreme Aggression", "Civilization Collapse" oder "From Flood Into Fire" mit und scheinen eine Ecke "ruhiger" gefilmt. Zudem gibt es das UK-Konzert auch als reine Audio-Editon - was aber in meinen Augen begrenzt Sinn macht beziehungsweise im Vergleich zur audiovisuellen Variante nur den halben Spaß bereitet.

Mit den Krachersets der heutigen Tage ist ein Besuch bei KREATOR immer wieder eine Reise wert - und wenn man sich ansieht, wie souverän die Burschen ihren Thrash noch immer unters Volk bringen, sollte man davon ausgehen, dass sie uns noch einige Jahre mit ihrer Kunst beehren. Solange dies der Fall ist, wird sich der Verfasser noch so oft es geht unter die tobenden "Hordes Of Chaos" mischen und hin und wieder über das Erlebte berichten. Und wenn irgendwann in 30 Jahren Milles erster Tag als Thrash-Rentner anbricht, kramt man gerne einen Mitschnitt wie "London Apocalypticon" raus, schwelgt in Erinnerungen und zeigt seinen Nachkommen, wie Thrash Metal in den guten alten Tagen der europäischen Apokalypse gespielt wurde.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (12.02.2020)

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