KVELERTAK - Splid

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VÖ: 14.02.2020
Bandinfo: KVELERTAK
Genre: Black´n´Roll
Label: Rise Records
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Lineup  |  Trackliste

Den norwegischen Freigeistern KVELERTAK ist vor einigen Jahren ein Kunstkniff gelungen, der nach gefühlt zwölf Millionen Releases im Rock und Metal nur noch sehr selten beobachtet wird: einen wahrlich neuen und eigenständigen Sound zu schaffen. Das mag vielleicht daran liegen, dass zuvor kaum jemand verrückt genug war, den bockernsten und dissonanten Black Metal in dieser Art mit heiterem Rock'n'Roll und Punk zu vermählen - ohne dabei von der Szenepolizei (und in diesem Fall könnten mindestens drei verschiedene Aufsichtsbehörden auflaufen) eingesackt und in die nächste Elastomerzelle einquartiert zu werden. "Kvelertak" und "Meir" schlugen ein wie eine Bombe, "Nattesferd" hingegen verschob den Fokus in Richtung Rock und rief durch seine vergleichsweise ausgedünnte Innovationskraft auch kritische Stimmen aufs Parkett. Als dazu noch Sänger Erlend Hjelvik mitsamt seiner kultigen Eule von Bord ging, schien die Misere für die Norweger perfekt.

Quo vadis, KVELERTAK?

Aber all dies kann eine echte Nordmann-Kombo nicht aus den Socken hauen - bereits mit der Ankündigung besagter Trennung wurde Ivar Nikolaisen als neuer KVELERTAK-Fronter vorgestellt und in die Geschicke eines solchen eingeführt. Flotten Fußes ging es ins Studio, um den vierten Langspieler "Splid" einzuspielen. Was dabei herausgekommen ist, dürfte manchen Fan der ersten Stunde versöhnlich stimmen, denn der Nachfolger des nassen Pferds übt sich zumindest teilweise in Rückbesinnung und Traditionspflege. Einen reinen 80ies-Rocker à la "1985" kredenzen die Norweger anno 2020 nicht mehr, im Gegenzug geht es soundtechnisch und kompositorisch ein stückweit in Richtung back to the roots. Die meisten Nummern präsentieren sich als straighte KVELERTAK-Rocker mit bekannten Trademarks, gute Beispiele sind der Opener "Rogaland" oder "Crack Of Doom", bei dem Troy Sanders (MASTODON) gastiert. "Necrosoft" lässt zünftig die Blastbeat-Nähmaschine rattern, wogegen "Discord" und "Bråtebrann" auf Melodie und Eingängigkeit bauen.

Wer mit dem Retrorock-Ausflug auf "Nattesferd" nicht so recht warm geworden ist, wird also mit "Splid" angemessen versorgt. Was den Sound anbelangt, frage ich mich allerdings, warum man den neuen Dreher nicht einfach so produziert hat wie "Kvelertak" oder "Meir", die rückblickend kaum hätten besser klingen können. Man kann zwar nicht zwingend behaupten, dass der 2020er Sound besonders steril oder überproduziert wäre, aber er wirkt im Vergleich dennoch ziemlich zahm und...sagen wir mal etwas abgewürgt. Die Drums erinnern mich an hämmernde Zimmerleute und der Gesang geht im Gesamtbild schnell unter. Auch der neue Sänger Ivar Nikolaisen überzeugt mich auf Platte nicht so sehr wie live (und das tat er wirklich). Der Beitrag der Produktion zu diesem Eindruck mag diskutabel sein, bleibt aber zumindest bis zum fünften Langspieler ein kleines Mysterium.

Gute Unterhaltung, aber...

Und zu guter Letzt zeigt sich etwas, das man bereits beim Vorgänger beobachten konnte: lange und zuweilen eintönige Kompositionen, denen der letzte Biss fehlt. Dabei ist "Splid" für sich betrachtet ein gescheites Album - "Fanden Ta Dette Hull!" weiß zu überraschen, "Discord" und "Bråtebrann" haben ein Quäntchen Ohrwurmcharakter und "Necrosoft" lässt an alte Zeiten zurückdenken. Aber einen Kracher wie "Kvelertak", "Mjød" oder "Fossegrim" sucht man leider vergebens. So bleibt man schlussendlich mit dem mulmigen Gefühl zurück, dass die vierte Spritztour mit angezogener Handbremse gefahren wird und dass es das Gebotene schon einmal besser gab. Schade eigentlich, wenn man bedenkt, was die Norweger auf dem Kasten haben.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (10.02.2020)

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