BLAZE OF PERDITION - The Harrowing Of Hearts

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VÖ: 14.02.2020
Bandinfo: BLAZE OF PERDITION
Genre: Black Metal
Label: Metal Blade Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

BLAZE OF PERDITION karren mit "The Harrowing Of Hearts" ihre fünfte Hommage an den Leibhaftigen aus den frozen Wastelands von Ostpolen und versuchen, gar heftig, am von den Hochglanz-Black Metallern von BEHEMOTH besetzten Thron zu rütteln. Das Album wird von der selbsternannten Fachpresse abgefeiert, als stünde die Wiederkehr des Leibhaftigen vor der Tür, es wird gepusht als züngelte man am Anus Baphomets. Schau ma amal, wie es fernab der Bezahlpresse so ankommt.

Passend zum geplanten Durchbruch veröffentlicht man das neue Album auf Metal Blade - damit dürfte für Reichweite gesorgt sein.  Was sofort auffällt, ist der aufgeräumte Sound. Nicht so klinisch wie BEHEMOTHs letztes Album aber doch einigermaßen sauber, auch wenn man sagen muss, dass es der Gitarre ein wenig an Schärfe fehlt. Der Sound der Sechssaiter hängt leicht im Raum - das führt zu einem etwas spacigen Sound, vor allem wenn ein Lead-Thema über dem Rifffundament schwebt. Das bietet neben dem Hauptthema noch eine zweite Ebene, auf der die Songs funktionieren. Das Schlagzeug ist klanglich so aufgestellt, wie es sein muss. Kein getriggerter Parkinson, sondern satte Schläge und schön splashende Overheads. Den Gesang hat man öfters zweistimmig ins Gesamtbild einfließen lassen, auch hier rocken die Songs ab und zu auf mehreren Levels. 

Apropos rocken: das tun BLAZE OF PERDITION auf "The Harrowing Of Hearts" anständig. Wo BEHEMOTH auf den letzten, deftig überladenen Alben mit fliegenden Fahnen und klingendem Spiel gescheitert sind, reüssieren ihre Landsleute auf ganzer Linie. Hier wird nicht losgebrettert, wenn die Ideen ausgehen, hier biegt man in Ecken ab, die anfangs ein wenig resch fordernd erscheinen, die aber mit längerer Verweildauer durchaus Sinn machen. Selbst die goth-rockigen Songpassagen wie zum Beispiel im Hit "Transmutation Of Sins" gehen gut in den Neocortex und lassen das schwarze Herz vor Freude im vom Höllengang gepeinigten Leibe hüpfen.

Ich gebe zu, dass ich anfangs überfordert war. Die Songs sind allesamt über sechs Minuten lang (jaja, ich weiß, 5:59 oder 5:42 Minuten sind nicht sechs - aber fast) und wandern meist jenseits konventioneller Songstrukturen. Und, ja, ich konnte lange nicht die Geduld aufbringen, mich durch dieses anspruchsvolle Material zu wühlen. Irgendwann aber kippt man rein in die Lieder und wandert mit. Es sind kleine Reisen, jeder einzelne Song ein kleiner Urlaub beim Leibhaftigen. Obschon die lyrische Thematik mittlerweile nicht mehr ganz bei Belzebub und seiner Belegschaft ruht, sondern vielmehr die Schattenseiten der menschlichen Psyche abhandelt. Abhängigkeiten, Zweifel und Zögern, den Rausch der zerstört, das Ablehnen normativer Moralvorstellungen der zu dionysischen Ausschweifungen führt. Introspektion und Kontemplation der dunklen Art und Weise, weg vom plakativen Verehren des Deibels. 

Sechs neue Songs, dazu das FIELD OF THE NEPHILIM - Cover "Moonchild", welches schon vorab als Single ausgekoppelt wurde, kein Ausfall, im Gegenteil. Das Album hat mehr zu bieten, als die Schwarzmetall-Ecke lange ans Licht gezerrt hat.

Sehr starkes Album der Polen - damit sollten sie einen großen Schritt nach vorne machen!

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (18.02.2020)

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