NECROWRETCH - The Ones From Hell

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VÖ: 14.02.2020
Bandinfo: NECROWRETCH
Genre: Black / Death Metal
Label: Season of Mist
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Rosen sind rot, Veilchen sind blau, zum Valentin schlitz' ich dich auf, du Sau! Auf dem Gebiet des Black- und Death Metal herrschen raue Sitten - selbst an einem so liebenswürdigen Tag wie dem Valentinstag. Doch wo die Konzertfotografin von Welt durch den Stussschreiber ihres Vertrauens mit reichlich farbenfroher und wohlduftender Botanik beschenkt wird, knallen einem die Franzosen von NECROWRETCH einen stinkenden Haufen Gammelfleisch auf den Tisch. Oder möge man es wahrhaftig mit dem Zufall erläutern, dass das vierte Album des bitterbösen Trios ausgerechnet am Tag der Blumen und Herz-Pralinenschachteln das Unlicht der Welt erblickt?

Sei es, wie es ist - "The Ones From Hell" serviert knappe 40 Minuten "Pure Satanic Death Metal" und macht seiner miefigen musikalischen Nische alle Ehre. Vlad, Wence und Ilmar verkünden ein nie erreichtes Maß an Vielfalt und so etwas wie eine neue Band. Und wie es der Teufel so will, klingen sie auf ihrem aktuellen Opus mal wie eine rumpelnde Black-Metal-Band, ein anderes Mal wie eine rumpelnde Death-Metal-Band und ganz selten mal wie eine rumpelnde Thrash-Metal-Band. Der aufmerksame Leser bemerkt, dass das Gerumpel inmitten von Blastgewittern und verwaschenem Kellersound groß geschrieben wird und zu einer Art rotem Faden wird - dem roten Faden eines Albums, das sich ansonsten wenig an Konventionen hält und gerade so drauflos poltert, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Ob man sich an der siebenminütigen Eröffnungsandacht "Pure Hellfire" versucht oder an der rasanten Quick-And-Dirty-Chaos-Nummer "Luciferian Sovranty" - hartes Nackentraining und kranke Vibes sind garantiert. Wollte man aus Schwarztodmusikanten eine Armee zusammenschustern, bestünde die NECROWRETCH-Division vermutlich aus einer Horde wildgewordener Maddogs, die auf Uranböllern reiten oder in unkontrolliertem Blutrausch ihr Schwarzpulver in die Lande verteilen. Dieser Soundtrack animiert die kranken und morbifizierten Areale eines jeden Schwarzmalers zum Anschwellen und Überborden auf die letzten Bastionen der Vernunft. Da können selbst lyrische Höchstleistungen wie in "Darkness Supreme" keinen Abbruch tun (immerhin heißt es in MANOWARs "Battle Hymn" an korrespondierender Stelle ganz bescheiden"Kill! Kill!").

Vielleicht könnten Vlad und Co. noch mehr rausholen, wenn sie stellenweise etwas weniger ziellos umherkakophonierten - aber steckt nicht darin erst der Reiz der Sache? Ganz recht! Und um die Brücke zu meiner verqueren Einleitung zu schlagen, umschreibe ich "The Ones From Hell" anlässlich seines Releasedatums weiterhin als morbide-gammeligen Valentinsgruß. Dies mag auf den ersten Blick ebenso absonderlich und befremdlich wirken wie das semi-schizophrene Geholze der Franzosen auf einen ANDREA BERG-Connaisseur...doch möge man bei dieser Überlegung beachten, dass die Kommerzialisierung eines römisch-katholischen Gedenktages durch die Floristik- und Süßwarenindustrie eine Art Destillation von purer Boshaftigkeit ist, gegen die das bisschen Teufelsküche nicht im Ansatz anstinken kann. In diesem Sinne: wohl bekomms' oder besser: à votre santé!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (18.02.2020)

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