TUXEDOO - Unfold Your Brain

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VÖ: 28.02.2020
Bandinfo: TuXedoo
Genre: Metalcore
Label: Alpencore Records/Sony Music
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Lineup  |  Trackliste

Die Tuxnbuam sind wieder los! Nach den Geschichten der Rock-Messe erwarten die Mattighofener Milchkannenvergewaltiger nun von uns, dass wir unser Gehirn entfalten. Also tun wir den Alpencore-Rabauken den Gefallen, entrollen unseren Frontallappen, entwirren die Ganglien und lauschen dem, was da kommen möge. Worauf man allerdings vergeblich wartet, das sind die Signature-Moves von TUXEDOO, die schrägen volkstümlichen Einschübe, die der selbst gezimmerten Genrenische der Lederhosenträger (letzterer haben sie sie sich glücklicherweise noch nicht entledigt) erst ihren Namen gegeben haben. In den Alpen bleibt also nur noch der Core übrig, nachdem sich der Lokalkolorit für die Herren aus dem oberösterreichischen Innviertel wohl weitestgehend totgelaufen hat. Ob sich TUXEDOO damit wohl einen Gefallen getan haben?

Man könnte es wohl als Zeichen werten, dass TUXEDOO erwachsener und ernsthafter geworden sind, bei gleichzeitig optimiertem Sound, der dadurch aber stellenweise etwas steril klingt und der vormals dominant-donnernden Percussion die Wirkung raubt. So bleibt zwar ein durchwegs starkes musikalisches Grundgerüst übrig, das sich aber leider nur noch marginal von der breit aufgestellten Genrefront abhebt und häufig breitwandig-melodisch in modern-metallischen Strömungen rifft, wie zB im Opener-Doppel „Where Are We Going From here“ und „This Is A Lesson“. Auch die Singleauskopplung „Follow Me“ schlägt in diese Bresche und geht als Blaupausen-Song trendig-modernen Metals stark auf Nummer sicher, nutzt sich dabei aber entsprechend sehr schnell ab. Das derbere „Embrace The Darkness“ kann da schon mehr Akzente setzen, vor allem durch die angenehm harsch geratenen Shouts.

Die stärksten Titel des Albums tummeln sich aber allesamt in deutlich Hardcore-beeinflussten Bereichen, wie das stampfende „Like A Bomb“, sowie der hart groovende Titeltrack „Unfold Your Brain“, der auf zwingende Gangshouts statt gefälligen Klargesang setzt. Aggressiv und fordernd präsentiert sich „Give It Up“, das durch die erneute Abwesenheit von gefällig-glatten Vocals ordentliche Durchschlagskraft entwickelt. Die musikalische Bandbreite wird durch das kantige, rhythmisch vertrackte „Cancer Your Beast“ und das variable, aber dadurch ein wenig schwer zugängliche „The Inner Challenge“ ausgedehnt, was das Album insgesamt doch eher weit vom Party-Faktor der Vorgänger entfernt.

Es ist schwierig als Band aus dem selbst gezimmerten stilistischen Korsett auszubrechen und Elemente über Bord zu werfen, die die bisherige Karriere vielleicht maßgeblich beeinflusst, wenn nicht gar definiert haben. Das zeugt sowohl von Mut als auch von Weitsicht, da man als Musiker natürlich nicht ewig mit den gleichen Schmähs hausieren gehen kann und möchte. Dafür kann man TUXEDOO nur Respekt zollen, zumal sie sich mit „Unfold Your Brain“ auch noch nahtlos in die Riege starker Outputs der hiesigen Szene moderner Metal-Spielarten einreihen vermögen. Doch genau da liegt auch das Problem: In der enorm breit aufgestellten heimischen Front sehr starker ähnlich klingender Gruppen verlieren TUXEDOO damit ihr Alleinstellungsmerkmal und werden es deutlich schwerer haben, beim Hörer zu punkten, als mit dem Zerbeulen landwirtschaftlicher Utensilien.

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (24.02.2020)

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