STALLION - Slaves Of Time

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VÖ: 28.02.2020
Bandinfo: STALLION
Genre: Heavy Metal
Label: High Roller Records
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Lineup  |  Trackliste

Eine alte Faustregel im Musikbusiness besagt, dass es beim dritten Album für eine Band heißt: Make it or break it. Entweder gelingt also mit dem dritten Dreher der Durchbruch (wenn nicht schon vorher), oder du kannst es knicken. Das kann schon mal für gehörigen Leistungsdruck sorgen. Anzumerken ist das der süddeutschen Kapelle STALLION glücklicherweise kein Stück. Im Gegenteil: Ihr neues Album tönt frisch, fröhlich und frei, dass es eine wahre Freude ist. Vielleicht mit der kleinen Ausnahme der Halbballade „Die With Me“, klingt nicht ein Song irgendwie gezwungen oder nach dem größtmöglichen Erfolg heischend. Das Ganze klingt vielmehr so, dass hier eine noch recht junge Truppe am Start ist (die erste EP erschien 2013) und hörbar Bock hat, Metal zu zocken so wie sie es geil finden, um mit Vollgas in die Herzen der weltweiten Metal-Fans zu stürmen. Insbesondere in die Herzen von Fans von Bands wie EXCITER, JUDAS PRIEST, ganz alten HELLOWEEN, BULLET, ENFORCER oder AGENT STEEL.

Wohl nicht zu unterschätzen ist auch der Einfluss der beiden neuen Bandmitglieder: Mit dem Schweizer Gitarristen Claudio Hürlimann (alias Clode) und dem seit 2017 zum Line-up gehörenden Bassisten Christian Stämpfe geben gleich zwei Musiker ihr Studio-Debüt bei STALLION. Aufgenommen und produziert wurde das Album zwar wie gewohnt von der Band selbst, für den Mix war dieses Mal aber Marco Brinkmann (Hellforge Studio) zuständig. Herausgekommen ist ein wunderbar warmer, halliger und doch druckvoller, forscher Sound, der viel Oldschool-Atmosphäre versprüht, ohne dass es altbacken wirkt.  

So weit, so schön, nun aber zu den Songs: Der Opener wird instrumental noch recht locker eingeleitet, bevor nach einer Minute die Rhythmusfraktion und Sänger Pauly aufdrehen und ruckzuck den Hörer zum Mitrocken oder Headbangen animieren. Erst recht als nach rund zweieinhalb Minuten das Gaspedal durchgedrückt wird, bevor wieder dieser hoppelnde Rhythmus übernimmt. Ein Track, der einiges von amerikanischen GLAM ROCK der späten 80er in sich hat und sehr kurzweilig ist, auch durch den Mittelteil, der klar im SPEED METAL zu verordnen ist.

„No Mercy“ geht dann gleich ab und weiß wieder durch seine starke Rhythmusfraktion zu überzeugen, die vor allem in den Midtempo-Parts für viel Dynamik sorgt. Spaß macht der Song vor allem durch seinen Wechsel von Up-Tempo zu Mid-Tempo und wieder zurück und die sehr oldschooligen Backingvocals. Mit „Time To Reload“ kommt ein stampfender Stadion-Rocker mit viel Rotz und Lässigkeit. „All In“ punktet mit einem Gitarrenriff, das aus dem SOUTHERN ROCK zu stammen scheint und ab der Mitte des Songs, wo es auf einmal mächtig abgeht, eine interessante Variation erfährt. Vor allem aber schneidet, kreischt und brennt sich der Gesang von Pauly in die Hirnrinde des Hörers. Sein Organ ist schon ziemlich außergewöhnlich und wohl am besten als Mischung aus den Röhren der Sänger von BULLET und ENFORCER zu beschreiben.

Und die Post geht weiter ab, das Tempo wird bei „Brain Dead“ sogar angezogen. Sänger Pauly überschlägt sich förmlich und auch die Instrumental-Fraktion klingt wie ein nach vorn preschender wilder Hengst. Der Midtempo-Mittelteil schafft es, ohne dass es langweilig wird, Spannung vor dem abschließenden Galopp aufzubauen. Und schon ist man beim nächsten Track, der sehr aus der Rolle fällt: „Die With Me“ ist eine klassisch aufgebaute Power-Ballade, die dank der starken Gitarren ganz nett ist, der aber die ganz großen Emotionen fehlen. „Merchants Of Fear“ kann mit seinem hohen Tempo, den schneidenden Riffs und donnernden Drums deutlich mehr überzeugen. Starker Speedster. Genauso wie danach der treffend betitelte Track „Dynamiter“, der etwas mehr stampfend als galoppierend unterwegs ist und sich bestimmt live sehr gut machen wird. Das folgende „Kill The Beast“ hat dann schöne Gitarrenduelle und an IRON MAIDEN erinnernde Twin-Leads in petto und hier und da schielen JUDAS PRIEST hinsichtlich der Gesangsmelodien um die Ecke, was beides auch für das abschließende „Meltdown“ gilt (wobei die britische NWOBHM-Legende sogar im Text erwähnt wird).

Das Fazit zu „Slaves Of Time“ ist überaus positiv: STALLION zocken frisch und dennoch oldschool klingenden, nach vorn preschenden HEAVY METAL mit einer tollen Gitarrenarbeit, einer dynamischen, mal stapfenden, mal galoppierenden Rhythmusfraktion und einem Sänger, der sich mit seinem kraftvoll-kreischenden Organ von der Masse der Metal-Sänger abhebt. Die Songs sind an sich keine Revolutionen mit wahnsinnig neuen Ideen, aber sie fetzen schön und sollten jedem Headbanger Spaß machen. Welche Note man bei solch einer starken Scheibe am Ende zückt, ist eigentlich nicht so wichtig: Denn eine Note ändert nichts daran, dass dieses Album letztlich eines ist, das jeder Fan von klassischem HEAVY METAL wie JUDAS PRIEST anchecken muss. Ja, MUSS!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Tobias (28.02.2020)

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